Evolution des Menschen - Die Gesetze der Vererbung

Gregor Mendel
Der österreichisch-mährische Mönch Gregor Mendel erkannte als erster die Gesetze der Vererbung

Die Evolution läuft manchmal so schnell ab, dass sie für Menschen im Laufe eines Lebens sichtbar wird. So färbte sich der Birkenspanner, ein auf heller Birkenrinde kaum sichtbarer Schmetterling (siehe unten), im mittelenglischen Industrierevier Ende des 19. Jahrhunderts zusehends dunkler: Auf den rußgeschwärzten Birkenstämmen waren helle Spanner leichte Beute von Vögeln geworden, während einige durch Zufall etwas dunkler gefärbte Exemplare nicht - wie zuvor - gefressen wurden, sondern eher überlebten und sich so vermehren konnten.

Darwin sah nur das verwirrend vielfältige Ergebnis dieser unentwegten Anpassung durch Auslese. Von dem Mechanismus der Vererbung, an dem die zufälligen Veränderungen wirken müssen, hatte er keine klaren Vorstellungen. Zu der Zeit, als er sein epochales Werk schrieb, fand der mährische Mönch Gregor Mendel durch Züchtungsversuche die Gesetze der Vererbung. Der Mönch erkannte, dass bestimmte Eigenschaften seiner Erbsen in Erb-Einheiten - später Gene genannt - zusammengefasst sein müssen und dass manche Eigenschaften sich bei der Vererbung durchsetzen (also dominant sind), andere dagegen sich unterordnen (also rezessiv sind). Von etwa 1000 Pflanzen, die Mendel aus einer Kreuzung von lang- und kurzstieligen Erbsen zog, waren drei Viertel langwüchsig und nur ein viertel kurzwüchsig: Die Erbeigenschaft »langwüchsig« war dominant, das berühmte Verhältnis von 3:1 in der (sexuellen) Vererbung von dominanten und rezessiven Eigenschaften war gefunden.

Heute definieren Wissenschaftler den Stoff, aus dem die Gene sind, als eine riesige Molekülkette mit den zungenbrechenden Namen Desoxyribonukleinsäure, nach der internationalen Abkürzung auch DNA genannt. Das "A" steht für "acid", das englische Wort für Säure. An dieser aus Milliarden von Atomen und vielen Millionen molekularer Bausteine bestehenden »Blaupause« allen Lebens bewirkt der Zufall, dass ab und zu eine aufgezeichnete Erbinformation geändert wird - sei es durch äußere Einwirkungen, wie etwa radioaktive Strahlen, sei es bei Übertragen der mütterlichen und väterlichen Erbinformationen während der Vereinigung von Ei- und Samenzelle.


vergrößernEinige zufällig dunklere Schmetterlinge überlebten und erhielten die Art. Jetzt, da die Luft wieder sauber ist, kehrt sich auf reineren Birken der Ausleseprozess um
vergrößernAls Ruß Ende des 19.Jahrhunderts im englischen Industrierevier die Birken schwarz färbte, wurden die hellen Birkenspanner, ihrer Tarnung beraubt, leichte Beute der Vögel

Während die Molekularbiologen nun gleichsam »von unten« enträtseln, wie der Zufall in die Evolution eingreift, bemühen sich Verhaltensforscher und Ökologen »von oben« her, die kreative Wirkung der Umwelt auf die natürliche Auslese der Arten zu beschreiben.

»Evolution«, schrieb einmal der amerikanische Biologe Leigh van Valen, »ist die Kontrolle der Entwicklung durch die Ökologie«. Andere Gelehrte, wie etwa Embryologen (sie suchen in der frühen Entwicklung einzelner Lebewesen Hinweise auf die Wirkungsweise der Gene) und Paläontologen (sie ziehen aus den Aufzeichnungen der Gesteine Rückschlüsse auf die Entwicklung der Arten im Lauf von Jahrmillionen), tragen zu einer Gesamtschau vom Leben bei.

Artikel: 2004, Letztes update: 04.02.2012 um 02:03

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