Forscherpersönlichkeiten - Eugene Dubois


Eugène Dubois war der erste Mensch, der je gezielt nach Fossilien menschlicher Vorfahren suchte. Nur eine Handvoll fossiler Menschen war schon entdeckt worden, und diese Funde waren nur zufälliger Natur. In einer bemerkenswerten Geschichte von Zufall und Glück war Dubois schließlich erfolgreich bei seiner anfangs nicht sehr vielversprechenden Suche.

Eugène Dubois wurde 1858 in Eijsden in den Niederlanden  geboren. Als Junge faszinierte ihn die Naturgeschichte und so wurde er von seinem Vater, einem Apotheker ermutigt, sich die Natur genau anzuschauen. Ein guter Student, er studierte Medizin und graduierte 1884 als Arzt. Zwei Jahre später wurde er zum Anatomie-Dozenten an der Amsterdamer Universität ernannt, und heiratete im gleichen Jahr. Im folgenden Jahr gab er diese Stellung auf, um im holländischen Ost-Indien, jetzt Indonesien, nach Fossilien menschlicher Vorfahren zu suchen.

Niemand weiß mit Sicherheit zu sagen, warum Dubois seine gute Stellung aufgab, nur um die Hälfte der Welt zu bereisen. Offensichtlich muss er sich für die menschliche Evolution interessiert haben. Er hatte auch bemerkt, dass er seine Arbeit als Anatomie-Dozent, (besonders seine Lehrberuf-Pflichten) nicht besonders mochte. Wahrscheinlich verdächtigte Dubois seinen Berater Max Fürbringer, seine eigenen Ideen für sich zu beanspruchen und Dubois wollte ihre professionelle Beziehung beenden. Es gab nur wenige oder gar keine Anzeichen dafür; Fürbringer scheint sich immer korrekt verhalten zu haben. Aber über sein ganzes Leben hindurch scheint Dubois eine fast panische Angst vor anderen Wissenschaftlern gehabt zu haben, die eventuell seine Ideen hätten klauen können.

Er wählte Ostindien weil er wie Darwin und viele andere glaubte, dass die Menschheit sich in den Tropen entwickelt hatte. Er glaubte, dass Menschen eng mit Gibbons, deren Fossilien in Indonesien gefunden wurden, verwandt waren. Ein fossiler Menschenaffe, der ebenfalls in Ostindien gefunden worden war, bestärkte ihn in dem Glauben, dass Asien eine gute Stelle wäre um hominine Fossilien zu suchen. Und als Holländer war eine holländische Kolonie wie Indonesien eine zweckmäßiger Ort um dort zu leben und zu arbeiten.

Dubois ging als medizinischer Offizier zur holländischen Armee, er und seine Familie kamen im Dezember 1887 auf der Insel Sumatra an. In der freien Zeit nach seinen medizinischen Pflichten suchte er nach Fossilien. Frühe Ergebnisse waren verheißungsvoll und die Regierung genehmigte ihm zwei Ingenieure und 50 Zwangsarbeiter, um ihm zu helfen. Aber die Ergebnisse enttäuschten wegen der schwierigen Zustände. Das Gebiet war dicht bewaldet, es gab wenig Wasser, einer der Ingenieure wurde wegen Unfähigkeit zurückgeschickt, der andere starb, und vieler seiner Arbeiter liefen weg oder wurden krank. Einige Fossilien wurden zwar gefunden, aber sie stammten aus jüngerer Zeit.

Dubois glaubte, die Aussichten wären in Java besser  und ließ sich 1890 dorthin versetzen. Ein Grund für diese Annahme war ein menschlicher Schädel, den ein Bergbauingenieur bei Wadjak 1888 gefunden hatte. Dubois begann an der gleichen Stelle zu suchen und fand tatsächlich kurze Zeit später einen zweiten, aber weniger vollständigen Schädel. Er fing an, in offenerem Gelände zu suchen, besonders eine Stelle am Ufer des Solo-Flusses erwies sich als sehr ergiebig. Einmal wieder wurden ihm zwei Ingenieure und eine Mannschaft von Sträflingen genehmigt. (Diesmal waren die Ingenieure sehr fähig und schafften es am Leben zu bleiben.) Im September 1890 fanden seine Arbeiter ein menschliches, oder menschenähnliches Fossil bei Koedoeng Broeboes. Es bestand aus dem rechten Teil eines Unterkiefers mit drei Zähnen. Im August 1891 fand er einen Primaten-Backenzahn. Zwei Monate später und einen Meter entfernt von dieser Stelle wurde eine intakte Schädeldecke gefunden, jenes Fossil, das einmal als Java-Mensch berühmt werden sollte. Im August 1892 wurde ein drittes Primaten-Fossil, ein fast vollständiger linker Oberschenkelknochen, zwischen 10 und 15 Metern entfernt von der Stelle gefunden, an der man auch die Schädeldecke fand.

1894 veröffentlichte Dubois eine Beschreibung seiner Fossilien und nannte sie Pithecanthropus erectus, die weder als Affe noch als Mensch bezeichnet werden könnten, aber als etwas dazwischenliegendes. 1895 kam er nach Europa zurück um das Fossil und seine Interpretation  bekannt zu machen. Ein paar Wissenschaftler unterstützten begeistert Dubois' Arbeit, aber die meisten stimmten nicht mit seiner Auslegung überein. Fast jeder stimmte überein, dass der Oberschenkel von einem menschlichen Oberschenkel nicht zu unterscheiden war, aber es wurde überall gezweifelt, ob der Knochen, wie Dubois behauptete, vom gleichen Individuum stammte wie die Schädeldecke. Einige französische Wissenschaftler nahmen vorsichtig an, dass Dubois damit richtig liegen könnte. Deutsche Wissenschaftler tendierten zur Ansicht, dass die Schädeldecke  von einem großen Menschenaffen, wie etwa von einem Gibbon stammte, während englische Wissenschaftler dazu tendierten, die Fossilien als menschlich anzusehen die entweder von einem primitiven oder pathologischen Individuum stammten, aber es gab viele dieser Meinungen. Viele Wissenschaftler wiesen auf Ähnlichkeiten zwischen der Java-Schädeldecke und den Neandertal Fossilien hin.

Dubois verteidigte seine Auslegungen energisch und antwortete seinen Kritikern mit dem Bereitstellen von weiteren Informationen über die Fossilien. Er bereiste ganz Westeuropa um die Fossilien zu besprechen und sie zu zeigen. Er wies darauf hin, dass viele Experten den Schädel als affenähnlich betrachteten, und viele betrachteten ihn als menschenähnlich, dies stärkte eigentlich sein Argument, dass es eine Mischung von beiden war. Im Laufe der Zeit wurde Dubois' Position unterstützt, obwohl die Fossilien sehr kontrovers blieben.

Um 1900 hörte Dubois auf über den Java-Menschen zu diskutieren, er versteckte die Fossilien in seinem Haus und ging zu anderen Forschungs-Themen über. 1897 wurde ihm die Ehrendoktorwürde in Botanik und Zoologie von der Universität von Amsterdam verliehen, und  1899 wurde er dort Professor für Kristallographie, Mineralogie, Geologie und Paläontologie. (Dies war nicht so beeindruckend wie es es klang; er verdiente weniger als er 10 Jahre vorher als Anatomie-Dozent verdient hatte).

Im Verlauf der nächsten Jahrzehnte führte er Forschungen in einer Vielzahl von wissenschaftlichen Disziplinen durch. Insbesondere widmete er sich mit viel Anstrengung dem Verständnis der Beziehung zwischen Körpergewicht und Gehirnvolumen. Er kam schließlich auf einen komplizierten Plan, in dem alle Tiere einen bestimmten Grad von Gehirnentwicklung hatten, die in Sprüngen von zwei zunahm (damit hatten die Menschen den Index 1, Menschenaffen 1/4, Katzen und Hunde 1/8, und so weiter). Es war ein Pionier in diesem Ansatz, aber Dubois' Ergebnisse waren hoffnungslos fehlerhaft, da sie auf einer sehr kleinen Anzahl von wirklichen Daten und einer sehr großen Menge von Spekulationen basierten. Nach diesem Plan hatte der Java-Mensch, besonders wenn er mit gibbonähnlichen Körperproportionen rekonstruiert wurde, einen Index von 1/2, der ihn nett in die Lücke zwischen Menschenaffen und Menschen setzte.

Erst 1923 erlaubte Dubois unter dem Druck von Wissenschaftlern noch einmal den Zugang zu seinen Java-Fossilien, denn die Entdeckung ähnlicher Fossilien ließen sie wieder zu einem Thema werden, das debattiert werden musste. Die ersten zwei Schädel des Peking-Menschen wurden 1929 und drei weitere 1936 gefunden. In den späten 1930'ern wurden andere pithecanthrope Fossilien auf Java bei Sangiran gefunden. Es war allen anderen klar, dass alle diese Fossilien Dubois' Originalfund sehr ähnlich waren, aber Dubois widersprach dieser Ansicht scharf und behauptete, dass sie alle in einem gewissen Grad Menschen waren, während sein Fossil, und nur seines, die Lücke zwischen Menschen und Menschenaffen füllte.

Dubois war offiziell 1928 in Pension gegangen, aber er blieb wissenschaftlich aktiv und so stur wie je, bis zu seinem Tod 1940.