Australopithecus robustus hatte einen ähnlichen Körperbau wie Australopithecus africanus, war aber mit einem größeren und robusteren Schädel, sowie robusteren Zähnen ausgestattet. Er lebte vor 1,9 bis 1,0 Millionen Jahre. Das massive Gesicht war flach und hatte kaum eine Stirn, die aber mit grossen Augenbrauenwülsten versehen war. Australopithecus robustus hatte relativ kleine Vorderzähne, aber massive Mahlzähne, die in einem großen Unterkiefer Platz fanden. Die meisten Exemplare haben sagittale Kämme auf der oberen Seite des Schädels, an denen die starken Kaumuskeln befestigt waren. Seine Kost könnte daher überwiegend aus grober, hartfaseriger Nahrung bestanden haben, die viel Kauen erforderte.
Die durchschnittliche Gehirngrösse liegt bei ca. 530 cm³. Knochen, die mit robustus-Skeletten ausgegraben wurden, deuten darauf hin, dass sie vielleicht als Grabstöcke verwendet wurden.
Die Art Australopithecus robustus wurde erstmals von Dr. Robert Broom benannt. Broom hatte die Gewohnheit von Zeit zu Zeit Versteinerungen von einem Arbeiter in einem Kalksteinbruch zu kaufen. An einem bestimmten Tag, es war der 8. Juni 1938, erwarb er ein Oberkieferfragment mit einem ersten Molar. Die Form und die Größe des Molaren überzeugten Broom, dass es sich dabei um eine andere Art als Australopithecus africanus handelten mußte und nach weiteren Recherchen fand er heraus, dass das Fundstück von einem Jungen namens Gert Terblanche, der Sonntags als Touristenführer in den nahegelegenen Kalksteinhöhlen arbeitete, geborgen wurde. Broom machte sich auf die Suche nach dem Jungen und fand ihn in dessen Schule beim Unterricht. Broom zeigte ihm das Stück und daraufhin führte ihn Gert zu dem Fundort, eine Höhle namens Kroomdrai. Broom fand dort weitere Schädel- und Unterkieferfragmente, die mit dem Fundstück des Jungen verbunden werden konnten. Dieser Teilschädel wurde zum Typusexemplar (TM 1517) für die Art Australopithecus robustus.
Broom verbrachte einige Zeit damit eine Monographie über die Australopithecinen zu erarbeiten, die schließlich 1946 veröffentlicht wurde. Diese Monographie schloß die Beschreibung von TM 1517 ein und dies brachte eine Wende im Ansehen der Australopithecinen in den Augen der wissenschaftlichen Welt. Brooms Arbeit erhielt den U.S. National Academy of Sciences Award für das wichtigste Biologiebuch des Jahres. Zusammen mit L. Gros Clarks (ein damals sehr einflußreicher Wissenschaftler) öffentlicher Anerkennung der südafrikanischen Australopithecinen als Hominiden erreichte es Broom, dass sie als menschliche Vorfahren akzeptiert wurden und nicht als einfache Affen abgetan wurden.
Eine andere wichtige Entdeckung Brooms war der Fund mit der Katalognummer SK 6, bei dem es sich um einen Teil eines Unterkiefers und einige Zähne handelt. Er benannte aufgrund dieses Fundes die neue Art Paranthropus crassidens. Heute ist das Fundstück allgemein als robustus anerkannt, obwohl SK6 auch als Typusexemplar wegen dieser unterschiedlichen Artkennzeichnung gilt. Eins der kompletteren robustus Fundstücke ist SK 48 , ein ziemlich vollständiges Cranium das vermutlich einem weiblichen Individuum gehörte. SK48 gab - wegen seiner Vollständigkeit - viele Informationen über die Schädeleigenschaften der robusten Australopithecinen preis.
Artikel: Hans-Peter Willig
Quellen:
Tattersall, Ian, Schwartz, Jeffery (2000). Extinct Humans. Westview Press, Boulder CO.
Johanson, D., und B. Edgar. 2000, Lucy und ihre Kinder . Spektrum akad. Verlag ISBN: 3-8274-1049-5