Aegyptopithecus - Evolution der Primaten

Aegyptopithecus zeuxis Spezies: Aegyptopithecus zeuxis
lebte vor: ca.30 Millionen Jahren
Lebensraum: Nordafrika
Entdecker: Elwyn Simmons

Vor ca. 35 bis 20 Millionen Jahren lebte in Nordafrika eine kleine baumlebende, geschwänzte Primatenart, die man nach ihrer Ausgrabungsstätte Fayum in Ägypten, die reich an Fossilien ist, Aegyptopithecus nannte. Sie weist an der Gehörgangöffnung einerseits noch Merkmale der Neuweltaffen auf, die sich vor ca. 40 Millionen Jahren von den Altweltaffen getrennt haben, andererseits aber besitzt sie auch Merkmale der Hominoiden, deren Linie über die Menschenaffen zum Menschen führt, wie z.B. eine moderne Zahnformel (2-1-2-3) und ein zur Körpergröße relativ großes Hirnvolumen (ca. 30 cm³). Aegyptopithecus wog ca. 4 – 8 kg und besaß einen opponierbaren Daumen. Männchen hatten grössere Eckzähne als Weibchen (sexueller Dimorphismus). Der Aegyptopithecus ist somit an der Schnittstelle zwischen den Neu- und Altweltaffen, aber wohl auf der Linie zu den Hominoiden anzusiedeln.

Aegyptopithecus
Darstellung des noch mit einem Schwanz versehenen Aegyptopithecus

Die reichhaltigste Fundstätte früher Catarrhini (Altweltaffen) liegt in der Fayum-Senke in heutigem Ägypten. Diese Region ist heute trockene Wüste, doch während des Oligozäns vor ungefähr 34 Millionen Jahren standen hier sumpfige Wälder mit einer großen Vorkommensdichte altertümlicher Primaten. Aegyptopithecus zeuxis war ein kleiner Primat, ungefähr 6 kg schwer, mit im wesentlichen affenartigen Gebiss mit breiten flachen Schneidezähnen, niedrigen Molaren mit etwas knolligen Scheitelpunken, und sexuell dimorphen Eckzähnen. Diese Zahnmerkmale sind denen lebender Menschenaffen ähnlicher als denen der primitiveren Altweltaffen. Da sich die charakteristischen Scherschneidmolaren der Cercopithecoiden (geschwänzte Altweltaffen = Meerkatzenverwandte oder Hundsaffen) später entwickelten, repräsentiert Aegyptopithecus möglicherweise die urtümliche Zahnanatomie für alle Catarrhinen.

Schädel des AegyptopithecusSchädel des Aegyptopithecus
Zwei Ansichten eines Aegyptopithecus-Schädels aus dem westlichen Ägypten. Länge des Schädels ca. 10 cm

Im Gegensatz zu heute lebenden Affen hatten die Backenzähne des Aegyptopithecus einen breiten zusätzlichen Wulst, Cingulum genannt, der den Mahlbereich der Zähne vergrößerte.

Das postcraniale Skelett von Aegyptopithecus war im Wesentlichen affenartig mit kurzen Vordergliedmaßen und einem Schwanz. Der Schädel hatte einige Merkmale der späteren Hominoiden, einschließlich der ausgeprägten Muskelansätze, welche einen niedrigen sagittalen Kamm bei den meisten Individuen bildeten. Die beiden lebenden Catarrhinen--Superfamilien, sprich die Hominoiden und die Cercopithecoiden, könnten sich schon bevor Aegyptopithecus existierte auseinander entwickelt haben. Da Aegyptopithecus keine gemeinsamen Ähnlichkeiten mit einer dieser Gruppen aufweist, könnte er jener primitiven Catarrhinen-Linie sehr ähnlich gewesen sein, die dann beide heute lebenden Gruppen hervorbrachte.

Artikel: Hans-Peter Willig

© Hans-Peter Willig, München User online 10   gestern 339   heute 132 Glossar LinklisteSitemapMail