Phillip Tobias 1995

Phillip Vallentine Tobias (* 14. Oktober 1925 in Durban, Südafrika) ist ein bedeutender Paläoanthropologe und Autor von mehr als 1100 wissenschaftlichen Publikationen. Unter anderem wurde er bekannt durch wegweisende Studien zum Australopithecus. Von ihm stammt ferner die äußerst detailreiche Erstbeschreibung von Homo habilis, dessen Knochen 1964 von Louis Leakey geborgen und zur genaueren Analyse an Phillip Tobias gegeben worden waren. Darüber hinaus führte er wichtige Studien über das Volk der San durch. Von 1959 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1993 war Phillip Tobias Professor und Leiter der Abteilung für Anatomie an der medizinischen Fakultät der University of the Witwatersrand, Johannesburg.

Phillip Tobias hatte Mitte der 1940er-Jahre an der University of the Witwatersrand Medizin studiert und sich auf die Fächer Anatomie und Genetik spezialisiert. So kam er in Kontakt mit Raymond Dart, der damals die Abteilung für Anatomie leitete und kurz zuvor das von einem Steinbrucharbeiter bei Taung entdeckte und später so genannte Kind von Taung als das Fossil der zuvor unbekannten Art des Australopithecus africanus beschrieben hatte.

Anfang der 1950er Jahre entschloss sich Phillip Tobias, trotz des verschärften Apartheid-Systems in Südafrika zu bleiben und an seiner Universität dagegen anzukämpfen. Bereits 1949 hatte Tobias als Präsident der National Union of South African Students die erste Anti-Apartheid-Bewegung an den südafrikanischen Universitäten ins Leben gerufen. Als 1977 Steve Biko in Polizeigewahrsam zu Tode kam, war es Tobias, der eine gerichtliche Untersuchung in Gang brachte.

In Anerkennung seiner wissenschaftlichen und politischen Leistungen wurde Phillip Tobias 1992 mit dem Order of Meritorious Service in Gold durch Staatspräsident de Klerk und 1999 mit dem Order of the Southern Cross of South Africa durch Präsident Nelson Mandela ausgezeichnet.