| FUND | FUNDORT | ALTER | ENTDECKER | DATUM | VERÖFFENTLICHUNG |
| adultes maskulines Cranium | Koobi Fora, Kenia | 1.7 Millionen Jahre |
Richard Leakey und H. Mutua |
1969 | Leakey, R., 1970. New hominid remains and early artifacts from North Kenya. Nature 226: 223 - 224 |
1969 von Richard Leakey in der Nähe des Turkanasees in Kenia entdeckt. Dies war ein komplettes, intaktes Kranium, nur die Zähne fehlten (Lewin 1987). Geschätztes Alter ca. 1,7 Millionen Jahre. Das Gehirnvolumen liegt bei 510 cm³. (siehe auch ER 3733) Im Sommer 1969 hatte Richard Leakey die Möglichkeit, für drei Monate an den Turkanasee zu fahren, wobei er auf dieser Expedition Kamele als Reit- und Lasttiere verwendete. Außer ihm gehörte zu dem Team Kamoya Kimeu, Peter Nzube und Meave Epps, Richards spätere zweite Frau.
Eines Tages hatten sie den Plan gefaßt, ihre Erkundung bis unmittelbar an die äthiopische Grenze auszudehnen, aber eine bemerkenswerte Entdeckung ließ sie zu ihrem Ausgangslager zurückhasten. Sie hatten ihre Kamele mit ihrem Nachtlager in der Kühle des Morgengrauens zurückgelassen und waren zu einem Rundgang durch die Fossilienhalden aufgebrochen, um nach interessanten Stücken Ausschau zu halten.
Gegen 10 Uhr vormittags hatten sie das äußerste Ende der Fossilienlagerstätten in dieser Richtung erreicht. Meave und Richard waren durstig und eilten in einer mehr oder weniger geraden Linie dorthin zurück, wo sie ihre Kamele vermuteten. Während Richard einem ausgetrockneten Flußbett folgte, fiel sein Blick auf etwas, was ihn abrupt innehalten ließ: Es schien der Oberteil eines Schädels zu sein, der aufrecht auf dem Sandboden lag. Als sie näher hinzutraten, starrte ihnen das uralte Knochenantlitz eines unversehrten Homininenschädels an, ein wahrhaft außergewöhnlicher Augenblick!
Das Kranium war offensichtlich in die Uferböschung des Baches eingebettet gewesen. Der Regen und das strömende Wasser des Baches hatten allmählich die Böschung unterspült, und der Schädel war dann wahrscheinlich während des letzten heftigen Regensturms herabgerollt. Hätten sie ihn nicht gerade in diesem Augenblick gefunden, so hätten ihn die Wasser der Regenzeit bald in die Vergessenheit entführt.
Zufällig handelte es sich um den Schädel eines Homininentyps, wie ihn Mary Leakey fast genau zehn Jahre zuvor in Oldowai entdeckt hatte. Ein weiterer Zufall wollte es, dass Mary gerade das Stammlager in Koobi Fora aufgesucht hatte, und so eilten sie dorhin zurück in der Hoffnung, dass sie nicht schon vor ihrer Ankunft wieder nach Nairobi abgereist sei. Mit dem Kamel benötigte man zwei Tage bis zum Lager, aber glücklicherweisen trafen sie Mary noch an, und sie war vom Anblick dieses großartigen Exemplars begeistert. Es muß hier gesagt werden, dass eine Entdeckung dieser Art eine große Ausnahme bildet. Die meisten Funde sind das Ergebnis vieler Monate geduldigen Suchens in fossilführenden Gesteinsablagerungen.
Artikel Hans-Peter Willig, 2004.