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Kreationismus vs. Evolution - Was ist Kreationismus?

Kreationismus ist ein Teilaspekt eines religiösen Fundamentalismus, der sich in den letzten Jahrzehnten vor allem in den USA verbreitet hat. Kernthese ist die absolute Irrtumsfreiheit der Bibel in allen Angelegenheiten und das Konzept der sogenannten Verbalinspiration.

Danach seien alle Texte des biblischen Kanons Buchstabe für Buchstabe persönlich von Gott diktiert. Der zeitgeschichtliche Hintergrund der jeweiligen Verfasser sei dagegen bedeutungslos. Alle Ergebnisse der Wissenschaft, die einem derartigen, auch aus Sicht der heutigen Theologie naivem Bibelverständnis zu widersprechen scheinen, werden als widergöttlich und als Werk des Satans verteufelt.

Der Kreationismus im speziellen hält dogmatisch an einer wortwörtlichen Auslegung des biblischen Schöpfungsberichts fest und begibt sich dadurch in einen fundamentalen Gegensatz zu grundlegenden Erkenntnissen der modernen Naturwissenschaften. Aufgrund der in der biblischen Genesis verzeichneten Ahnenreihen wird behauptet, die Erde und auch das Weltall seien erst wenige tausend Jahre alt. Zahlreiche unabhängige geochronologische und astronomische Belege weisen aber eindeutig auf ein Erdalter von knapp 5 Milliarden Jahren und ein Alter des Universums von etwa 15 Milliarden Jahren hin. Weder die Bildung der Gebirge, der Ozeane, der Kohle- und Erzlagerstätten und erst recht nicht die Entstehung der Planeten oder die Anreicherung von schweren Elementen in Sternen lassen sich in so kurzen Zeiträumen, wie sie von Kreationisten behauptet werden, erklären, will man nicht sämtliche Naturgesetze in Frage stellen. Auch die heute allgemein anerkannte Evolutionslehre und die Abstammung des Menschen aus der Tierwelt wird von Kreationisten heftig bestritten.

In ihren pseudowissenschaftlichen Argumentationen kommen Kreationisten nicht ohne massive Unterschlagungen, Verdrehungen und Fälschungen aus. Kreationismus ist ein kaum reflektierter Versuch, das "Ereignis Galilei" rückgängig zu machen und ein aristotelisches, statisch-unveränderliches, geo- und anthropozentrisches, auf religiösen Dogmen beruhendes Weltbild zu errichten, das unabhängige wissenschaftliche Forschung nicht zuläßt.

Auch die großen christlichen Kirchen lehnen den Kreationismus als eine vom eigentlichen Wesensgehalt des christlichen Glaubens wegführende Verirrung ab. Tatsächlich sind die Erkenntnisse der historisch-kritischen Theologie, wie sie heute an den Universitäten gelehrt werden, die wirksamsten Gegenargumente zum kreationistischen Fundamentalismus: sie verweisen uns auf die zeitgeschichtliche Bedingtheit der biblischen Texte und ihrer Verfasser und eröffnen uns so ein tiefergehendes Verständnis ihrer Grundlagen und religiösen Inhalte.

Kreationisten schrecken dagegen nicht einmal davor zurück, Gott als hinterhältigen Täuscher darzustellen. Konfrontiert mit den zahlreichen Belegen für ein hohes Erdalter erklären sie zum Beispiel, Gott hätte eben die Fossilien als solche erschaffen und sie fertig in die Erde gelegt, um bei uns einen falschen Eindruck hervorzurufen und so unseren Glauben zu testen.

Nicht fundamentalistisch orientierte Gläubige gehen dagegen davon aus, dass Gott uns unseren Verstand gegeben hat, damit wir ihn auch gebrauchen.

Artikel: 2007, Letztes update: 04.02.2012 um 02:02

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