Forscherpersönlichkeiten - Mary Leakey


Mary Douglas Nicol kam am 6. Februar 1913 als Tochter des Landschaftsmalers Erskine Nicol und dessen Frau Cecilia Marion Frere in London zur Welt. Den größten Teil ihrer Kindheit verbrachte sie in Frankreich, wo ihr Vater als Künstler lebte. Ihr Interesse an der Urgeschichte des Menschen wurde als Elfjährige geweckt, als sie mit ihrem Vater die prähistorische Malereien in den französischen Höhlen Font de Gaume und La Mouthe besuchte.

Ab 1930 besuchte Mary Leakey Archäologie- und Geologiekurse und begann bei archäologischen Ausgrabungen als wissenschaftliche Illustratorin zu arbeiten. 1933 traf sie bei Cambridge auf Louis Leakey und schon bald fing die damals 20jährige eine Affäre mit L. Leakey an. Mary Leakey wusste es geschickt zu arrangieren ihn auf seiner nächsten Expedition nach Afrika im Jahr 1935 "zufällig" zu treffen. Nach der Reise zurück nach England zog sie bald bei ihm ein. Nach der Scheidung von seiner Frau Frida heiratete Louis 1936 seine Geliebte. Sie ging im folgenden Jahr mit Louis nach Kenia, und in den nachfolgenden Jahrzehnten war Mary Leakey bei vielen Ausgrabungen äußerst erfolgreich. 1948 fand Mary auf der Insel Rusinga im Victoria-See in Kenia einen gut erhaltenen Schädel und andere Reste der vor etwa 16 Millionen Jahren existierenden Menschenaffenart „Proconsul africanus“, die als mutmaßlicher Vorfahre der afrikanischen Gorillas gilt. Diese Spezies wurde 1933 vom Konservator des „British Museum of Natural History“, Arthur Tindell Hopwood (1897–1969), ebenfalls nach einem Fund auf der Insel Rusinga beschrieben und zur Erinnerung an legendären Schimpansen „Consul“ des Londoner Zoos benannt.

1959 fand Mary Nussknackermensch, den " Zinjanthropus". Dieser Schädel eines Australopithecus boisei verhalf der Leakey Familie zu weltweitem Ruhm. Ab Mitte der 1960er Jahre lebte und arbeitete Mary Leakey fast ausschließlich in der Nähe der Olduvai-Schlucht, oft allein, da Louis weit weg und mit anderen Projekten beschäftigt war. Da wundert es nicht, dass Mary Leakey und Louis sich auseinander lebten, teilweise auch wegen Louis' Seitensprüngen. 1974 begann sie mit Ausgrabungen in der Nähe von Laetoli, und 1976 fand ihr Team eine Vielzahl an tierischen Fußspuren, die in vulkanischer Asche versteinert worden waren. 1978 fand Mary Leakey schließlich das, was ihre größte Entdeckung werden sollte: die berühmten Fußspuren von Laetoli, die von zwei aufrecht gehenden Homininen vor über 3 Millionen Jahren hinterlassen wurden.

1983 verabschiedete sich Mary vom aktiven Außendienst und ging in Pension. Sie verließ die Olduvai Schlucht, in der sie beinahe 20 Jahre gelebt und gearbeitet hatte und zog nach Nairobi. Mary Leakey starb 1996 im Alter von 83 Jahren. Obwohl Louis Leakey charismatischer und bekannter als seine Frau war, so gelangte Mary Leakey doch durch ihre zahlreichen Entdeckungen zu großem wissenschaftlichen Ruhm. Obwohl Mary Leakey nie studierte und keinen akademischen Titel besaß, bekam sie am Ende ihres Lebens zahlreiche Ehrentitel und Auszeichnungen. Die Fachwelt sieht heute in ihr die bessere Wissenschaftlerin, weit sorgfältiger und vorsichtiger im Umgang mit den Fossilien als der oft leichtsinnige Louis.

Ihre erstaunlichen Leistungen in der Archäologie machen Mary Leakey zu einer unvergessenen Größe in der wissenschaftlichen Welt.


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