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Titelbild: HPW
 

Homo sapiens in Afrika

Die afrikanischen Funde aus dem mittleren und frühen oberen Pleistozän repräsentieren die am besten verstandenen und reichhaltigsten Überreste des Homo sapiens. Im frühen zwanzigsten Jahrhundert war Afrika geographisch noch wenig bekannt, noch weniger wusste man von seiner Geschichte. Dies änderte sich mit der Entdeckung vieler neuer und wichtiger Fossilien, sowie mit der Erfindung neuartiger Datierungsmethoden, mit denen man das Alter der bis dahin schon bekannten Knochen früher Menschen genau bestimmen konnte. Fortan erforschte man die afrikanischen Funde nicht mehr nur auf der Grundlage europäischer Vorstellungen und Datierungen - heute gilt es sogar als gesichert, dass Afrika offensichtlich das Zentrum der Entstehung des modernen Menschen war, und Europa bei der Evolution des modernen Menschen nur am Rande eine Rolle spielte.

In Afrika lag möglicherweise nicht nur der Ursprung der modernen menschlichen Anatomie, es könnte auch der Ursprung des modern-menschlichen Verhaltens sein. Das spätere mittlere Pleistozän, auch bekannt als Mittelpaläolithikum, war eine Zeit der Veränderungen, besonders in den Traditionen der Steinwerkzeugherstellung in Afrika. Überall in Afrika trieben die Menschen des Mittelpaläolithikums die Kulturstufe des Acheuléen voran. Die großen zweischneidigen Werkzeuge wichen allmählich den Moustérien-ähnlichen, kleineren Abschlägen. Diese Änderungen scheinen die Entwicklung von besonderen Steinabschlägen begünstigt zu haben, die in Form von Pfeil- oder Speerspitzen an gespaltene Äste oder dünne Baumschäfte angebracht werden konnten. Die Datierungen solcher Innovationen belaufen sich auf ein Alter von 180.000 Jahre oder sogar noch älter. Die afrikanischen Werkzeugvarianten des Mittelpaläolithikums sind älter als vergleichbare Varianten aus anderen Regionen der Welt, vor allem sind sie ebenso komplex. Zu den afrikanischen Innovationen gehören u.a. die Erfindung von Mahlsteinen für die Aufbereitung von Kornpflanzen, die Verwendung von Knochenmaterial für die Werkzeugproduktion, Pfeil und Bogen, und die Erschließung maritimer Nahrungsquellen, deren Früchte teilweise über 100 km weit zum Heimatort transportiert wurden.

Überreste von Homo sapiens, ob es sich nun um Steinwerkzeuge oder Skelette handelt, sind überall in Afrika gefunden worden, obwohl man nicht alle dem anatomisch modernen Menschen zuordnen kann. Der älteste Fund eines afrikanischen Homo sapiens aus dem mittleren Pleistozän ist ein teilweise erhaltenes Cranium aus Florisbad, Südafrika. Datierungen mittels ESR (Elektronenspinresonanz-Methode) ergaben ein sagenhaftes Alter von etwa 250.000 Jahren. Das Cranium besteht aus den beiden Seiten und einem Teil des Gesichts, wobei der Großteil der Rückseite und die Schädelbasis fehlen. Bei dem Exemplar scheint es sich um eine Frau zu handeln. Manche Forscher sehen in Florisbad eine phylogenetische? Verbindung zwischen den frühen afrikanischen Populationen und den modernen Afrikanern, was von anderen natürlich wieder angezweifelt wird.

Eine andere afrikanische Fundstelle der frühen mittleren Steinzeit ist Eyasi, ein Ort in der Nähe des Lake Tanganyika in Tansania, wo man 130.000 bis 200.000 Jahre alte Knochen fand, obwohl die Datierung als nicht gesichert gilt. Das wahrscheinliche Alter liegt möglicherweise irgendwo dazwischen. Der Teenager von Kébibat wurde in dem Steinbruch Mifsud-Giudice in der Nähe von Rabat, Marokko, gefunden und wurde einigermaßen sicher auf ein Alter von mehr als 200.000 Jahre datiert. Aus dem Südwesten Dschibutis, aus dem Wadi Dagadlè, ist ein Oberkiefer bekannt, der etwa 250.000 Jahre alt zu sein scheint.

Möglicherweise kann man die drei Exemplare von Homo sapiens aus der Kibish Formation bei Omo, Äthiopien, einander zuordnen, jedoch wurde Omo I bei einer Ausgrabung unter der Erde gefunden, wobei Omo II und III an der Oberfläche lagen, und somit möglicherweise nicht mit Omo I in Verbindung standen. Darüber hinaus ist das Alter der Fundregion sehr schwer einzuschätzen. Eine ursprüngliche Datierung auf 130.000 Jahre wurde mittels Uran-Thorium-Methode von einer Muschel ermittelt, von der man allerdings weiß, dass ungenaue Ergebnisse die Folge sein können. Außerdem stammt die Muschel aus einer der unteren Schichten, was Omo I auf jeden fall jünger macht. Biostratigraphische Altersbestimmungen ergaben ein Alter von lediglich 60.000 Jahren, aber die Unkenntnis der genauen Fundschicht, aus der diese faunistischen Beifunde stammen, macht jede Datierung von vornherein verdächtig. Die beiden vollständigeren der drei Exemplare sind Omo I und Omo II, und die Unterschiede zwischen beiden, sowie die Unterschiede zwischen früheren und späteren Populationen, machen es wahrscheinlich, dass sie eine Verbindung zwischen frühen und modernen Afrikanern darstellen.

Die Fundstücke aus Omo sind in ihrer Erscheinung unbestreitbar modern, und seit dem Zeitpunkt ihrer Entdeckung (1967) hat sich ihr Alter durch verfeinerte Datierungsmethoden nahezu verdoppelt. Zusätzlich zu den Schädelfragmenten blieben postcraniale Knochen wie Teile von Schulter, Armen, Händen, Rippen, Wirbeln, Beinen und Füßen erhalten. Sie zeigen ebenso wie die Schädelfragmente eine vollständig moderne Anatomie - ein weiterer Beweis, dass es sich um sehr frühe, moderne Vertreter unserer Art Homo sapiens handelt. Dies verdeutlichen u.a. auch das kurze, breite Gesicht mit einer hohen Stirn, ein modern aussehender, u-förmiger Gaumen, das hervorstehende Kinn, die moderne Form und Größe der Zähne und ein Gehirnvolumen von annähernd 1.400 Kubikzentimetern, wobei eine genaue Messung hier fast unmöglich ist.

Das kompletteste Fundstück aus der mittleren Steinzeit (Mittelpaläolithikum) in Afrika ist ein Schädel aus Ngaloba bei Laetoli mit der Bezeichnung Laetoli 18. Das Cranium konnte recht sicher auf ein Alter zwischen 129.000 und 108.000 Jahre mittels Uranreihenuntersuchung datiert werden. Im Allgemeinen ähnelt der Fund dem Exemplar Omo II, wobei das Gesicht kleiner und flacher, die sagittale Leiste (Knochenstruktur oben auf dem Schädel) schwächer ausgeprägt ist und die Überaugenwülste weniger hervortreten Der Fund von Ngaloba ist möglicherweise älter als Omo und könnte eine Verbindung zwischen dem Fund eines Homo heidelbergensis aus Broken Hill (heute Kabwe, Sambia) und den älteren Funden aus Omo darstellen. Da jedoch das Material aus Omo nicht 100%-ig sicher datiert werden kann, muss eine solche Annahme Spekulation bleiben, solange bis besser datierbares Material entdeckt worden ist.

Aus Südafrika stammen recht gut datierte Funde von modernen Menschen aus dem frühen oberen Pleistozän. Die Exemplare aus den Klasies River Mouth Höhlen wurden auf ein Alter von ca. 90.000 Jahren datiert, obwohl sich darunter zwei Oberkieferfragmente befinden, die nochmal 30.000 Jahre älter sein könnten. Obwohl das Alter der Überreste recht sicher datiert werden konnte, so waren sie wegen der starken Fragmentierung nur sehr schwer zu analysieren. Was mit einiger Sicherheit gesagt werden kann ist, dass die Population recht klein war, dass es einen gewissen sexuellen Dimorphismus gab, und dass einige Merkmale recht "modern" wirken, wobei andere Merkmale im Vergleich zu Fundstücken aus etwa der gleichen Zeit und anderen Teilen der Welt eher "archaisch" wirken. Darüber hinaus nehmen die Fundstücke aus den Klasies River Mouth Höhlen eine zentrale Stellung ein, wenn es in Debatten um die Frage geht, ob der moderne Mensch aus Afrika stammt, oder seine Entstehung eher multiregional zu erklären ist.

Es gibt noch einige andere Fundstellen aus dem Mittelpaläolithikum Afrikas, die viel zum Verständnis der afrikanischen Geschichte und der frühen modern-menschlichen Besiedlung beitragen. So bestehen die Funde von der Saldanha Bay in Südafrika aus einigen menschlichen Knochenfragmenten, die mit biostratigraphischen Methoden auf ein Alter von 75.000 bis 128.000 Jahren datiert und in den erhaltenen Resten einer Hyänenhöhle gefunden wurden. Die Funde in der Höhle Jebel Irhoud, Marokko, sind die ältesten aus dem mittleren Pleistozän Nordafrikas und der bislang einzige Beweis für die Kulturstufe des Moustérien in dieser Region. Die Höhle brachte u.a. zwei Schädel, sowie einen jugendlichen Oberarmknochen und Unterkiefer zutage, welche mittels ESR (von Pferdezähnen) auf ein Alter zwischen 127.000 Jahren und 87.000 Jahren datiert wurden. Der Schädel von Singa aus dem östlichen Sudan lieferte Stoff für viele Debatten und wurde u.a. als "Neanderthaloid", als Hybride aus Neandertaler und modernem Mensch, als Porto-Buschmann sowie als pathologisch beschrieben. Die letztere Erklärung fußt auf einigen scheinbar widersprüchlichen Merkmalen des Fundes, für den mittels Uran/Thorium-Datierung ein Alter von 133.000 ± 2.000 Jahren ermittelt werden konnte.

Funde aus dem Jungpaläolithikum in Afrika kommen aus der Border Cave in Südafrika an der Grenze zu Swasiland, die möglicherweise genau so alt wie die Funde der Klasies River Mouth Höhlen sind, wobei aber die überwiegende Mehrzahl der Belege auf ein viel jüngeres Alter hinweist. Andere Funde stammen aus dem Origstad-Rock-Shelter mit einem Alter 28.500 Jahren, von den Springbok Flats im Norden Pretorias und aus den Lukenya Hills in Kenia, etwa 40 km vor Nairobi mit einem Alter von rund 17.000 Jahren.

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