Neandertaler - Homo neanderthalensis - Tabun 1


FUND FUNDORT ALTER ENTDECKER DATUM
adultes weibliches Cranium eines Homo neanderthalensis Tabun Höhle, Mount Carmel, Israel ca. 120.000 Jahre ? 1967
VERÖFFENTLICHUNG
Garrod & Bate. 1937, Excavations at the Wady El-Mughara, Volume 1. Oxford: Clarendon Press und Jelinek et al. 1973, Palaeorient1, 151–183
Schädel einer Neandertalerin aus der Tabun Höhle am Mount Carmel, Israel
Schädel einer Neandertalerin aus der Tabun Höhle am Mount Carmel, Israel

Die Tabun Höhle liegt am Berg Carmel in Israel und war zeitweise während des unteren und mittleren Paläolithikums vor 500.000 bis 40.000 Jahren von Menschen bewohnt. Im Laufe dieser Zeit haben sich Ablagerungen aus Sand, Schluff und Ton von bis zu 25 Metern Höhe angesammelt. Die Ausgrabungen zeigen, dass die Tabun Höhle zu den am längsten bewohnten Höhlen in der Levante gehört.

Tabun, was soviel wie Ofen bedeutet, brachte das Skelett einer Neandertalerin zutage, das man auf ein Alter von ca. 120.000 Jahre datieren konnte. Es handelt sich somit um eine der ältesten menschlichen Überreste, die in Israel gefunden wurden.

Die untersten und somit ältesten Ablagerungen in der Höhle enthalten große Mengen an Meeressand, was zusammen mit Spuren von Pflanzenpollen auf ein warmes Klima zu diesem Zeitpunkt hindeutet. Die schmelzenden Gletscher in vielen Teilen der Welt ließen den Meeresspiegel ansteigen und hatten den Rückzug der Küstenlinien zur Folge. Die Ebenen entlang der Küsten waren schmaler und die Vegetation ähnelte einer Savanne. Für die Jagd auf Gazellen, Flusspferde, Nashörner und Wildrinder, die damals die Küstenlandschaften recht zahlreich durchstreiften, benutzten die Höhlenbewohner Jagdwaffen und Werkzeuge aus Feuer- oder Kalkstein, die auch bei der Suche nach Pflanzenwurzeln zum Einsatz kamen. Die Werkzeuge wurden im Laufe der Zeit immer weiter verbessert, so wurden die Faustkeile kleiner und die neue Formen lagen besser in der Hand. Aus den dickeren Abschlägen der Feuersteinkerne formte man Werkzeuge, die zum Abschaben des Fleisches von den Tierknochen und für die Verarbeitung von Fellen und Häuten verwendet wurden.

Die oberen Schichten der Tabun Höhle bestehen hauptsächlich aus Lehm und Schluff, was darauf hindeutet, dass das Klima zur Zeit der Entstehung dieser Ablagerungen kälter und feuchter war. Dieser Klimawandel machte sich durch breitere Küstenregionen bemerkbar, die von dichten Wäldern und Sümpfen bedeckt waren. Das Fundmaterial aus den oberen Schichten der Höhle ist eindeutig der Moustérien-Kultur zuzuordnen, die vor etwa 200.000 Jahren entstand und bis vor 45.000 Jahren nachweisbar ist. Kleine Feuersteinwerkzeuge dominieren diese Schichten, die hauptsächlich mit der Levallois-Technik hergestellt wurden, benannt nach einem Vorort von Paris, in dem man diese Herstellungstechnik an ausgegrabenen Artefakten zum ersten Mal nachwies.



Die Ausgrabungen von Arthur Jelinek in den Jahren 1967 - 1972 in der Tabun Höhle brachten über 1.900 vollständige und teilweise zerbrochene Faustkeile zu Tage. Der größte Teil der Ansammlungen kann auf das späte Acheuléen und die Jabrudien Industrie zurückgeführt werden. Die Jabrudien-Kultur ist eine kulturelle Phase des mittleren Paläolithikums der Levante (Syrien, Libanon, Palästina). Sie zeigt im großen und ganzen Ähnlichkeiten mit dem europäischen La Quina.

Die große Zahl von Knochen des Damhirschs, die in den oberen Schichten der Tabun-Höhle gefunden wurden, könnten bedeuten, dass die kaminartige Rückseite der Höhle als natürliche Falle fungierte. Spekulationen zufolge könnten die Tiere in die Öffnung getrieben worden sein. Als sie dann in die Höhle stürzten wären sie von den frühen Menschen leicht zu erlegen gewesen.


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