Forscherpersönlichkeiten - Richard Leakey


Richard Erskine Leakey wurde am 19. Dezember 1944 als zweiter von drei Söhnen von Louis und Mary Leakey geboren. Schon in der Jugend entschied er für sich, keinesfalls etwas mit Paläoanthropologie zu tun haben zu wollen, flog von der Highschool und gründete ein Safari-Unternehmen (nur um die Tiere zu beobachten, nicht um sie töten). In den Folgejahren fing Richard Leakey wilde Tiere, lieferte Skelette an Institute und andere wissenschaftliche Einrichtungen - und brachte sich selbst die Fliegerei bei.

1964 führte Richard Leakey eine Expedition zu einer Fossilienfundstätte, die er aus der Luft entdeckt hatte. Schließlich fand er Gefallen an der Fossiliensuche, musste aber die schmerzliche Erfahrung machen, dass die ganze Anerkennung nicht ihm, dem technischen Leiter der Expedition, sondern den Wissenschaftlern galt, die die Fossilien studierten. Also ging er 1965 für 6 Monate nach England um seine verlorene Highschool-Zeit aufzuholen, kehrte aber dann nach Kenia zurück, um sein Safari-Geschäft wieder aufzunehmen.

Fortan arbeitete Richard Leakey für das National Museum of Kenya und organisierte paläontologische Expeditionen. Er ging nie wieder nach England zurück, um zu studieren. 1966 heiratete er die Archäologin Margret Cropper, die schon einige Zeit mit den Leakeys zusammenarbeitete.

Während der Arbeit mit einer französisch-kenianisch-amerikanischen Gemeinschaftsexpedition bei Omo in Äthiopien erkannte Richard Leakey einmal mehr, dass das Fehlen einer wissenschaftlichen Ausbildung sein berufliches Weiterkommen verhinderte. Also bat er kurzum die National Geographic Society um Mittel, um seine eigene Expedition in die Nähe des Turkanasees - die Fundregion hatte er aus der Luft entdeckt - zu finanzieren. Schnelle politische Manöver führten zu einer Nominierung als Direktor des National Museum of Kenya, und Richard Leakey konnte mit Mitteln der NGS mit der Fossilienjagd am Turkanasee beginnen.

Die Expeditionen an den Turkanasee waren äußerst erfolgreich, man fand eine große Anzahl von Fossilien, darunter auch Homininen. Die Ausgrabungen wurden in den folgenden Jahren fortgesetzt und förderten eine verblüffende Anzahl von Homininenfossilien zu Tage, mit der Richard Leakey das wissenschaftliche Establishment in Erstaunen versetzte. Die spektakulärsten Funde waren ER 1470, ein 1972 gefundener Homo rudolfensis Schädel und ER 3733, ein Homo erectus Schädel von 1975.

1969 wurde Tochter Anna geboren, doch im selben Jahr ließ Richard Leakey sich von seiner Frau Margret scheiden. Schon im darauf folgenden Jahr heiratete er die Zoologin Meave Epps, die sich auf Primaten spezialisiert hatte. Gemeinsam haben sie zwei Töchter, Louise 1972 und Samira 1974.

1969 war bei Richard eine ernsthafte Nierenerkrankung diagnostiziert worden. Die Ärzte sagten ihm damals, dass er wahrscheinlich nur noch weniger als 10 Jahre zu leben hätte. Sein Zustand verschlechterte sich, erst langsam, doch 1979 war es so ernst, dass Richard zu einem Nieren-Spezialisten nach London ging. Die Krankheit war schon nahe dem Endstadium und er würde sterben, wenn er keine Nieren-Transplantation bekäme und auf Dialyse gesetzt werden würde. Im November bekam er eine Niere von seinem jüngeren Bruder Phillip, aber schon im Dezember begann sein Körper das Organ abzustoßen. Medikamente unterdrückten die Abstoßung, aber diese schwächten sein Immunsystem, und er wäre fast an Lungenentzündung und Rippenfellentzündung gestorben. Richard Leakey (und die Niere) genasen vollständig, und er kam nach acht Monaten nach Kenia zurück (während dieser Periode hatte er seine Autobiographie "ein Leben" geschrieben").

Die Fossilienjagd setzte Richard Leakey fort, obwohl im kleineren Maßstab als in den 1970ern, denn er widmete nun mehr Zeit dem Aufbau des kenianischen Museumssystems. 1984 fand sein Team das beeindruckendste Fossil seiner Karriere. KNM-WT 15000, (Spitzname Turkana Boy) ist das beinahe vollständige Skelett eines Homo erectus Jungen. Das folgende Jahr lieferte noch einen bedeutenden Fund, KNM-WT 17000, der erste Schädel der Spezies Australopithecus aethiopicus.

1993 verlor Richard Leakey beide Beine bei einem Flugzeugabsturz und in den letzten Jahren hatte er nur noch wenig mit Paläoanthropologie zu tun, obwohl er interessiert die Entwicklungen in diesem Forschungsbereich verfolgt. Von 1989 bis 1994 leitete Richard Leakey den "Kenya Wildlife Service", wo er mit der Bekämpfung der Elefanten- und Nashornwilderei und bei der Neuorganisation von Kenias Nationalparks sehr erfolgreich war. Politische Umstände zwangen ihn von dieser Position zurückzutreten, und er begann bei einer Tierwelt-Beratungsagentur zu arbeiten. Seitdem ist Richard Leakey in der kenianischen Politik engagiert, er ist Generalsekretär der oppositionellen Safina-Partei. 1997 wurde er in die Opposition im kenianischen Parlament gewählt.

Richards Frau Meave setzt ihre Arbeiten auf dem Gebiet der Paläoanthropologie fort. 1995 beschrieben sie und ihr Team eine neue Homininen-Spezies, Australopithecus anamensis. Meave ist wahrscheinlich nicht die letzte der Leakey Dynastie; ihre Tochter Louise hat bereits ihre eigene paläontologische Ausgrabung geleitet und erhielt 1995 den Ehren-Doktor in Geologie und Zoologie.