Australopithecus africanus - Sts 71 / Sts 36

FUND FUNDORT ALTER ENTDECKER DATUM VERÖFFENTLICHUNG
adultes Cranium und Mandibula Sterkfontein, Südafrika 2.5 Millionen Jahre Robert Broom und John T. Robinson 13. November 1947, 10. August 1948 Broom, R., Robinson, J. T. Und G. W. H. Schepers, 1950. Trans. Broom, R. und J.T. Robinson, 1949. A new mandible of the ape-man Plesianthropus transvaalensis. Am. J. Phys. Anthropol. 7: 123-127. DOI: 10.1002/ajpa.1330070111
Australopithecus africanus Sts71
Ein sehr gut erhaltenes Cranium mit der Bezeichnung STS71. 1947 von Robert Broom in den Höhlen von Sterkfontein entdeckt

Die Grabungen in der Höhle von Sterkfontein unter der Leitung des bekannten Paläontologen Robert Broom vom Transvaal Museum und John Robinson führten in den Jahren 1947 bis 1949 zur Entdeckung von 70 Fossilien früher Homininen. Da die Arbeiten in der Höhle schnell vorankamen, veröffentlichten Broom und Robinson gemeinsam mit dem Anatomen G. W. H. Schepers von der Witwatersrand Universität in Johannesburg in einem Buch eine genaue Beschreibung der Funde.

Einer der am besten erhaltenen Schädel, ursprünglich als Schädel Nr. 7 bezeichnet und heute als Sts 71 bekannt, lieferte wichtige neue Aufschlüsse über die Homininenpopulation von Sterkfontein. Der Schädel besteht aus der gesamten rechten Seite des Gehirnschädels und der Hälfte des Gesichts und das Gehirnvolumen wird auf ca. 430 cm³ geschätzt. Vermutlich aufgrund langsamer Verformung während der Fossilisation sieht der Schädel von der Seite eher rund und weniger länglich aus als „Mrs. Ples“ (Sts 5) deren Schädelvolumen bei rund 485 cm³ liegt

 

Broom beschreibt den Fund seltsamerweise als Weibchen. Man wusste, dass einige der Ober- und Unterkiefer aus Sterkfontein und Swartkrans von den selben Indiviuen stammten, beispielsweise Sts 52a (Maxilla) und 52b (Mandibula), bei denen Einzelheiten von Biß und Zahnstellung zusammenpaßten. Man identifizierte zehn Individuen mit zusammengehörigen oberen und unteren Zahnreihen. Neun davon stammten aus der Höhle von Swartkrans, und das einzige Exemplar aus Sterkfontein bestand aus dem Schädel Sts 71 und dem zugehörigen Unterkiefer Sts 36. Bei beiden waren die Zähne stark abgenutzt, so dass große Bereiche des Zahnbeines freilagen. Bei der Untersuchung des Kiefers Sts 36 waren Broom und Robinson zu dem Schluß gelangt, es müsse sich aufgrund der Größe und der kräftigen Zähne um ein Männchen handeln. Deshalb ergibt sich durch die Erkenntnis, dass der Schädel Sts 71 und der Unterkiefer Sts 36 zusammengehören, ein überzeugendes Bild von einem männlichen Schädel aus Sterkfontein.

Als der Nachweis gelungen war, dass Sts 71 ein Männchen ist, tauchte schon ein neues Problem auf. Das Gesichtsprofil von Sts 71 zeigt im Vergleich zu den weiblichen Schädeln aus Sterkfontein (Sts 5 und Sts 52) eine geringere Prognathie (damit bezeichnet man lange, vorstehende Kiefer). Das ist insofern ungewöhnlich, als dass die Männchen der heutigen Menschenaffen in aller Regel einen längeren Kiefer als die Weibchen haben. Wenn diese morphologischen Unterschiede in den Gesichtsschädeln von Sterkfontein nicht auf Geschlechtsdimorphismus beruhen, wäre es auch denkbar, dass die Sammlung mehrere Homininenarten umfasst. (White, Kimbel). Die Neubewertung langer bekannter Funde wie Sts 71 ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie sich Fundauslegungen und Interpretationen durch genauere Untersuchungen ändern können. Wenn Sts 71 und der zugehörige Unterkiefer Sts 36 zu einer anderen Spezies als Australopithecus africanus gehören, ergibt sich die schwierige Aufgabe, unter den Funden von Sterkfontein zwischen den beiden Arten, die sich in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich sind, zu unterscheiden.

Artikel: 2004, Letztes update: 04.02.2012 um 01:27

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