Für die Biologen zählen alle Individuen, die sich miteinander fortpflanzen können, zur gleichen Spezies. Im Tier- und Pflanzenreich hat sich eine Art meist auf eine bestimmte ökologische Nische spezialisiert, und besonders erfolgreiche Lebewesen-Familien haben mit vielen Arten viele Lebensräume erschlossen. Aus der Sicht der Käfer zum Beispiel, die es auf 250.000 Arten brachten, ist die Familie der Hominidae mit ihren Gattungen Orang-Utan, Gorilla, Schimpanse und Mensch nicht gerade erfolgreich. Der Mensch freilich macht die große Zahl der Krabbeltier-Arten durch seine vielseitige Anpassungsfähigkeit wett.
Zu der körperlichen Vielseitigkeit kam die dank Hand und Hirn entwickelte Technik, mit der sich der Mensch den Auswirkungen ungünstiger Umweltbedingungen entziehen konnte. Und so schaffte es Homo sapiens, seine ökologische Nische über die ganze Erde auszudehnen. Diese Ausweitung hinterließ Spuren im Gesicht und am Körper der Menschen, aber sie veränderte in den letzten 40.000 Jahren nicht den grundlegenden Bauplan (auch wenn die Zähne etwas kleiner und die Muskeln etwas schwächer wurden).
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Alle
lebenden Menschen zählen zur Art Homo sapiens. Die vielen Erscheinungs-formen sind zum größten Teil Anpassungen an unterschiedliche Lebensräume, wie zum Beispiel die Hautfarbe. Anthropologen scheuen immer mehr zurück, die Menschheit in Rassen einzuteilen 1 Engländer 2 Ägypter 3 Inder 4 Junge aus Bali 5 Chinesin 6 Indonesierin 7 Tibeter 8 Australierin 9 nord-amerikanischer Indianer 10 süd-amerikanischer Indianer 11 Araber 12 Sudanesin 13 Samburu-Frau 14 Pygmäe 15 Buschmann 16 Zulu-Mädchen 17 Maori 18 Inuit - Frau |
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Am auffälligsten ist die Anpassung an verschiedene Lebensräume natürlich bei jenem Organ, das jeden Menschen von seiner Umwelt trennt: bei der Haut. Die Hautfarbe diente denn auch als Basis für die Versuche der Wissenschaftler, die Menschen weiter in Untergruppen, also in Rassen, aufzuteilen. Da die meisten Forscher bis heute helle Haut haben, war es nicht verwunderlich, dass die »weiße Rasse« als besonders hoch entwickelt und intelligent angesehen wurde.
Versuche, Menschen nach äußeren Merkmalen (wie Körperbau, Schädelform, Haut- und Haarfarbe usw.) in verschiedene Rassen einzuteilen, werden in der Wissenschaft zunehmend abgelehnt. Naturwissenschaftler wie etwa Humangenetiker haben Rassentheorien in Bezug auf den Genotypus Mensch schon seit längerem widerlegt. Man spricht, beispielsweise in der anthropologischen Forschung, statt von menschlichen Rassen von typologischen Kategorien, wonach die Menschheit sich in verschiedene Phänotypen gliedert.
Genetisch gesehen gleichen sich hingegen alle Menschen zu 99,9 Prozent, und dies unabhängig von der ethnischen Einordnung. Die restlichen 0,1 Prozent des Erbguts sorgen für die individuellen Unterschiede zwischen den Menschen (Haut- und Haarfarbe usw.). Ein grundlegendes Problem bei der Verwendung des Rassebgeriffs beim Menschen liegt darin, dass keine einheitliche wissenschaftliche Norm existiert, ab welcher genetischen Drift von einer Rasse gesprochen wird. Demnach ist die Frage, ob es Menschenrassen gibt, abhängig von der Rassedefinition des jeweiligen Wissenschaftlers.
Rassenideologie hat zur Verbreitung unwissenschaftlicher Kriterien und Wertungen geführt, bei oft menschenverachtender Grundhaltung. Vermeintliche oder echte wissenschaftliche Autorität wurde hier als ein Mittel zur Erhöhung der Glaubwürdigkeit der politisch-ideologischen Ansichten missbraucht. Während viele morphologische und physiologische Kriterien bis heute in Biologie und Medizin Bestand haben, jedoch nicht in Bezug auf eine Unterteilung von Menschenrassen, wurden andere Merkmale, Typisierungen und Wertungen inzwischen widerlegt.
Die heute immer weniger gebräuchliche Einteilung der Menschen in Rassen, früher oft als Großrassen bezeichnet, kann auf die Unterschiede in der Körperfarbe nicht gestützt werden; für die Einteilung der Menschheit in Schwarze, Weiße, Rote und Gelbe ist der biologische Begriff der Rasse ungeeignet. Während Walter Demel zeigen wollte, wie die Chinesen gelb gemacht wurden, beschrieb Alden T. Vaughan die Verwandlung der Indianer in Rothäute oder verfolgte Wulf D. Hund die Entwicklung des europäischen Afrikanerbildes vom Äthiopier der Antike über den Mohren des Mittelalters zum Neger der Neuzeit. John Solomos und viele andere haben daraus den Schluss gezogen, dass „schwarz und weiß [...] keine essentialistischen Kategorien [sind], sondern [...] durch historische und politische Kämpfe um ihre Bedeutung definiert werden”.
Artikel: Hans-Peter Willig