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Australopithecus afarensis - »The First Family»

FUND FUNDORT ALTER ENTDECKER DATUM VERÖFFENTLICHUNG
Fragmente von 13 Individuen Hadar,
Äthiopien
3.2
Millionen
Jahre
Michael E.
Bush
2. November
1975
Taieb, M., D. C. Johanson, Y Coppens und J. - J. Tiercelin. 1978. Expédition internationale de l´Afar, Ethiopie. C. R. Acad. Sci. Paris 287: 459 - 461.
Maurice Taieb
Die Abbildung zeigt Maurice Taieb, wie er eine bei der Grabung an der Fundstelle 333 freigelegte Wand untersucht, um Hinweise darauf zu finden, was den plötzlichen und gleichzeitigen Tod so vieler Australopithecinen verusacht haben könnte

»The First Family« wurde 1975 von Donald Johanson's Team bei Hadar in Äthiopien entdeckt und das Alter wird auf ungefähr 3,2 Millionen Jahre geschätzt [1]. Dieser Fund besteht aus Überresten von mindestens 13 Individuen allen Alters und gehört zur Gattung der Australopithecinen (Australopithecus afarensis). Die Grösse dieser Exemplare variiert beträchtlich. Wissenschaftler debattieren darüber ob sie zu einer, zwei oder sogar drei Spezies gehören. Johanson glaubt, dass die Exemplare zu einer einzigen Spezies gehören bei der "Männchen" beträchtlich grösser sind als "Weibchen". Wieder andere glauben, es handelt sich um eine primitive Art von Homo.

Das Besondere an der Bodenschicht, die man vom Hang der Anhöhe 333 abtrug, war, dass man dort keine Säugetierfossilien finden konnte. Alles was man hier fand, waren hominide Fossilien. Wie lässt sich das erklären? War hier eine ganze Sippe plötzlich umgebracht worden, ohne dass die Zeit für eine Ablagerung von Säugetierfossilien vorhanden gewesen wäre? Zunächst mußte man diesen Eindruck haben.

Die hominiden Fossilien kamen augenscheinlich aus einer einzigen dünnen Schicht am oberen Teil des Hanges. Was weiter unten lag, ist wahrscheinlich während der letzten Regenzeiten vor der Ausgrabung ausgewaschen und hinuntergespült worden. Diese Vermutung bestätigte sich, als man die Schicht fand, in der die Fossilien zunächst gelegen hatten. Bei einer vorläufigen Grabung am Hang konnte man 20 weitere fossile Stücke bergen. Daraus ergab sich, dass die Knochen, bevor sie durch die Erosion zerstreut worden waren, sehr nahe beieinander gelegen hatten und diese Homininen wahrscheinlich gleichzeitig gestorben waren.

Doch was war die Todesursache gewesen? Eine Epidemie? Wenn das so war, was hatte die Aasfresser daran gehindert, die Leichen zu finden und zu fressen? Und weshalb fanden sich nicht hier wie an an den meisten anderen Stellen auch Säugetierfossilien, die ebenso wie die Homininen im Lauf der Zeit von Sedimenten hätten zugedeckt werden müssen? Je länger Don Johanson über diese beiden so ungewöhnlichen Umstände nachdachte, desto unwahrscheinlicher erschien es ihm, dass die hier gefundenen Australopithecinen an einer Seuche gestorben waren. Der natürliche Tod einer ganzen Gruppe von Homininen innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen konnte unmöglich dazu geführt haben, dass die Fossilien in einem so guten Zustand erhalten blieben.

 

Aber was hätte sonst die Todesursache sein können? Ein Kampf? War dies die erste Bestätigung der Theorie von Raymond Dart, der behauptete, das natürliche Erbe der Homininen sei ihre ungezügelte Aggressivität? Hatte hier eine Gruppe von Australopithecinen eine andere überfallen und abgeschlachtet? Auch das erschien höchst unwahrscheinlich und musste Vermutung bleiben. Es ließ sich auch nicht feststellen, dass die Leichen von Aasfressern aufgespürt worden waren. Und schließlich ließ es sich kaum erklären, weshalb man an dieser Stelle keine Säugetierfossilien finden konnte, wenn hier ein Massenmord geschehen war. Nach der Theorie von Dart waren die Australopithecinen Kannibalen gewesen. Das Fleisch ihrer Artgenossen war angeblich ihre wichtigste Proteinquelle. Wenn hier ein großes Schlachten stattgefunden hatte, dann müssten diese Kannibalen die Knochen ihrer Opfer zertrümmert haben, um an das Mark zu gelangen.

War diese Gruppe von Homininen vielleicht ertrunken, weil sie in einer engen Schlucht von einer plötzlichen Wasserflut überrascht wurde? Das schien eine bessere Erklärung zu sein. Wüstenbewohner überall auf der Welt vermeiden es, ihre Lagerplätze in Wadis oder tiefen Schluchten anzulegen. Sobald es ein paar Stunden vorher an einer weit entfernten Stelle stark geregnet hat, kann das Wasser in wenigen Minuten 3 bis 6 Meter hoch steigen und alles mitreißen und ertränken, was auf seinem Wege liegt.

Artikel: 2008, Letztes update: 04.02.2012 um 01:27
[1] Johanson und Edey 1981

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