Australopithecus (Paranthropus) robustus

Australopithecus robustus
Spezies: Australopithecus robustus
(Paranthropus)
Gehirngröße: ca. 530 cm³
lebte vor: ca. 1,9 bis 1,0 Millionen Jahren
Lebensraum: Südafrika
Entdecker: Gert Terblanche, Robert Broom
[?] Holotypus: Nr. TM1517

Australopithecus robustus war ungefähr 1,10 bis 1,30 Meter groß und hatte sich ernährungstechnisch vor allem auf hartfaserige Pflanzen spezialisiert, die er mit seinem mächtigen Kiefer zermahlen konnte – dies verrät ein Gebiss, das 1938 im südafrikanischen Kromdraai gefunden wurde. Das Gehirn erreichte ein Volumen von ungefähr 530 Kubikzentimeter.

Die verhältnismäßig kleinen Schneide- und Eckzähne sowie die riesigen Backenzähne sicherten das Überleben von Australopithecus robustus in den trockenen Savannen, wo sein Speiseplan zumeist aus harten Früchten und Nüssen bestand.

Mit Werkzeugen aus gesammelten Knochen grub er vermutlich nach Knollen und Wurzeln. Groß war Australopithecus robustus übrigens nicht: Mit einer Größe von rund hatte er etwa die Statur eines heutigen Zehnjährigen.

Australopithecus robustus hatte einen ähnlichen Körperbau wie Australopithecus africanus, war aber mit einem größeren und robusteren Schädel, sowie robusteren Zähnen ausgestattet. Er lebte im Zeitraum vor 1,9 bis 1,0 Millionen Jahre. Das massive Gesicht war flach und hatte kaum eine Stirn, die aber mit grossen Überaugenwülsten versehen war. Australopithecus robustus hatte relativ kleine Vorderzähne, aber massive Mahlzähne, die in einem großen Unterkiefer Platz fanden. Die meisten Exemplare haben sagittale Kämme auf der Oberseite des Schädels, an denen die kräftigen Kaumuskeln befestigt waren. Seine Kost könnte daher überwiegend aus grober, hartfaseriger Nahrung bestanden haben, die viel Kauen erforderte.

Die durchschnittliche Größe des Gehirns liegt bei ca. 530 cm³. Knochen, die zusammen mit  Skeletten von A. robustus ausgegraben wurden, deuten darauf hin, dass sie vielleicht als Grabstöcke verwendet wurden.

Die Art Australopithecus robustus wurde erstmals von Dr. Robert Broom benannt, der die Angewohnheit hatte, von Zeit zu Zeit Versteinerungen von einem Arbeiter eines Kalksteinbruchs zu kaufen. An einem bestimmten Tag, es war der 8. Juni 1938, erwarb er ein Oberkieferfragment mit einem ersten Molar. Die Form und die Größe des Molaren überzeugten Broom, dass es sich dabei um eine andere Art als Australopithecus africanus handelten mußte. Nach weiteren Recherchen fand er heraus, dass das Fundstück von einem Jungen namens Gert Terblanche geborgen wurde, der Sonntags als Touristenführer in den nahegelegenen Kalksteinhöhlen arbeitete. Broom machte sich auf die Suche nach dem Jungen und fand ihn beim Unterricht in seiner Schule. Broom zeigte ihm das Stück und daraufhin führte ihn Gert zu dem Fundort, einer Höhle namens Kroomdrai. Broom fand dort weitere Schädel- und Unterkieferfragmente, die mit dem Fundstück des Jungen verbunden werden konnten. Dieser Teilschädel mit der Inventarnummer TM 1517 wurde zum Typusexemplar für die Art Australopithecus robustus.

Broom verbrachte einige Zeit damit, eine Monographie über die Australopithecinen zu erarbeiten, die schließlich 1946 veröffentlicht wurde. Diese Monographie schloß die Beschreibung von TM 1517 ein und brachte eine Wende im Ansehen der Australopithecinen in den Augen der wissenschaftlichen Welt. Brooms Arbeit erhielt den U.S. National Academy of Sciences Award für das wichtigste Biologiebuch des Jahres. Broom erreichte es - nichtzuletzt durch die öffentliche Anerkennung des einflußreichen Wissenschaftlers Wilfrid Le Gros Clark der südafrikanischen Australopithecinen als Homininen - dass sie als menschliche Vorfahren akzeptiert wurden und nicht einfach als Affen abgetan wurden.

Eine andere wichtige Entdeckung Brooms war der Fund mit der Katalognummer SK 6, bei dem es sich um einen Teil eines Unterkiefers und einige Zähne handelt. Aufgrund dieses Fundes benannte er die neue Art Paranthropus crassidens. Heute ist das Fundstück allgemein als A. robustus anerkannt, obwohl SK6 auch als Typusexemplar wegen dieser unterschiedlichen Artkennzeichnung gilt. Eins der kompletteren Fundstücke eines A. robustus ist SK 48, ein ziemlich vollständiges Cranium, das vermutlich einem weiblichen Individuum gehörte. SK48 gab - wegen seiner Vollständigkeit - viele Informationen über die Schädeleigenschaften der robusten Australopithecinen preis.

Artikel: 2006, Letztes update: 04.02.2012 um 01:16
Quellen:
Tattersall, Ian, Schwartz, Jeffery (2000). Extinct Humans. Westview Press, Boulder CO.
Johanson, D., und B. Edgar. 2000, Lucy und ihre Kinder. Spektrum akad. Verlag ISBN: 3-8274-1049-5

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