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Australopithecus afarensis? - Die Fußspuren von Laetoli

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Fußabdrücke (ca. 20m) Laetoli, Tansania ca. 3.6 Millionen Jahre Mary Leakey 1977/78 Leakey, M. D. and Hay, R. L. Pliocene footprints in the Laetoli Beds at Laetoli, northern Tanzania
Nature 278, 317–323 (1979)

Durch ein erstaunliches Zusammentreffen von Umständen führte ein ganz alltägliches Ereignis, das sich vor etwa dreidreiviertel Millionen Jahren zutrug, zu einem der vielleicht aufregendsten archäologischen Funde des 20sten Jahrhunderts: Drei Homininen hinterließen eine Fährtenspur wohlerhaltener Fußabdrücke und überlieferten uns auf diese Weise ein verblüffendes Augenblicksbild aus dem Leben einiger unserer Vorfahren.

Laetoli Footprints
Die Fußspuren von aufrecht gehenden Homininen aus Laetoli, entdeckt von Mary Leakey
STW 573 - Little Foot
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Ein Fußvergleich zwischen einem heutigen Menschen und einem Homininen, wie er in Laetoli gelebt hat.

Der Ort, wo sich dies ereignete, trägt heute den Namen Laetoli, ein bewaldetes Gebiet in der Nähe des Sadiman, eines vulkanischen Berges etwa 40 Kilometer südlich der heutigen Olduvai-Schlucht in Tansania. Die trockene Jahreszeit näherte sich vermutlich gerade ihrem Ende, und der Anblick aufziehender Regenwolken versprach die willkommene Erlösung von langen Monaten der Dürre. Seit ein oder zwei Wochen hatte es in dem Vulkan pausenlos gerumpelt, wobei gelegentlich Wolken von grauer Asche ausgestoßen wurden, die sich auf die Umgebung herabsenkten. Nichts weiter Dramatisches oder Gewalttätiges also, außer dem ständigen Hintergrund unterirdischer Unruhe, wie sie noch heute am Oldoinyo Lengai siebzig Kilometer südöstlich von Olduvai wahrnehmbar ist. Wie die Asche des Lengai hatte auch die des Sadiman eine chemische Zusammensetzung, die sie wie Zement abbinden ließ, wenn sie leicht angefeuchtet und dann von der Sonne getrocknet wurde.

Das Glück wollte es, dass sich das Ende der trockenen Jahreszeit durch vereinzelte kurze Schauer ankündigte. Große Regentropfen klatschten auf die frisch gefallene Asche und ließen dort winzige Krater ähnlich einer Miniaturmondlandschaft zurück. Die Wolken zogen weiter, der erwartete Wolkenbruch stand noch aus. Der Aschenteppich war jetzt für die Aufnahme deutlicher Abdrücke bestens vorbereitet; weniger Regen, und die Asche wäre im Windzug davongeblasen, mehr Regen, und alle Eindrücke wären weggespült worden.

Nach dem Regen hinterließen zahlreiche umherlaufende Tiere in der feuchten Vulkanasche ihre Spuren, Springhasen, Perlhühner, Elefanten, Schweine, Nashörner, Büffel, Hyänen, Antilopen, ein Säbelzahntiger und Dutzende von Pavianen hinterließen ihre Abdrücke - und so auch die drei Homininen, vermutlich der Art Australopithecus afarensis. Ein großes, wahrscheinlich männliches Individuum lief langsam Richtung Norden. Ihm folgte unmittelbar oder eine Weile später ein kleineres Individuum, das aus irgendeinem Grund seine Füße in die Fußabdrücke des ersten setzte. Ein Kind hüpfte neben ihnen her und wandte sich an einer Stelle ab, um nach links zu blicken. Dann brannte die Sonne die Abdrücke schnell zu steinharten Formen. Noch mehr Asche, Regen und herbeigewehter Sand bedeckte und konservierte die Eindrücke, bis sie 1976 durch einen glücklichen Zufall entdeckt wurden.

 

»Es ist der weitaus bemerkenswerteste Fund, den ich in meiner Forscherlaufbahn gemacht habe«, erklärte Mary Leakey, die die Ausgrabungen leitete. »Ich muß zugeben, dass ich zuerst skeptisch war, als wir auf die Homininenabdrücke stießen, aber es wurde bald klar, dass es nichts anderes sein konnte. Es handelt sich um die frühesten Fußabdrücke menschlicher Vorfahren, und sie zeigen uns, dass Homininen vor dreidreiviertel Millionen Jahren mit frei ausgreifendem Schritt aufrecht gingen, genauso wie wir heute.«

Artikel Hans-Peter Willig, 1998.

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