Kreationismus vs. Evolution - Intelligent Design

Kreationist George Bush
Der frühere US-Präsident George W. Bush unterstützt die Bewegung des "Intelligent Design". Auch wegen des (ebenfalls in den USA) immer unpopulärer werdenden Kreationismus © Bild: Swartmore College

Bereits nach außen setzt sich die Bewegung klar vom „klassischen“, religiös motivierten Kreationismus ab: Die Verfechter des „Intelligent Design“ tragen Hochschul-Titel und verwenden wissenschaftliches Vokabular, während sie religiöse Argumentationen meiden. Ihr Ziel ist, mit wissenschaftlichen Mitteln zu zeigen, dass für die Entwicklung der Lebewesen ein „Designer“ verantwortlich sein muss, eine – wie auch immer gedachte – Schöpfergestalt. Nach welchen Mechanismen dieser „Designer“ jedoch agieren soll, erklärt ID nicht: Jeglicher Befund könnte sich durch sein Walten erklären lassen – eine Widerlegung der Theorie ist deshalb logisch nicht möglich.

Damit verfehlt ID sein selbst gestecktes Ziel, als wissenschaftliche Theorie anerkannt zu werden. Lange Zeit waren die auch in der Öffentlichkeit wahrgenommenen Evolutionsgegner so gut wie ausschließlich dem so genannten „wissenschaftlichen Kreationismus“ (auch scientific creationism, Kurzzeit-Kreationismus, Kreationismus im strengen Sinn) zuzurechnen. Dieser gibt vor, die Faktizität der biblischen Genesis – vor allem ein Alter der Erde von etwa 6000 Jahren, einer Schöpfungswoche mit sieben Tagen zu je 24 Stunden und einer weltweiten Sintflut – anhand naturwissenschaftlicher Befunde aufzeigen zu können (s. dazu z. B. Montagu 1984; Mahner 1986, 1989, 1990; Jeßberger 1990; Numbers 1992; Ruse 1996; Piglici 2002; Waschke 2002).

Seit einigen Jahren gibt es nun eine eher „akademisierte“ Variante der Evolutionskritik (Kotthaus 2003), die sich als Intelligent Design (ID) bezeichnet (s. auch Skeptiker 1/01, S. 28). Viele Autoren bezeichnen ID auch als Neo-Kreationismus, weil sich die Inhalte und vor allem die öffentliche Vorgehensweise zur Durchsetzung der Ziele dieser Bewegungen gleichen. Beide sind nur auf der Grundlage der Verhältnisse in den USA zu verstehen. Aufgrund der strikten Trennung von Staat und Kirchen ist dort Religionsunterricht an öffentlichen Schulen durch die Verfassung verboten. Daher müssen biblisch oder ganz allgemein religiös orientierte Evolutionsgegner ihre Auffassungen als Naturwissenschaft bezeichnen, um sie als Unterrichtsinhalte an öffentlichen Schulen vertretbar zu machen. Nachdem sich die Kreationisten im strengen Sinne vom höchsten amerikanischen Gericht sagen lassen mussten, dass ihr „scientific creationism“ letztendlich Religion im Deckmäntelchen von Naturwissenschaft ist (Overton 1982), muss ID als ein weiterer Versuch betrachtet werden, christlich motivierte Schöpfungslehre in den Stoffplan naturwissenschaftlichen Unterrichts zu platzieren. Ganz dem amerikanischen Bedürfnis nach Fairness entsprechend forderten schon die Kreationisten „gleiche Zeit“ (equal time): Es solle für die (biblische) Schöpfungslehre ebenso viel Unterrichtszeit zur Verfügung stehen wie für die Evolutionsbiologie.

Diese Strategie verfolgt nun auch die ID-Bewegung mit durchaus beachtlichem Erfolg. Nach Orr (2002) zeichnen sich die ID-Anhänger gegenüber Kreationisten im strengen Sinn vor allem durch akademische Titel, von Expertenwissen getragene Argumente und strikte Vermeidung religiöser Sprache aus. Im Gegensatz zum biblisch orientierten Kreationismus im strengen Sinne versteht sich ID explizit als „Signalerkennungstheorie“: Durch Erforschung der Natur soll mit wissenschaftlichen Methoden die Notwendigkeit eines Designers bzw. Schöpfers erweisbar sein – über dessen Identität und konkrete Eigenschaften jedoch keine Aussagen gemacht werden. Obwohl ein Planer nicht zugleich ein aktiver Schöpfer bzw. Baumeister sein muss, werden hier die Wörter „Designer“ und „Schöpfer“ synonym verwendet. Im Rahmen dieser Arbeit soll vor allem auf den Anspruch des ID eingegangen werden, durch wissenschaftliche Argumente zu zeigen, dass es einen Designer geben muss und der naturalistische Ansatz der Wissenschaften daher überholt ist. Eine Darstellung der sozialen Bedeutung des ID findet sich z. B. in Pennock (1998).

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Aus Skeptiker - Zeitschrift für Wissenschaft und kritisches Denken - Ein Artikel von Thomas Waschke - Ausschnitte

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