Das Rift-Valley - Evolution der Primaten

Das Rift-Valley
vergrößernKräfte aus dem Erdinneren begannen vor etwa 20 Mio. Jahren auch Afrika auseinander-
zuzerren. Das rote Meer spaltete Arabien von Afrika ab, und ein gewaltiger Grabenbruch weitete sich von der äthiopischen Afar-Senke aus nach Süden

Während die Saurier die Erde beherrschten, spalteten die Kräfte aus dem Erdinneren den vor ca. 225 Mio. Jahren entstandenen Superkontinent Pangäa wieder auf, zunächst in zwei Teile: »Laurasia« und »Gondwanaland«. Laurasia bestand aus den Nord-Kontinenten Asien und Nordamerika, Gondwanaland setzte sich aus den Süd-Kontinenten Südamerika, Afrika, Australien, der Antarktis sowie dem heutigen Indien und Madagaskar zusammen.

Vor 65 Millionen Jahren am Beginn des Tertiärs als die Dinosaurier ausstarben, war Südamerika schon zu einer riesigen Insel geworden, öffnete sich der Nordatlantik zwischen Europa und Nordamerika, strebte der indische Subkontinent auf Asien zu (mit dem er später dann zusammenstieß, wobei sich der Himalaya auffaltete). Damals begann die Evolution für die Säugetiere auf den einzelnen Kontinenten verschieden schnell zu laufen.

Die bis heute anhaltende Aufspaltung der Kontinente bestimmte auch die geographische Verteilung der Primaten: Australien war schon davongetrieben, bevor sich die ersten Primaten entwickelten; Madagaskar wurde im rechten Augenblick abgespalten, um den Halbaffen (Feuchtnasenaffen) wenigstens eine kleine heile Welt bis heute zu bewahren. Was aber war mit Südamerika? Der Kontinent war, wie die Daten der Meeresgeologen zeigen, durch den sich öffnenden Atlantik bereits von Afrika getrennt, als sich dort die Echten Affen (Trockennasenaffen) entwickelten. Manche Gelehrte vermuten deshalb, die Neuweltaffen hätten sich unabhängig von den Altweltaffen aus den frühesten Halbaffen entwickelt und wegen der ähnlichen Lebensbedingungen so auffällig gleichartige Formen hervorgebracht. Dem widersprechen freilich viele Details der Anatomie, des Stoffwechsels und Genetik beider Gruppen.

Kilimandscharo
Eine abwechslungsreiche Landschaft mit riesigen Vulkanbergen wie dem Kilimandscharo (oben) und großen Seen entstand.
Foto:
© 2002 M. Disdero
Koobi Fora
Die Koobi-Fora-Halbinsel im Turkanasee, Kenia

Die Neuweltaffen fanden in dem größten zusammenhängenden tropischen Urwaldgebiet der Erde am Amazonas ein Paradies, das ihnen bis heute niemand streitig machte. Ihre Vettern in der Alten Welt waren da weniger gut dran: Sie mußten sich weiter spezialisieren -ein Zwang, der schließlich zu ganz neuen Affen-Arten führen sollte: den Menschenaffen.

Die Erde glich einem tropischen Paradies, als die ersten Affen durch die Wipfel der weitverbreiteten Wälder tobten. Eine Durchschnittstemperatur von fast 25 Grad Celsius, annähernd doppelt so hoch wie heute, machte das Eozän (die »frühe Zeit«) vor rund 45 Millionen Jahren zur goldenen Zeit der Säugetiere. Dann jedoch, mit der nächsten Epoche (dem »Oligozän«), sanken die Temperaturen auf der ganzen Erde.

Afrika lag im Zentrum der auseinandertreibenden Bruchstücke des Urkontinents Pangäa wie eine Insel des geologischen Friedens in einem Meer tektonischer Unruhe. Mitte des Oligozäns, vor rund 30 Millionen Jahren, bedeckten noch dichter Wald und feuchte Savanne den nördlichen Teil des Schwarzen Kontinents, den heute die Sahara verdorren läßt.

Rund achtzig Kilometer südwestlich des heutigen Kairo mündete damals ein Urahn des Nil in das Meer. Im Dschungel an seinen Ufern kletterte ein etwa fhsgroßes Wesen mit kurzer Schnauze, voll nach vorn blickenden Augen, einem kurzen Schwanz sowie je zwei Greifhänden und -füßen mit flottem vierbeinigem Gang von Ast zu Ast. Ein fossiles Überbleibsel dieses Affentieres erregt seit 1965 die Gemüter der Urmenschenforscher. Damals fand der amerikanische Primaten-Experte Elwyn Simons in der künstlich bewässerten Fayum-Senke westlich des Niltals einen Schädel und Zähne, die an einen Menschenaffen erinnerten: Aegyptopithecus, der »ägyptische Affe« (griechisch pithekos = Affe). Er gilt als der älteste gemeinsame Vorfahr von Menschenaffen und Menschen.

Simons, der 1978 auch noch einen Oberarmknochen fand, bestimmte das Alter seines Fundes nach der Gesteinsschicht, in der er eingebettet war, auf 28 Millionen Jahre. Es waren vor allem die Zähne, die dem Forscher zeigten, dass die Entwicklungsschiene zu jener Zeit weg von den Affen und hin zu den Menschenaffen führte. Anders als die Altweltaffen weisen nämlich alle Menschenaffen und Menschen fünfhöckrige Mahlzähne mit einem typischen, ypsilonförmigen Furchenmuster auf. Die Zähne des Aegyptopithecus sahen so aus wie die eines modernen Gorillas. Und auch die Zähne und Kiefer eines anderen Primatenfundes aus dem Oligozän, dessen Alter auf 30 Millionen Jahre geschätzt wird, zeigen ebenfalls schon menschenaffenähnliche Züge, weshalb einige Wissenschaftler diesen Propliopithecus (»vor dem modernen Affen«) als Vorläufer des Aegyptopithecus einstufen: Die Wurzeln unserer biologischen Großfamilie liegen also in den Tropenwäldern des Oligozäns.

Die neue Affen-Familie begann ihren Aufstieg, als es mit der Vielfalt der sonstigen Säugetiere schon wieder abwärts ging. Als die frühen Vertreter der Menschenaffen nach und nach ihren Schwanz zurückbildeten, endete auch in Afrika die lange Zeit des geologischen Friedens. Die Kräfte der Plattentektonik begannen, die gewaltige Landmasse vor allem im nordöstlichen Bereich aufzuspalten. Magma quoll auf, Vulkane fingen an zu speien, und ein riesiges Grabensystem - das Great Rift Valley - zog sich, einer klaffenden Wunde gleich, mitten durch das Kernland der Säugetier- und Primatenentwicklung. Diese Grabenbrüche ziehen sich heute als insgesamt 6500 Kilometer lange, vulkangesäumte Vertiefungen durchs Herz des Kontinents bis hinab zum südafrikanischen Sambesi-Fluß. Vor 18 Millionen Jahren, mitten in der Epoche des Miozäns (sie verdankt ihren Namen den seltenen Fossilienfunden aus dieser Zeit), stieß Afrika im Norden wieder mit der eurasischen Landmasse zusammen. Als Folge dieser kontinentalen Massenkarambolage, an der auch Indien beteiligt war, falteten sich Gebirgszüge vom Atlas über die Alpen bis zum Himalaya auf. Da zur gleichen Zeit der Erdteil Antarktika am Südpol angekommen war und zu vergletschern begann, kam das Klima der ganzen Erde regelrecht ins Schleudern. Im tropischen Afrika dünnten sich die Wälder aus, trockenere Parklandschaften entstanden.

Artikel: 2004, Letztes update: 04.02.2012 um 01:35

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