Homo erectus - Sangiran 17


FUND FUNDORT ALTER ENTDECKER DATUM
adultes maskulines Cranium Sangiran, Java, Indonesien ca. 800.000 Jahre Mr. Towikromo 13. September 1969
VERÖFFENTLICHUNG
Sartono, S., 1971. Observations on a new Skull of Pithecanthropus erectus (Pithecanthropus VIII) from Sangiran. Central Java. Koninklijke Akademie Wetenschappen te Amsterdam Series B, Volume 74, Pages: 185-194
Der Neandertaler aus der Shanidar Höhle im Irak
Sangiran 17 ist ein gut erhaltener Homo erectus-Schädel

Fast 80 Jahre nach Eugène Dubios' Fund der berühmten ersten Schädeldecke aus Java mussten vergehen, ehe die Wissenschaftler dem Javamenschen endlich ein Gesicht geben konnten. Man hatte dort zwar immer wieder Knochen wie vollständige Gehirnschädel, Schädeldecken und Schädelfragmente von einigen Frühmenschen gefunden, aber bei allen fehlte das Gesicht. Ein Bauer stieß schließlich im Jahr 1969 auf seinem Acker auf das im Sandsteinboden steckende Seitenteil eines stark mineralisierten Schädels. Durch das Eisenoxid im Boden hatte der Schädel eine rostbraune Farbe angenommen. Sangiran 17, so die Fundbezeichnung stellte sich nach der Rekonstruktion als der besterhaltene Homininenschädel aus Java und das einzige bekannte männliche Exemplar von Homo erectus überhaupt heraus.

Für die Theorie der multiregionalen Evolution des Menschen spielte dieser Fund eine große Rolle, da man mit ihm zum ersten Mal das Gesicht eines indonesischen Homo erectus rekonstruieren konnte. Dieser Theorie zufolge entstand Homo erectus in Java, und dort sammelten sich anatomische Merkmale an, die er später auf den ihm nachfolgenden Homo sapiens weitergab.

In den 1970er Jahren tauchten bei Sangiran weitere Fragmente auf, die nach der Kalium-Argon Datierung ein Alter von 1,6 Millionen Jahren aufweisen sollen. Ursprünglich nahm das multiregionale Entwicklungsmodell einen Zeitraum von 1 Million Jahre für die Entwicklung des Homo erectus auf Java und in China an. Dem stehen nun die 1,6 Millionen Jahre von Sangiran entgegen. Die Vertreter der Theorie passten ihre Vorstellungen an die neue Datierung an. Demnach muss eine Isolierung dieser Spezies schon vor etwa 2 Millionen Jahren erfolgt sein. Bislang aber ist kein Beleg aus der Evolutionsgeschichte des Menschen bekannt, der unterstützen würde, dass sich eine Spezies über knapp 2 Millionen Jahre hinweg völlig isoliert entwickelt haben könnte.

Viele anatomische Eigenschaften von Sangiran 17 grenzen den indonesischen Homo erectus von anderen Gruppen dieser Spezies ab und spielen in der multiregionalen Theorie eine große Rolle: Die seitlich abgeflachte Schädelkapsel besteht aus sehr dicken Wänden und die Schädelbasis ist sehr breit. Die Stirn- und Scheitellappen des Gehirns sind nur schwach entwickelt und mit einem Volumen von 1029 cm³ liegt das Gehirn von Sangiran 17 fast am oberen Ende des Größenspektrums von Homo erectus. An den Seiten sowie auf der Rückseite des Schädels befinden sich kräftige Muskelansätze (Johanson 1996 in: From Lucy to Language).




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