Letzte Meldung:   Spiel mit dem Feuer – wie Eiszeitjäger das Landschaftsbild Europas prägten   Bereits vor 20.000 Jahren haben Jäger und Sammler möglicherweise gezielt Feuer eingesetzt und damit zur Entstehung des lichten Charakters der eiszeitlichen europäischen Landschaft beigetragen. Das legt eine kürzlich im Fachjournal "PLOS ONE" veröffentlichte Studie nahe, zu deren Autoren auch eine Senckenberg-Wissenschaftlerin gehört. Es wäre einer der frühesten Hinweise auf einen großflächigen Eingriff des Menschen in die natürliche Vegetation seiner Umgebung. Der Befund erklärt, warum Analysen von Sedimenten belegen, dass in der Eiszeit in Europa eine offene Steppenlandschaft vorherrschte, während Veg....
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Sprache - Informationsaustausch von Gehirn zu Gehirn

Indische Bauern
Die hochentwickelte Sprache war es vor allem, die den technischen und kulturellen Durchbruch ermöglichte. Das Bild zeigt zwei Bauern im indischen Dorf Bhimadole bei der Lösung eines Problems.

Der Cro-Magnon-Mensch war weder stärker als der Neandertaler, noch hatte er ein größeres Gehirn. Und doch löste der moderne Mensch nach dem millionen-jährigen Schneckengang früherer Kulturen in nur wenigen tausend Jahren einen technischen Höhenflug aus, der inzwischen zu den Sternen geht. 99 Prozent der bekannten Menschheitsgeschichte waren bereits vergangen, als scheinbar aus dem Nichts hochfeine Werkzeuge aus Stein, Horn und Holz auftauchten, als »zweckfreie« - also künstlerische - Dinge wie elfenbeinerne Figuren oder Höhlenmalereien ohne historische Vorbilder entstanden. All diese kulturellen Leistungen lassen darauf schließen, dass der moderne Homo sapiens dem Neandertaler sowie dem Homo erectus möglicherweise einen kleinen, aber feinen Unterschied voraus hatte: eine präzisere, schnellere, und vielschichtigere Sprache.

Kebara Zungenbein
Das Zungenbein aus der Kebara Höhle dient vielen Forschern als Beweis der Sprechfähigkeit der Neandertaler.

Dass auch der Neandertaler zu einer komplexen Sprache fähig war, wird heute kaum mehr angezweifelt. Die Untersuchung ihrer Schädelbasis führte zunächst zu der Hypothese, dass der Kehlkopf der Neandertaler zum Sprechen zu wenig entwickelt war: Bei Jetztmenschen sitzt er tief unten im Hals und ermöglicht ein breites Spektrum von Lauten, aber als einzige Säugetiere können wir deshalb nicht gleichzeitig trinken und atmen, ohne uns zu verschlucken. Aus der Wölbung des Schädels schloss man, der Kehlkopf habe bei den Neandertalern höher gelegen, und der gesamte Stimmapparat sei affenähnlicher gewesen, so dass sie nicht das ganze menschliche Lautspektrum hervorbringen konnten.

Aber dann fand man in einem Grab in Israel (Kebara 2) ein überzeugendes Indiz für die Sprachfähigkeit der Neandertaler: Neben dem Unterkiefer des Skeletts entdeckte man auch das fast vollständige Zungenbein - ein Knochen der nur mit dem weichen Gewebe des Kehlkopfes verbunden ist und als Verankerung wichtiger Sprechmuskeln dient. Das Zungenbein von Kebara lässt sich kaum von dem eines Jetztmenschen unterscheiden. Das heißt, dieser Neandertaler hatte wohl einen modernen Kehlkopf und konnte die ganze Palette der heutigen Sprachlaute hervorbringen.

Unter dem Druck einer gnadenlosen eiszeitlichen Umwelt hatte sich das Neandertaler-Gehirn auf ein gewaltiges Volumen vergrößert. Doch konnten sie die Erkenntnisse, die in diesen zum Teil 1600 Kubikzentimeter großen Denkapparaten gespeichert waren, genau so effizient untereinander austauschen und an die Nachkommenschaft weitergeben, so wie wir das können? Die Meinungen der Forscher gehen hier teilweise beträchtlich auseinander.

Erst mit dem Entstehen der Sprache konnte die ganze geistige Kapazität des Gehirns und die Geschicklichkeit der menschlichen Hand ausgenützt werden. Mehr Köpfe konnten mehr Kenntnisse zusammentragen, also waren größere Gruppen im Vorteil (und das Mehr an Wissen machte auch die Ernährung der größeren Bevölkerung möglich). Ältere Menschen erwiesen sich für Neandertaler und Cro-Magnon-Gruppen trotz körperlicher Schwächen als Vorteil, weil sie die Kenntnisse der Gruppe an die nächste Generation weitergeben konnten, und sie wurden deshalb besser gepflegt.

Vor rund 50.000 Jahren überschritt der Cro-Magnon-Mensch dann die »Grenze der tierischen Notwendigkeit«: Der Kampf ums Dasein war dank der neu erfundenen technischen Hilfsmittel leichter geworden, es blieb erstmals Zeit für Tänze und Spiele, für Rituale und für Erzählungen. Die Basis für diesen kulturellen Höhenflug war eine solide »Wirtschaft«. Die Großwildjagd wurde mit neuen Jagdwaffen wie etwa der Speerschleuder sicherer: Mit diesem »verlängertem Arm« aus Holz oder Horn konnte ein Tier noch aus 30 Meter Entfernung tödlich getroffen werden. Fleisch von großen Tieren wie Mammuts, Wisenten oder Rentieren bildeten nach wie vor die Grundlage des spät-eiszeitlichen Speisezettels. Doch Homo sapiens lernte schnell, andere Leckerbissen zu nutzen: Fische, Muscheln und Vögel stellten die Ernährung auf eine breitere Basis.