Chororapithecus abyssinicus - Evolution der Primaten

Chororapithecus abyssinicus Spezies: Chororapithecus abyssinicus
lebte vor: ca. 10 Millionen Jahren
Lebensraum: Nordafrika, Äthiopien
Entdecker: Gen Suwa

Neun kleine Zähne aus dem äthiopischen Afar-Dreieck sorgten 2007 für Aufsehen bei Vormenschen-Forschern: Sollten sie wirklich von einem frühen Gorilla stammen, wie von den Forschern angenommen, müsste die Trennung von Menschenaffen und Menschen wohl rückdatiert werden.

Der letzte gemeinsame Verwandte von Menschen und Gorillas könnte mindestens zwei Millionen Jahre früher gelebt haben als bisher angenommen. Ein Forscherteam um Gen Suwa hat in Afrika versteinerte Zähne des frühesten Gorillas gefunden, der je entdeckt worden ist - und sie sind zehn Millionen Jahre alt!

Es wären die ältesten Fossilien eines Gorillas, die die äthiopischen und japanischen Wissenschaftler am Südrand der Afar-Senke gefunden haben. Unweit des Flusses Awash und rund 170 Kilometer östlich von Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba stieß das Team vom University of Tokyo Museum im Buschland auf neun versteinerte Zähne.

Dieser Fund könnte die Diskussion anheizen, wie Anthropologen und Genetiker die Trennung der Entwicklung des Menschen und des Schimpansen auf einen Zeitpunkt vor sechs Millionen Jahren festlegen konnten. "Chororapithecus abyssinicus lässt wieder einmal vermuten, dass Afrika der Geburtsort sowohl des Menschen als auch der heutigen afrikanischen Menschenaffen ist" - und nicht Eurasien, wie einige Forscher vermuten, sagt Suwa.

Er und seine Kollegen ordnen die neun Zähne von mindestens drei unterschiedlichen Individuen nicht nur einer neuen Art, sondern auch gleich einer neuen Gattung zu: Chororaphithecus abyssinicus schlagen sie als Namen vor - in Anlehnung an den Fundort Chorora und an den früher für Äthiopien verwendeten Begriff Abessinien.

Fundkarte Chororapithecus abyssinicus
vergrößernDie Fundregion in Äthiopien

Doch Paläontologe Jay Kelley, der Zähne von Primaten an der Universität von Chicago in Illinois untersucht und an dieser Studie nicht beteiligt war, ist skeptisch. "Ich bin nicht überzeugt, dass es sich überhaupt um einen Gorilla handelt", sagt er. Weitere Funde, Analysen und Diskussionen werden beweisen müssen, ob die Spezies ein Vorfahre der Homininen ist, fügt er hinzu. Im Augenblick wäre er "sehr vorsichtig", einen einzigen Fund zum Anlass zu nehmen, den Abweichungszeitpunkt der Entwicklung von Homininen und Gorilla-Schimpansen neu zu berechnen.

In der Zeit vor Lucy, jenem vor mehr als 30 Jahren in Äthiopien entdeckten Skelett eines Australopithecus afarensis, herrscht Unordnung im Stammbaum der Vormenschen und Menschenaffen. Bis heute rätseln Wissenschaftler, wie und wann genau sich die Linien getrennt haben. Das ist auch deswegen so schwer zu beantworten, weil alle Vorfahren und fast alle Verwandten des Homo sapiens mittlerweile ausgestorben sind. Unter den verbliebenen teilt er mit Schimpansen und Gorillas noch die meisten Gene - es sind also die nächsten lebenden Verwandten des Menschen.

Wann und wo sich die Entwicklungslinien der drei Arten getrennt haben, ist daher eine der am heftigsten diskutierten Fragen der Paläoanthropologie.

Vor ca. 15-20 Millionen Jahren gab es Dutzende Spezies von Primaten in Afrika und Eurasien - und die Menschenaffen dominierten das Feld. Doch fossile Funde zeigen, dass diese Menschenaffen nicht die gleichen Charakteristika aufweisen wie heutige afrikanische Menschenaffen. "Aus dem Pool der Fundstücke zweigte irgendwann der gemeinsame Vorfahr der afrikanischen Affen und der Menschen ab", sagt Tim White von der University of California in Berkeley. Er ist der Direktor der Revealing Human Origins Initiative (RHOI), die gezielt an mehrere Stellen in Asien und Afrika nach Fossilien von Vormenschen sucht, die noch älter als der bisher älteste Fund - der sieben Millionen Jahre alte Sahelanthropus tchadensis - sind.

Der Fund in der Afar-Senke hätte, sofern er bestätigt werden sollte, noch eine zweite Konsequenz für unser Bild von der Menschwerdung: Wenn die Trennung von der Entwicklungslinie des Gorillas statt vor acht schon vor mehr als zehn Millionen Jahren stattgefunden haben sollte, wurde bislang vielleicht auch die Trennung von den Vorfahren der heutigen Schimpansen zu spät angesetzt.

Artikel: 2004, Letztes update: 04.02.2012 um 01:35
Quelle
Gen Suwa, Reiko T. Kono, Shigehiro Katoh, Berhane Asfaw, Yonas Beyene: A new species of great ape from the late Miocene epoch in Ethiopia. Nature 448, S. 921–924, 23. August 2007 doi:10.1038/nature06113

User online 10   gestern 973   heute 791 Glossar LinklisteSitemapMail