Ardipithecus kadabba - ALA-VP-2/10

Website CO2 neutral 80x80
Ein Zahn geht um die Welt: Ardipithecus ramidus
Eine neue Art von Ardipithecus: Ardipithecus kadabba
vergrößern
FUND FUNDORT ALTER ENTDECKER DATUM  VERÖFFENTLICHUNG
Knochen und Zähne Afar-Senke, Äthiopien 5,2 bis 5,8 Millionen Jahre Yohannes Haile-Selassie 1997 Yohannes Haile-Selassie 2001 im britischen Magazin »Nature« (Nr. 412, S. 178-181)

Gegen Ende des Jahres 1994 hat ein internationales Forscherteam mit etwa 5,2 bis 5,8 Millionen Jahre alten Knochen und Zähnen einen der ältesten bisher bekannten Vormenschen entdeckt.

Zwar gibt es mittlerweile Funde, die zwischen 6 und 7 Millionen Jahre alt sind, doch deren Einordung ist noch umstritten. Die etwa 5,2 bis 5,8 Millionen Jahre alten Fossilien(1) lagen in der Senke von Afar in Äthiopien und deuten darauf hin, dass die Gattung Mensch aus den Wäldern Afrikas stammt und sich nicht erst in der Savanne entwickelte. Doch dies ist alles höchst spekulativ: Die Knochen seien im Gegensatz zu dem vorgestellten sechs Millionen Jahre alten "Millenium Menschen" unzweifelhaft in die Linie der menschlichen Vorfahren einzuordnen, schreibt der US-Forscher Yohannes Haile-Selassie im britische Magazin »Nature«.

Einen Kieferknochen mit Zähnen fand der Wissenschaftler von der University of California bereits 1997. Nach der Freilegung weiterer Knochenfragmente ließen sich die Funde der Gattung Ardipithecus zuordnen. Sie bilden jedoch eine eigene Unterart, den Ardipithecus kadabba.

Dieser Vormensch war etwa so groß wie ein heutiger Schimpanse und ging bereits aufrecht. Den aufrechten Gang belegt ein gefundener Mittelfußknochen, der eine ganz bestimmte, für Zweibeiner typische Form aufweist. Ardipithecus ist im menschlichen Stammbaum kurz nach dem Punkt einzuordnen, an dem sich in der Evolution die Linien von Mensch und Affen trennen. "Das war vor mehr als 5,5 Millionen Jahren, wie die neuen Funde beweisen", schreibt Haile-Selassie.

Vor seiner Entdeckung war der älteste bekannte Fossilfund, der eindeutig den Homininen (Menschenartigen) zuzuordnen war, nur rund 4,4 Millionen Jahre alt.

 

Französische Forscher um Brigitte Senut und Martin Pickford hatten im Dezember 2000 in Nairobi mit dem so genannten "Millenium Menschen" zwar sechs Millionen Jahre alte Knochenreste eines menschähnlichen Lebewesens präsentiert. Einige Forscher hatten jedoch bald Zweifel daran, dass dieser mit Sicherheit ein direkter Vorfahr des heutigen Menschen ist(2). Der Orrorin tugenensis - so sein wissenschaftlicher Name - könnte auch zu einer später ausgestorbenen Linie geführt haben oder direkt zu den Affen, schreibt nun auch Haile-Selassie. Auch ist nicht ausgeschlossen, dass Orrorin eigentlich in die Gruppe Oreopithecus gehört, die zeitlich deutlich vor den Australopithecinen lebte.

Das Alter der nun entdeckten Fossilien wurde anhand der vulkanischen Gesteinsschichten bestimmt, in denen die Knochen lagen. Dazu verwendeten die Forscher eine spezielle Datierungs-Methode, bei der die Menge des im Fels eingeschlossenen Gases Argon gemessen wird. Dieses Edelgas ist ein radioaktives Zerfallsprodukt von natürlichem Kalium und reichert sich im Gestein kontinuierlich an. "Es gibt keinen Zweifel am Alter der Fossilien", urteilt Giday Wolde Gabriel vom Los Alamos National Laboratory in Mexico.

Genauere Untersuchungen der Sedimentschicht, in der die neuen Funde gemacht wurden, ergaben zudem, dass unsere Vorfahren damals in einer relativ feuchten und bewaldeten Umgebung gelebt haben. Das widerlegt verschiedene Evolutionsmodelle, die im Klimawandel und der damit verbundenen Entstehung von Grassteppen den Ursprung des Menschen sehen. Andererseits bestätigen die Fossilien wieder einmal die Hypothese, dass die Wurzeln des Menschen in Afrika liegen.

(1) Haile Selassie 2001
(2) »Nature«, Bd. 410, S. 527

Artikel Hans-Peter Willig, 2004

© Hans-Peter Willig, München User online 5   gestern 339   heute 138 Glossar LinklisteSitemapMail