Letzte Meldung:   Spiel mit dem Feuer – wie Eiszeitjäger das Landschaftsbild Europas prägten   Bereits vor 20.000 Jahren haben Jäger und Sammler möglicherweise gezielt Feuer eingesetzt und damit zur Entstehung des lichten Charakters der eiszeitlichen europäischen Landschaft beigetragen. Das legt eine kürzlich im Fachjournal "PLOS ONE" veröffentlichte Studie nahe, zu deren Autoren auch eine Senckenberg-Wissenschaftlerin gehört. Es wäre einer der frühesten Hinweise auf einen großflächigen Eingriff des Menschen in die natürliche Vegetation seiner Umgebung. Der Befund erklärt, warum Analysen von Sedimenten belegen, dass in der Eiszeit in Europa eine offene Steppenlandschaft vorherrschte, während Veg....

Forscherpersönlichkeiten - Franz Weidenreich

Franz Weidenreich wurde am 7 Juni 1873 im Luftkurort Edenkoben am Ostrand des Pfälzer Waldes geboren. Weidenreich war ein deutscher Anatom und Anthropologe jüdischer Herkunft, dessen Hauptforschungsgebiete sich auf die menschliche Evolution konzentrierten. Er studierte bis 1899 Medizin an der Universität von Straßburg, welche eine der führenden deutschen Universitäten war, als Straßburg noch zu Deutschland gehörte. Im Jahr 1903 folgte Weidenreich Wilhelm Pfitzner als Prosektor und war von 1904 bis 1918 Professor in Straßburg. Von 1921 bis 1924 war er Professor an der Universität Heidelberg. 1928 gründete er das Institut für Physische Anthropologie an der Universität Frankfurt am Main. 1934 war er Gastprofessor an der Universität von Chicago und im Jahr 1935 folgte er dem kanadischen Paläoanthropologen Davidson Black als Ehrendirektor des Cenozoic Research Laboratory, einer Abteilung des China Geological Survey (eine frühere Organisation zur Erforschung der Mineralvorkommen in China).

Franz Weidenreich war auf vielfältige Weise einer der wichtigsten und einflussreichsten Wissenschaftler des zwanzigsten Jahrhunderts, die sich mit der menschlichen Evolution auseinandersetzten. In der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhundert glaubten fast alle Anthropologen, dass der Piltdown-Mensch der Vorfahr der modernen Menschen war. Dieser Fund wies auf wundersame Weise alle Merkmale auf, die viele Wissenschaftler für die fehlende Verbindung zwischen Affen und Menschen vorausgesagt hatten: eine große Schädelkapazität und ein affenähnliches Gebiss. Die tatsächliche "fehlende Verbindung" war jedoch, wie man heute von den Australopithecinen weiß, genau das Gegenteil, denn diese hatten kleine Gehirne und menschenähnliche Zähne. Franz Weidenreich untersuchte die Überreste in den 1920ern und kam zu dem korrekten Schluss, dass der Piltdown-Mensch eine Fälschung sein musste, zusammengesetzt aus einem modernen menschlichen Schädel und einem Orang-Utan-Unterkiefer, dessen Zähne abgeschliffen wurden. Erst im Jahr 1953 konnte durch neue Fluorid-Analyseverfahren bewiesen werden, was Weidenreich als Anatom bereits dreißig Jahre zuvor richtig vermutete: Die Piltdown-Fossilien waren eine Fälschung.

Als Ehrendirektor des Cenozoic Research Laboratory hatte Weidenreich auch Zugang zu den Fossilien des Peking-Menschen (Homo erectus), damals bekannt als Sinanthropus pekinensis, die in Zhoukoudian, China ausgegraben worden waren. Er nahm eine detaillierte wissenschaftliche Bearbeitung vor, wobei er auch von sämtlichen Fossilien Abgüsse erstellte. Seine Zeichnungen und diese ersten Abgüsse sind das einzige, was heute von den Homininen-Resten übrig ist, denn niemand weiß, wo sich die Originale befinden. Sie sind in den Wirren des zweiten Weltkriegs bis heute spurlos verschwunden.

Basierend auf diesen Untersuchungen entwickelte er die »Weidenreich-Theorie der menschlichen Evolution«. Als Anatom bemerkte Weidenreich zahlreiche Merkmale, die der Peking-Mensch mit modernen Asiaten gemein hatte. Die »Weidenreich Theorie« vertritt die Ansicht, dass sich Homo sapiens unabhängig in verschiedenen Gegenden der alten Welt aus Homo erectus entwickelte, wobei es über den gesamten Entwicklungszeitraum hinweg Migrationen zwischen den verschiedenen Bevölkerungen gab. Nach der Weidenreich Theorie würden Gene, die allgemein anpassungsfähig sind (wie jene für Intelligenz und Kommunikation), relativ rasch von einer Weltgegend zur anderen fließen, während jene, die lediglich an einem Ort anpassungsfähig sind (wie z.B. jene, die für die stämmige Statur der Eskimos oder die dunkle Haut der Afrikaner verantwortlich sind), dies nicht tun. Weidenreichs Theorie war Grundlage für die Entwicklung der multiregionalen Hypothese, welche in krassem Gegensatz zur Out-Of-Afrika-Hypothese steht, die heute von der Mehrzahl der Wissenschaftler akzeptiert wird. Nach Letzterer entstand Homo sapiens ausschließlich in Afrika, von wo aus er sich über den Rest der Welt ausbreitete.

Professor Weidenreich benannte auch Gigantopithecus blacki in Giganthropus blacki auf Grundlage einer Theorie um, wonach die Grundformen der Menschen viel größer als der moderne Homo sapiens waren. Diese Umbenennung wurde jedoch von Professor G.H.R. von Koenigswald nach dessen Rückkehr aus japanischer Kriegsgefangenschaft zurückgewiesen, da sie der Cope-Deperet-Regel widersprach, wonach in geraden Evolutionslinien von flugunfähigen Tieren die Größe der Arten zunimmt und nicht umgekehrt.

Franz Weidenreich verstarb am 11. Juli 1948 in New York City, USA.