Letzte Meldung:   Spiel mit dem Feuer – wie Eiszeitjäger das Landschaftsbild Europas prägten   Bereits vor 20.000 Jahren haben Jäger und Sammler möglicherweise gezielt Feuer eingesetzt und damit zur Entstehung des lichten Charakters der eiszeitlichen europäischen Landschaft beigetragen. Das legt eine kürzlich im Fachjournal "PLOS ONE" veröffentlichte Studie nahe, zu deren Autoren auch eine Senckenberg-Wissenschaftlerin gehört. Es wäre einer der frühesten Hinweise auf einen großflächigen Eingriff des Menschen in die natürliche Vegetation seiner Umgebung. Der Befund erklärt, warum Analysen von Sedimenten belegen, dass in der Eiszeit in Europa eine offene Steppenlandschaft vorherrschte, während Veg....

Die Besiedlung der Erde - Die ersten Australier

trockene Gebiete während der Eiszeit
Groß-Australien (Sahul) und Sunda-Land zu Zeiten als der Meeresspiegel um bis zu 150 m tiefer lag. Sahul war während der letzten Eiszeit, in die auch die Erstbesiedlung Australiens fällt, stets von Sunda-Land durch das Meeresgebiet der Wallacea getrennt. Die ersten Australier mussten somit auch Seefahrer gewesen sein

Vor 55 Millionen Jahren war Australien Teil des Südkontinents Antarctica, der sich wiederum aus dem Ur-Kontinent Gondwanaland gebildet hatte. Als Australien dann weg driftete, konnte sich eine einzigartige Tierwelt entwickeln. Australien brachte Kloakentiere und Beuteltiere hervor, die es sonst nirgendwo auf der Welt gibt. Als Australien nordwärts wanderte blieb der Kontinent stets eine Insel und war zu allen geologischen Zeiten durch Wasserstraßen vom Rest der Welt abgeschieden.

So war es auch in den Kaltphasen der Eiszeiten nicht möglich, trockenen Fußes nach Australien zu gelangen. Während der letzten Eiszeit war ein großer Teil des Wassers in den Eisschilden um die Pole und in den Gebirgsgletschern gebunden, so dass der Meeresspiegel zeitweise bis zu 150 Meter niedriger war und Teile der Kontinentalschelfe trocken lagen. Die großen indonesischen Inseln Borneo, Sumatra und Java einschließlich einer Vielzahl kleinerer Inseln gehörten zum asiatischen Festland und bildeten eine riesige Halbinsel, auch Sunda-Land genannt. Aber auch Neuguinea, Australien und Tasmanien waren ein Superkontinent, den man Groß-Australien oder Sahul nennt. Zwischen Sunda-Land und Sahul lag die Wallacea (Siehe Glossar, Wallace-Linie), ein Meeresgebiet mit vielen Inseln, darunter Flores und Timor.

Als vor etwa 2 Millionen Jahren der frühe afrikanische Homo ergaster (erectus) erstmals Afrika verließ, breiteten sich diese Homininen über die gesamte Alte Welt aus. Sie gelangten über den Nahen Osten nach Europa und bis nach Asien. Als Homo erectus dann in Südostasien das Meer erreichte und kein Weg mehr weiterführte, dürfte er die ersten Seefahrten unternommen haben. Das legen jedenfalls die mehr als 800.000 Jahre alten Steinwerkzeuge von Flores nahe. Bis nach Australien scheint der Homo erectus aber nie gekommen zu sein. Dieser Schritt sollte erst viel später dem Homo sapiens gelingen, der über viele Generationen hinweg Insel für Insel der Wallacea besiedelte und so dem australischen Kontinent immer näher kam.

Zwei Routen erscheinen heute als wahrscheinlich. Die erste führt über eine Reihe von Inseln von Sulawesi zum damaligen Nordwesten von Sahul, dem heutigen Neuguinea. Insgesamt acht Mal musste Wasser überquert werden, um vom asiatischen Festland nach Sahul zu gelangen.

Die zweite Route verläuft weiter südlich von der südlichsten Festlandspitze und führt über die heutigen Inseln Java, Bali, Lombok, Flores und Timor zur australischen Kimberley Küste, die damals viel weiter westlich lag. Auch hier waren acht Seereisen notwendig, wobei von Flores nach Timor 60 bis 100 Kilometer auf dem offenen Meer zurückgelegt werden mussten. Die größte Strecke jedoch war mit mehr als 100 Kilometern die von Timor bzw. Roti nach Australien. Welche der beiden Routen genommen wurden, lässt sich heute nicht mehr feststellen.

trockene Gebiete während der Eiszeit
Bambus kommt in Südostasien in etwa 200 verschiedenen Arten vor und kann mehr als 20 Meter lang werden, dabei erreichen die Rohre einen Durchmesser von 30 Zentimetern.

Zur Überfahrt waren hochseetüchtige Wasserfahrzeuge unerlässlich. Leider gibt es keinerlei archäologische Belege über solche Wasserfahrzeuge, keinen Bootsrumpf, keine Floßteile, keine Paddel oder Segel. Alle bis heute entdeckten Boote oder indirekten Hinweise auf Seefahrt sind sehr viel jünger und stammen aus der Nacheiszeit. So bliebt nur der Vergleich mit bekannten Wasserfahrzeugen aus der jüngeren Geschichte dieser Region. Von den Ureinwohnern Neuguineas weiß man, dass sie Flöße benutzen, die sie aus mehreren Lagen von Holzstämmen herstellten. Auf solchen Flößen, die mit Steinwerkzeugen hergestellt wurden, konnte man auch offenes Meer überqueren. Ähnlich dürften auch die Wasserfahrzeuge der ersten Besiedler Australiens ausgesehen haben, die vermutlich jedoch nicht Holz verwendet haben, sondern Bambus, ein weitverbreitetes Material im Südosten Asiens.

Den genauen Zeitpunkt der Erstbesiedlung Australiens bleibt die Archäologie allerdings schuldig, da die ersten Populationen kleine Gruppen waren, die nur sehr wenig archäologisch greifbare Spuren hinterlassen haben. So sind alle Altersangaben, sofern sie zuverlässig zu ermitteln waren, Mindestangaben. Im Norden Australiens sind die beiden Siedlungsstätten Nauwalabila I und Malakunanja II auf wenigstens 60.000 Jahre bestimmt worden. Während das hohe Alter dieser Fundstellen allgemein akzeptiert wird, ist dies bei dem Skelett vom Mungosee nicht der Fall. Das Skelett eines Mannes mit der Bezeichnung WLH 3 (Wilandra Lakes Hominid 3) soll neuen Messungen zufolge 62.000 Jahre alt sein. Wenn auch die Altersbestimmung dieses Fundes noch auf Bestätigung wartet, kann man davon ausgehen, dass Australien vor mindestens 60.000 Jahren bereits besiedelt war.

Die neue Heimat wird den Neuankömmlingen in vielerlei Hinsicht bekannt vorgekommen sein, jedoch dürften die ersten Australier keine Vorstellung von der Größe der »neuen Insel«, nämlich Australien, gehabt haben. Zunächst haben sie sich wohl eher an den Küsten aufgehalten und sind nur selten ins Landesinnere vorgestoßen. Das Meer gab ihnen alles, was sie brauchten und als Seefahrer war ihre Kultur sicherlich ganz an das Leben am Meer angepasst. Sie fuhren hinaus und machten mit Speeren und Harpunen Jagd auf größere Fische. Auch dürften Netze zum Einsatz gekommen sein, diesen Schluss legen jedenfalls die Überreste von Fischen nahe, die alle eine ähnliche Größe haben.

Erst später werden sich einige Gruppen entlang der Flüsse ins Landesinnere aufgemacht haben, um dort an den Inlandseen ihre Lager aufzuschlagen. Der Auslöser für diese Wanderungen mag das Klima gewesen sein. Jedes mal, wenn sich die Erdatmosphäre erwärmte und das Eis der Polarkappen und Gletscher zu Schmelzen begann, stieg der Meeresspiegel an und überflutete große Teile der australischen Küsten. Dabei wurden auch Lagerplätze und die Jagd- und Sammelreviere der ersten Australier unter Wasser gesetzt. So ist es denkbar, dass die Menschen im Landesinneren neue Territorien fanden, wo sie allerdings - weit vom Meer entfernt - ihren Lebensstil anpassen mussten.

Die Menschen vom Lake Mungo

Lake Mungo Grab 3
Vor 40.000 Jahren haben die Menschen, die am Mungosee lebten, hier zwei ihrer Verstorbenen beerdigt.

Im Südosten Australiens liegen die Willandra-Seen, deren bekanntester der Mungosee ist. Wasser führen sie schon lange nicht mehr. Alle sechs Seen sind seit etwa 15.000 Jahren ausgetrocknet. Doch vor 50.000 bis 15.000 Jahren zog eine insgesamt mehr als 1000 Quadratkilometer große Wasserfläche Menschen und Tiere an. Vor wenigstens 60.000 Jahren haben hier Menschen erstmals ihre Spuren in Form von Steinwerkzeugen, Feuerstellen und Gräbern hinterlassen.

Die Menschen vom Mungosee waren gut ernährt und lebten gesund, ihre Nahrung aus dem See war proteinreich und vielseitig. Doch sie waren nicht nur auf den Fischfang angewiesen. An Feuerstellen sowie in Erdöfen und Abfallhaufen wurden die Knochen einer Reihe von Beuteltieren gefunden, darunter Wallaby, Känguru und Wombat. Auch fanden sich Reste von den heute ausgestorbenen Tasmanischen Tigern, die auf ausgedehnteren Jagdausflügen erlegt wurden.

Zwischen 1968 und 1982 wurden allein im Willandra-Seengebiet über 130 Bestattungen entdeckt. Die jüngsten Gräber sind ungefähr 15.000 Jahre alt und fallen somit in die Zeit, als die Seen auszutrocknen begannen. Andere Gräber sind wenigstens 30.000 Jahre oder wie im Fall von WLH 3 sogar 60.000 Jahre alt. Ein Teil der Skelette aus dem Seengebiet macht einen zierlichen Eindruck und ihre grazile Form passt laut Paläoanthropologen zum anatomisch modernen Menschen. Grazile Menschen finden sich for allem am Mungosee, dem südlichsten der Seen. Eine Reihe von Schädelmerkmalen entspricht ganz dem modernen Homo sapiens, wie etwa die steile hohe Stirn, die schwach ausgeprägten Überaugenwülste und das markant hervorstehende Kinn.

Den Vertretern der Out-Of-Africa - Theorie zufolge hatten sich diese und noch eine Reihe weiterer charakteristischer Merkmale bereits in Afrika entwickelt und von dort über die ganze Welt ausgebreitet. Allerdings wurden am Garnpungsee, dem nördlichsten der Willandra-Seen, Skelettreste gefunden, die nicht in dieses Schema des grazilen Menschen passen. Einer dieser Funde ist ein Schädel, der WLH 50 (Willandra Lake Hominid 50) genannt wird und dessen genaues Alter unbekannt ist. Er dürfte jedoch älter als 35.000 Jahre sein, vielleicht sogar über 50.000 Jahre. Das Schädeldach von WLH 50 ist flach und langgestreckt und nicht so gerundet wie das der grazilen Form. Die Stirn ist nicht steil sondern flach, und über den Augen erstreckt sich ein geschlossener Wulst Diese Merkmale erinnern alle entfernt an den Homo erectus, jedoch hat WLH 50 im Gegensatz zu letzterem ein sehr großes Gehirn.

Dreihundert Kilometer von den Willandra-Seen entfernt liegt Kow Swamp. Dort wurden zwischen 1968 und 1972 weitere Fossilien gefunden, die zwar jünger sind (14.000 bis 9.500 Jahre), aber ebenfalls robuste Merkmale zeigen. Bei einigen Funden ist die Gesichtspartie erhalten, und die springt deutlich hervor - ein weiteres archaisches Merkmal. Alles in allem sehen diese Schädel derart anders aus als die des modernen Menschen, dass bei der Veröffentlichung des Fundes 1972 Alan G. Thorne und Phillip G. Macumber glaubten, der Homo erectus habe Australien erreicht und hier noch bis vor 10.000 Jahren überlebt. Doch die Menschen von Kow Swamp besaßen ebenso große Gehirne wie die modernen Menschen, so dass diese Vermutung später zurückgenommen wurde. Bis heute können alle australischen Skelett- und Schädelfunde dem Homo sapiens zugeordnet werden und es gibt keine Anzeichen auf ältere Homininen, wie etwa den Homo erectus.

Somit lassen sich die australischen Homininenfunde in zwei auffallende Gruppen einteilen - in die anatomisch grazile Form, zu der die Frau vom Lake Mungo gehört und in die sehr viel robusteren Formen, zu denen WLH 50 vom Garnpungsee und die Kow-Swamp-Funde gehören. Manche Wissenschaftler sehen in den beiden so unterschiedlichen Menschenformen einen Hinweis auf zwei oder gar mehr Einwanderungswellen. Dabei werden die Vorfahren der grazilen Formen im südlichen China und die der robusten in Indonesien bzw. Südostasien vermutet. Beide sollen jedoch über die Wallacea nach Australien gelangt sein. Später kam es wohl zu einer genetischen Vermischung der beiden ursprünglichen Populationen, so dass sich Merkmale beider Formen bis heute bei einigen Aborigines-Gruppen erhalten haben.