Die ersten Überreste eines Australopithecus anamensis wurden in der Kanapoi Region östlich des Turkanasees im Jahr 1965 durch eine Expedition der Harvard University entdeckt, jedoch über 30 Jahre nicht als solche erkannt. Der Anfangsfund bestand aus einem Teil des linken Oberarmknochen (Johanson und Edgar, 1996). Abgesehen von einem einsamen Backenzahn, der im Jahr 1982 entdeckt wurde, wurden keine weiteren Funde von Australopithecus anamensis gemeldet. Das änderte sich in den frühen 1990ern, als Meave Leakey und andere Mitglieder der Nationalmuseen von Kenia ein Forscherteam für die Kanapoi Region zusammenstellten [Coffing, et al 1994].
Diese 4 Millionen Jahre alten hominiden Fossilien aus Kenia waren anfangs, wenn auch nur versuchsweise, von Kate Coffing, Craig Feibel, Meave Leakey und Alan Walker im Jahr 1994 als Australopithecus afarensis klassifiziert worden. Nach ihren erfolgreichen Feldforschungen in den frühen 1990ern wurden jedoch die Unterschiede zwischen diesen frühen kenianischen Homininen und typischen Mitgliedern der Art Australopithecus afarensis so augenscheinlich, dass man sich 1995 zu einer Reklassifizierung entschloß. Die neue Artenkennzeichnung war nun Australopithecus anamensis ("anam" = "See" in der Turkana Sprache).
Die Vormenschen der Gattung Australopithecus entstanden wahrscheinlich vor über 5 Millionen Jahren. Sie haben mit den Vorfahren der heutigen Schimpansen einen gemeinsamen Urahnen. Die ältesten bekannten Funde der Australopithecinen (Australopithecus anamensis) sind knapp über 4 Millionen Jahre alt, stammen aus dem Turkanabecken im Norden Kenias und wurden von Meave Leakey 1994 beschrieben. Außer in Kanapoi wurden Reste dieser Art auch am Ostrand des Turkana-Sees, in Allia Bay, entdeckt.
Fortsetzung folgt.
Artikel: Hans-Peter Willig
Quellen:
Leakey, M. The farthest horizon. National Geographic 188 (1995) 38-51
Coffing, K.; Feibel, C.; Leakey, M.; Walker, A. Four-million-year-old hominids from east Lake Turkana, Kenya. American Journal of Phys.Anthropolpgy 93