![]() |
|
||||||||||||
In der Nähes des Turkana-Sees im heutigen Kenia wurden viele Überreste verschiedener Urmenschenarten entdeckt – so auch einige von Australopithecus anamensis. Sein Name leitet sich zum einen vom lateinischen Wort "australis" für "Süden" und dem altgriechischen Wort "pithekos" ("Affe") ab, zum anderen vom kenianischen Wort "anam" ("See"). Vier Millionen Jahren zuvor war es in dieser Gegend sehr heiß und der See war häufig ausgetrocknet. Es gab kaum Vegetation. Nur wenige hohe Bäume boten Australopithecus anamensis Schutz vor der Hitze. Darum war es wichtig, dass er die weiten Strecken zwischen vereinzelten Baumgruppen gut zurücklegen konnte – und das bereits im aufrechten Gang, mit dem der "Südaffe" wesentlich schneller war als auf allen Vieren. Während sein Körperbau schon recht "modern" war, gleicht seine Kopfform noch der seiner kletternden Vorfahren. |
|||||||||||||
Die ersten Überreste eines Australopithecus anamensis wurden im Jahr 1965 durch eine Expedition der Harvard University in der Kanapoi Region östlich des Turkanasees entdeckt, jedoch über 30 Jahre nicht als solche erkannt. Der Anfangsfund bestand aus einem Teil des linken Oberarmknochens [1]. Abgesehen von einem einsamen Backenzahn, der im Jahr 1982 entdeckt wurde, wurden keine weiteren Funde von Australopithecus anamensis gemeldet. Das änderte sich in den frühen 1990ern, als Meave Leakey und andere Forscher der National Museums of Kenya ein Team für die Kanapoi Region zusammenstellten [1].
Die etwa 4 Millionen Jahre alten hominiden Fossilien aus Kenia waren im Jahr 1994 - wenn auch nur versuchsweise - von Kate Coffing, Craig Feibel, Meave Leakey und Alan Walker als Australopithecus afarensis klassifiziert worden [2]. Nach ihren erfolgreichen Feldforschungen in den frühen 1990er Jahren wurden jedoch die Unterschiede zwischen diesen frühen Homininen aus Kenia und typischen Mitgliedern der Art Australopithecus afarensis aus anderen Regionen so augenscheinlich, dass man sich 1995 zu einer Reklassifizierung entschloß. Die neue Artenkennzeichnung war nun Australopithecus anamensis ("anam" = "See" in der Turkana Sprache).
Die Vormenschen der Gattung Australopithecus entstanden wahrscheinlich vor über 5 Millionen Jahren. Sie haben mit den Vorfahren der heutigen Schimpansen einen gemeinsamen Urahnen. Außer in Kanapoi wurden Reste dieser Art auch am Ostrand des Turkana-Sees in Allia Bay entdeckt.
Artikel: 2006, Letztes update: 04.02.2012 um 01:16
[1]Johanson, D. und Edgar, B. (1996). From Lucy to language, New York: Nevraumont
[2] Coffing, K.; Feibel, C.; Leakey, M.; Walker, A. Four-million-year-old hominids from east Lake Turkana, Kenya. American Journal of Phys.Anthropolpgy 93
[3] Leakey, M. The farthest horizon. National Geographic 188 (1995) 38-51