Forscherpersönlichkeiten - Kamoya Kimeu

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Kimeu hat unter Paläoanthropologen den einzigartigen Ruf, der erfolgreichste Finder von frühen Homininen überhaupt zu sein. So wurden zwei fossile Primaten ihm zu Ehren benannt: Kamoyapithecus hamiltoni und Cercopithecoides kimeui, eine Ehre die bis heute noch keinem einfachen Arbeiter eines Forschungsteams zuteil wurde.

Doch diese Ehrung kommt nicht von ungefähr: zu der Vielzahl von einzigartigen Fossilien, die Kamoya Kimeu entdeckt hat, gehören gleich zwei Stücke zur Königsklasse der Paläoanthropologie: die für das Verständnis der menschlichen Evolution so wichtigen Exemplare KNM-ER 1813 (Homo habilis) und KNM-WT 15000 (Homo ergaster, Turkana-Junge).

Kimeu ist Mitglied des Kamba-Stammes, der in Ostkenia ansässig ist. Er besuchte 6 Jahre eine christliche Missionsschule, in der die menschliche Evolution definitiv nicht auf dem Stundenplan stand. Trotzdem wurde Kamoya Kimeu als junger Mann bereits in den 1950er Jahren von Mary und Louis Leakey als Arbeiter angestellt, nachdem er seinen Job in einer Molkerei nach einer Meinungsverschiedenheit mit dem dortigen Chef verloren hatte.

Schon in den 1950ern war Kamoya Kimeu an den Homininenfunden der Leakeys beteiligt. Ab 1963 begleitete er kleinere Expeditionen von Richard Leakey, dem Sohn von Mary und Louis, die ihn u.a. 1967 zum Omo-Fluß und an den Rudolfsee (heute Lake Turkana) führten. Schnell wurde Kamoya zu Richard Leakeys rechter Hand, der ihm schließlich auch die Leitung der Feldarbeit in dessen Abwesenheit übertrug.

1977 wurde Kamoya Kimeu zum Kurator der National Museums of Kenya für alle prähistorischen Fundorte Kenias ernannt. Während der afrikanischen Trockenzeiten koordinierte er die Grabungen von Koobi Fora, während dem Rest des Jahres beaufsichtigte er die Außenstellen des Nationalmuseums.

Der Werdegang Kamoya Kimeus war für die damalige Zeit für einen jungen afrikanischen Stammesangehörigen sehr außergewöhnlich, doch Kamoya Kimeu fragte sich schon früh, warum nur weiße Menschen Fossilien finden sollten?

Kenia war vor der Unabhängigkeit 1963 über viereinhalb Jahrhunderte europäische Kolonie, und so ist es doch einigermaßen erstaunlich, dass sich Kimeus Arbeitgeber Louis Leakey mehr kenianisch als britisch fühlte. Denn Louis wurde schon als Kind in den Stamm der Kikuyu aufgenommen, und so verlangte er von jedem Europäer Respekt für die afrikanische Bevölkerung.

Als Europäer hatte Louis Leakey Zugang zu menschlichen Fossilien, der Kimeu und anderen Einheimischen auch auf Bitte verweigert wurde. In der Tat kann sich Kenia glücklich schätzen, dass die Leakeys zu Kenia eine stärkere Bindung hatten, als zu England. Fossilfunde in anderen afrikanischen Ländern wurden in der Regel von ihren weißen Findern weggeschafft, die Fossilien der Leakeys blieben in Kenia.

Als wissenschaftliche Disziplin ist die Paläoanthropologie größtenteils von weißen Forschern dominiert. Obgleich Kimeu und seine kenianischen Fossiliensucher-Kollegen für die meisten Entdeckungen in der Frühmenschenforschung verantwortlich sind, so haben nur wenige von ihnen eine Ausbildung in Paläoanthropologie. Dies spricht für ihr Gespür, versteinerte Knochen schon bei der ersten Sichtung richtig einzuordnen. Handelt es sich um einen Affen, um einen Homininen, oder ist es doch nur ein Elefant? Die afrikanischen Arbeiter der Forschungsexpeditionen sind hier unschlagbar.

In der Vergangenheit schlossen Veröffentlichungen über großartige Erfolge in der Paläoanthropologie die Namen vieler Teammitglieder wie Kamoya Kimeu aus, da sie wegen des Fehlens einer akademischen Ausbildung nicht zur exklusiven Gruppe der Paläoanthropologen gehörten. Sie bekamen daher auch nicht die Anerkennung, die sie eigentlich verdient hätten.