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Titelbild: HPW
 

Australopithecus (Paranthropus) aethiopicus

Steckbrief
Spezies: Australopithecus aethiopicus
(Paranthropus)
Gehirngröße: 410 cm³
lebte vor: ca. 2,5 Millionen Jahren
Lebensraum: Ostafrika
Finder: Alan C. Walker, Richard Leakey
Holotypus: Nr. KNM-WT 17000
Fundorte: klick

Unter Wissenschaftlern ist das namensgebende Fundstück unter dem Spitznamen "The black skull" bekannt – schwarzer Schädel. Der Name soll auf die schwarz gefärbten Knochenfragmente hinweisen, die sich durch manganhaltige Mineralien dunkel gefärbt haben.

Oben auf seinem Schädel hatte Australopithecus aethopicus den größten Knochenkamm aller bekannten Homininen, an dem seine Kaumuskeln befestigt waren. Mit seinem riesigen Kiefer war er in der Lage große Mengen an Nüssen, Blättern, Wurzeln und anderen hartfasrigen Pflanzen zu zerkauen.

Ansonsten gilt er als eine – mit Blick auf andere Urmenschen-Arten –  vergleichsweise kurze Zwischenstufe in der Evolution der Homininen. Zudem vereinigte er eine verwirrende Mischung aus primitiven Eigenschaften wie das sehr kleine Gehirn (ca. 410 Kubikzentimeter) und einem eher fortschrittlichen Körperbau wie die Form seiner Bein- und Beckenknochen.

Paranthropus aethiopicus

Mit der Entdeckung von KNM-WT 17000, dem „schwarzen Schädel“, im Jahr 1986 konnte man einen wichtigen Mosaikstein zum Gesamtbild der Australopithecinen hinzufügen. Über Australopithecus aethiopicus ist immer noch wenig bekannt, da von dieser Art bislang nur sehr wenige Fundstücke entdeckt wurden. Die anatomischen Besonderheiten liefern jedoch wichtige Einblicke in die Entwicklungsgeschichte der „robusten“ und „grazilen“ Australopithecinen und deren evolutionärer Beziehung zueinander.

Im allgemeinen zeigt A. aethiopicus eine Mischung aus ursprünglichen und abgeleiteten (weiterentwickelten) Eigenschaften. Das Alter des Fundes fällt in jene Zeit, in der Forscher auch den Ursprung unserer eigenen Gattung vermuten und zeichnet ihn als wichtigen Zweig auf dem Stammbaum der Homininen aus.

Beim ersten Fundstück, das dieser Art zugeschrieben wurde, handelt es sich um einen zahnlosen Unterkiefer (Omo 18), der 1967 in Südäthiopien, westlich des Omo Flusses gefunden wurde. Dieses 2,5 Millionen Jahre alte Stück wurde von einer französischen Expedition unter der Leitung von Camille Arambourg und Yves Coppens ausgegraben. Der Unterkiefer wurde von seinen Entdeckern einer neuen Art zugeordnet, die sie Paraustralopithecus aethiopicus nannten. Sie glaubten, dass der Unterkiefer einen neue Artnamen verdiente, da die V-Form des Stückes - neben anderen Eigenschaften - sie von den anderen robusten Australopithecinen unterschied. Die Entdeckung des Unterkiefers und seine Zuordnung wurde von der damaligen Fachwelt jedoch mehrheitlich ignoriert.

Erst als der Schädel KNM-WT 17000 entdeckt wurde, rückte auch der Unterkiefer aus Omo wieder ins Licht des Interesses. Der Name Paraustralopithecus wurde zugunsten der traditionelleren Bezeichnung Australopithecus fallengelassen, aber Arambourgs und Coppens Artname aethiopicus wurde beibehalten.

Anatomie

Der Schädel besitzt den größten und massivsten Scheitelkamm (Sagittal-Kamm), der je bei einem Homininen gefunden wurde. Das Gehirn ist mit etwa 410 cm³ relativ klein, das breite, flache Gesicht und der Kiefer wirken äußerst massiv. Da die hinteren Abschnitte des Schädels an die Anatomie von Australopithecus afarensis erinnern, liegt eine Mischung ursprünglicher und weiterentwickelter (abgeleiteter) Merkmale vor. Australopithecus aethiopicus könnte ein Vorfahr von Australopithecus robustus und Australopithecus boisei gewesen sein, zeigt aber eine verwirrende Mischung aus primitiven und fortschrittlichen Zügen.

Der fast komplette Schädel (ohne Unterkiefer) ist auch als „schwarzer Schädel“ bekannt, da er während des Fossilisationsprozesses manganhaltige Mineralien aufgenommen hat, die ihm so seine blau-schwarze Farbe verliehen. Er wurde in einer 2,5 Millionen Jahre alten Ablagerung westlich des Lake Turkana entdeckt und nimmt eine von den meisten Forschern akzeptierte Schlüsselfunktion in den zahlreichen Stammbaumentwürfen ein.

Das Exemplar ist den Schädeln männlicher A. afarensis recht ähnlich, jedoch hat er eine sehr kleine Gehirnkapazität und verfügt über eine leistungsfähige Nackenmuskulatur sowie einen sehr kräftig entwickelten Kauapparat. Der Oberkiefer hat zwar keine Zähne mehr, doch die Größe der Wurzellöcher und des Gaumens lassen vermuten, dass diese sehr groß gewesen sein müssen.

Fossilie Zähne von A. aethiopicus zeigen, dass sie ähnlich wie bei A. afarensis von dickem Zahnschmelz überzogen waren. Die Kombination eines sehr kleinen Gehirns mit einem vergrößerten Kauapparat führte zur Ausbildung des riesigen saggitalen Kammes auf der Schädeloberseite, an dem die Kaumuskeln befestigt waren.

Andere Überreste, z.B. L 338y-6 aus Omo, wurden nach der Entdeckung von KNM-WT 17000 ebenfalls der Art A. aethiopicus zugeordnet. Es handelt sich bei L 338y-6 um eine 2,39 Millionen Jahre alte, zu einem etwa 10 Jahre alten Individuum gehörende Schädeldecke. Schon dieses jugendliche Exemplar zeigt, trotz des geringen Lebensalters, bereits die Ausprägung eines leistungsfähigen Kausystems.

Das älteste bekannte Fossil von A. aethiopicus ist ein vermutlich 2,7 Millionen Jahre altes Unterkieferfragment mit der Bezeichnung L 55s-33 vom Level C6 in den Omo Ablagerungen nördlich des Lake Turkana. Dieses Stück konnte bis zur Entdeckung des Schwarzen Schädels keiner besonderen Art zugeschrieben werden, da ein untersuchter Zahn dieses Unterkieferfragments zu klein war, um zu Australopithecus boisei zu gehören (er hatte nur 83% der Größe des kleinsten bekannten Zahnes eines A. boisei), passte aber auch nicht so recht zu irgendeiner anderen Art. Der Japaner Gen Suwa, der sich auf die Analyse der Prämolare (vordere zweihöckrige Backenzähne) von Australopithecinen spezialisiert hat, berichtet, dass diese mit einem ungewöhnlich dicken Zahnschmelz überzogen sind und sie die „nicht-quadratische“ Form der hyper-robusten Australopithecinen aufweisen. Er war jedoch nicht imstande zu bestimmen, zu welcher Art der Prämolar gehört und ordnete ihn deshalb einer nicht weiter spezifizierten robusten Australopithecinenart zu. Es scheint nun so, dass er Recht behält und das Material zu dem robusten A. aethiopicus gehört.

Lebensraum

Die Funde konnten mittels radiometrischer Methoden und paläomagnetischer Analysen recht gut datiert werden, da es vor rund 2,5 Millionen Jahren unterhalb und oberhalb der Fundschichten wiederholt zu Ascheablagerungen durch Vulkanausbrüche kam. In den gleichen Fundschichten wurden zahlreiche Begleitfossilien geborgen, darunter Überreste von Löwen, Streifenhyänen, Karakals, Elefanten, Giraffen, Nashörnen, Antilopen, Ziegen, frühen Pavianen (Parapapio) und Schlankaffen (Paracolobus). Ferner entdeckte man in diesen Schichten andere hominine Fossilien, die zu einer nicht eindeutig bestimmbaren Art gehören, womöglich Australopithecus garhi oder Homo rudolfensis. Unter den Begleitfossilien sind Riedbock und Wasserbock besonders häufig vertreten. Man vermutet daher, dass A. aethiopicus in Graslandschaften lebte, die zumindest zeitweise überschwemmt waren und in einer Klimazone, die der heutigen in Ostafrika nicht unähnlich war.

Auch die großen und stark abgenutzten Backenzähne sowie der imposante Scheitelkamm zur Befestigung der Kaumuskeln weisen auf einen Lebensraum hin, in dem vor allem harte Pflanzenkost zu finden war. Die großen Schneidezähne dienten wahrscheinlich dazu, Rinde von Pflanzenstängeln abzuschälen.

Bedeutung

Australopithecus aethiopicus wurde schon bald nach der Entdeckung des schwarzen Schädels für phylogenetische (stammesgeschichtliche) Betrachtungen wichtig. Er hat nämlich gezeigt, dass der Gattungsname Paranthropus polyphyletisch und daher unzulässig ist. Obwohl einige noch lautstark gegen diese Tatsache argumentieren, wird dies mittlerweile allgemein akzeptiert. In einer der frühesten und wichtigsten Analysen behaupten Walker und Leakey (1988), dass der aethiopicus an der unteren Seite der boisei Abstammung zu stehen scheint und dass er ursprünglicher als robustus sei und daher nicht in einer Ahnenreihe mit diesem stehen könne. Skelton und McHenry (1992) und Lieberman et al. (1996) kamen beide zu dem gleichen Schluss: aethiopicus und Paranthropus weisen unterschiedliche charakteristische Merkmale auf. Beide sehen aethiopicus auf einem Zweig des Stammbaums, der in einer Sackgasse endet.

Literatur