Titel.""; ?>"> Die Evolution des Menschen - News -Frühmenschen schliefen schon vor 77.000 Jahren auf Pflanzenmatratzen  
 

Die Evolution des Menschen - News

Newsletter abonnieren

Frau Herr

Vorname:

Name:


E-Mail:


eintragen entfernen

Im Archiv: 57 Meldungen
25.07.2011
Gehirnhälften von Homo erectus untersucht
24.07.2011
Neandertaler und Homo sapiens hatten definitiv Sex
26.06.2011
Ältester Menschenaffe Eurasiens lebte in Schwaben
20.05.2011
Einzelner Zahn des Peking-Menschen gefunden
12.05.2011
Nussknackermenschen bevorzugten Gras als Nahrung
12.05.2011
War „Ardi” nur ein Menschenaffe?
21.04.2011
Affen: Rätsel um HIV-Resistenz gelöst
20.04.2011
Ist Afrika der Ursprung aller Sprachen?
11.03.2011
Entstand der Homo sapiens im Süden Afrikas?
03.03.2011
Älteste Ureinwohner Nordamerikas entdeckt
12.01.2011
Weder Neandertaler noch moderner Mensch
14.11.2010
Neandertaler-Gehirn wuchs anders
06.11.2010
Werkzeugfeinschliff schon vor 50.000 Jahren
20.08.2010
Klimawandel wurde Mammuts zum Verhängnis
12.08.2010
Sensationsfund in Afrika
29.06.2010
Vormenschenfund: „Lucys Großvater“ ging schon aufrecht
12.06.2010
Ältester Lederschuh der Welt entdeckt
09.04.2010
Neuer Australopithecus entdeckt
25.03.2010
Neue Menschenform entdeckt
01.03.2010
Kleines Gehirn der „Hobbit”-Menschen doch normal?
02.10.2009
Lang ersehnte Veröffentlichung: Neues vom Ardipithecus ramidus
20.05.2009
Sensationeller Primatenfund aus der Grube Messel
14.05.2009
Ur-Venus aus Süddeutschland
19.02.2009
DNA aus dem Neandertal
15.01.2009
Neandertaler unter Beschuss
23.12.2008
Punktsieg für die Hobbits
16.11.2008
Homo erectus: Plump und untersetzt statt schlank und groß
14.08.2008
Fossile Mini-Zähne sind ältestes Primatenrelikt
09.08.2008
Ein kleines Stück Neandertaler
20.07.2008
Auch Menschenaffen denken voraus
11.04.2008
Der rätselhafte Tod der Dmanisi-Menschen
04.04.2008
Der erste Europäer war ein Spanier
23.02.2008
Neandertaler mobiler als gedacht
19.11.2007
Der Anfang vom Ende der Jäger und Sammler
11.10.2007
Neandertaler - Lange Reise in den Osten
27.09.2007
Erste Europäer liefen schon wie wir
15.09.2007
Klima nicht schuld am Ende der Neandertaler
29.08.2007
Neue Funde aus Koobi Fora
02.08.2007
Stammbaumforschung mit Köpfchen
22.07.2007
Warum zwei Beine besser sind als vier
09.06.2007
Aufrecht in den Bäumen
03.06.2007
Was der Clovis-Kultur das Ende brachte
15.05.2007
Woher die Ur-Australier kamen
09.04.2007
Der Mischmensch aus China
23.03.2007
Kämpfer haben kurze Beine
16.02.2007
Out of Africa - mit Magenschmerzen
08.02.2007
Teilerfolg für die Hobbits
05.02.2007
Von Afrika nach Russland
04.02.2007
"Out of Africa" - und wieder zurück
05.12.2006
Schlangenkult am Ayers Rock Afrikas
16.11.2006
Auf dem Weg zum entschlüsselten Neandertaler
10.11.2006
Was Lucys Enkel alles aßen
01.11.2006
Neue Hinweise auf eine Mischung zwischen Neandertaler und modernem Menschen
13.10.2006
Hobbit gegen moderner Mensch, nächste Runde
07.10.2006
Wann die Amerikaner schreiben lernten
22.09.2006
Ein Baby für Lucy
22.09.2006
Endstation Gibraltar

 

Meldung vom 15.01.2012- 08:05    
Frühmenschen schliefen schon vor 77.000 Jahren auf Pflanzenmatratzen
Forscher finden urzeitliche Schlafmatten aus insektenabwehrenden Blättern
Frühmenschen schliefen schon vor 77.000 Jahren auf Pflanzenmatratzen
Diese fossilen Blattreste (hell) waren einst Teil einer Pflanzenmatte, auf der Frühmenschen im Sibudu-Felsunterstand in Südafrika schliefen. Foto © Marion Bamford
Ein internationales Archäologenteam konnte den bisher ältesten Nachweis bewusst aufgeschichteter „Pflanzenbettungen“ erbringen: Solche aus wenigen Zentimetern dicken, kompakten Lagen von Stängeln und Blättern von Riedgräsern und Binsen bestehenden Schichten sind über 77.000 Jahre alt und wurden unter einem Felsschutzdach in Südafrika gefunden. Die zum Teil insektenabweisenden Pflanzen sind 55.000 Jahre älter als bisher bekannte Nachweise von anthropogenen Pflanzenbettungen und gestatten damit wichtige Einblicke in Verhaltenspraktiken des frühen modernen Menschen in Südafrika.

Die urgeschichtlichen Pflanzenbettungen wurden bei Ausgrabungen in Sibudu (Kwa-Zulu-Natal Provinz, Südafrika) entdeckt. Mindestens 15 Schichten dieses Fundplatzes enthalten Hinweise auf derartige Pflanzenbettungen und datieren in den Zeitraum zwischen 77.000 bis 38.000 Jahre vor heute. Sie bestehen aus wenigen Zentimetern dicken, kompakten Lagen von Stängeln and Blättern von Riedgräsern und Binsen, die sich räumlich über ein bis drei Quadratmeter in der ausgegrabenen Fläche erstrecken.

Die ältesten Überreste der Pflanzenbettungen dieses Fundplatzes sind besonders gut erhalten. Sie bestehen aus einer Schicht fossilisierter Stängel und Blätter von Riedgräsern mit einer abschließenden papierdünnen Schicht aus Blättern der Cryptocarya woodi, auch Kap Quitte genannt, ein südafrikanisches Gewächs aus der Familie der Lorbeergewächse. Die Blätter dieser Pflanze enthalten insektizide Chemikalien und sind damit geeignet, Mücken fern zu halten. „ Die spezifische Auswahl dieser Blätter für die Konstruktion der Pflanzenlagen zeigt eine genaue Kenntnis der Bewohner über ihre Umgebung an wie auch der medizinischen Wirksamkeit von Pflanzen. Pflanzliche Heilkunde hat den Menschen gesundheitliche Vorteile verschafft, und der Gebrauch von insektiziden Pflanzen eröffnet uns eine ganze neue Einsicht in das Verhalten der frühen Menschen“ sagt Lyn Wadley von der Universität Witwatersrand.

Die Bewohner haben die Pflanzenstängel und -blätter direkt unterhalb des Rock-Shelter entlang eines Flusses gesammelt, und dann auf die Oberfläche des Bodens aufgelegt. Diese Aufbettungen wurden nicht nur als Bettstatt genutzt, sondern stellten bequeme Lebens- und Arbeitsoberflächen dar. Mikroskopische Analysen der Pflanzenbettungen durch Christopher Miller von Universität Tübingen deuten darauf hin, dass diese während des Gebrauchs der Höhle mehrfach ausgebessert wurden. Die mikroskopischen Untersuchungen haben außerdem ergeben, dass die Bewohner der Höhle die Pflanzenbetten nach Gebrauch regelmäßig verbrannt haben. „Sie haben die ausgedienten Aufbettungen absichtlich in Brand gesetzt, vermutlich um Schädlinge zu beseitigen. Dies hat den Fundplatz für spätere Nutzungen vorbereitet und stellt eine neuartige Verwendung von Feuer zur Pflege von Siedlungsplätzen dar“, so Miller.

Die erhaltenen Pflanzenbettungen treten im Zusammenhang mit mehreren Feuerstellen und Aschegruben auf. Ab 58.000 Jahren vor heute nimmt die Anzahl der Feuerstellen und Aschegruben dramatisch zu. Die Archäologen nehmen an, dass dies aus einer verstärkten Besiedlung der Fundstelle resultiert. In ihrem Artikel argumentieren die Wissenschaftler, dass ein Zusammenhang mit einer Veränderung in der Bevölkerungsdynamik in Südafrika zu diesem Zeitpunkt besteht. Um etwa 50.000 Jahren vor heute breitet sich der moderne Mensch bis nach Eurasien aus, wo er archaische Menschenarten, wie den Neandertaler, verdrängt.

An der Fundstelle wurden außerdem durchlöcherte Muschelschalen gefunden, die vermutlich als Schmuck verwendet wurden, sowie zugespitzte Knochenspitzen, die wahrscheinlich für die Jagd genutzt wurden. Es gibt auch Hinweise auf die frühe Entstehung von Pfeil und Bogen, auf den Gebrauch von Schlingen und Fallen zur Jagd und auf die Produktion von Klebstoff für geschäftete Steinwerkzeuge.

Der Zeitpunkt der aktuellen Entdeckung ist besonders günstig, da zukünftige Grabungen in Gefahr sind. Lokale Funktionäre planen die Konstruktion eines großen Haustraktes in unmittelbarer Umgebung von Sibudu, was den Fundplatz schwer gefährden und zukünftige Grabungen verhindern würde. L. Wadley und ihre Kollegen hoffen, dass die hier aufgeführten wichtigen Entdeckungen den hohen Wert von Sibudu als unersetzliches Kulturerbe für Südafrika und den Rest der Welt unterstreichen.
Science, 2011; doi: 10.1126/science.1213317
 

 

Meldung vom 14.01.2012- 10:54    
Jüngster Menschenaffe Europas
Der Fund eines Zahns scheint die Präsenz von vormenschlichen Primaten in Europa vor sieben Millionen Jahren zu bestätigen
Jüngster Menschenaffe Europas
Prof. Madelaine Böhme (rechts) und Geologe Philipe Havlik bei Grabungsarbeiten nahe der bulgarischen Stadt Chirpan. © Prof. Madelaine Böhme
Menschenaffen haben länger in Europa gelebt, als bisher angenommen: Das belegt ein sieben Millionen Jahre alter Vor-Backenzahn eines Hominiden, den Wissenschaftler nahe der bulgarischen Stadt Chirpan gefunden haben. An dem internationalen Forschungsprojekt mit Wissenschaftlern der „Bulgarischen Akademie der Wissenschaften“ und des französischen „Centre National de la Recherche Scientifique“ ist auch Professor Madelaine Böhme vom Senckenberg Center for Human Evolution and Paleoecology an der Universität Tübingen beteiligt. Der Fund könnte Anlass sein, die Geschichte der Menschheit in wesentlichen Punkten zu revidieren: Bisher gingen Forscher davon aus, dass die Menschenaffen in Europa vor ca. neun Millionen Jahren wegen veränderter Klima- und Umweltbedingungen ausstarben und sich nur in Afrika weiterentwickeln konnten.

Unter Leitung von Nikolai Spassov vom Nationalmuseum für Naturgeschichte in Sofia war der Backenzahn bei Grabungen in Flussablagerungen nahe Chirpan entdeckt worden. Dass er von einem Hominiden stammt, lässt sich unter anderem an seiner dicken Zahnschmelz-Schicht erkennen. Der Zahn ist stark abgenutzt und gehörte vermutlich zu einem älteren Individuum. Mit der Datierung auf sieben Millionen Jahre sind die Forscher damit auf den jüngsten Menschenaffen auf dem europäischen Festland gestoßen, ihre Ergebnisse veröffentlichten sie kürzlich im Journal of Human Evolution.

Als jüngster Menschenaffe galt bisher der 9,2 Millionen Jahre alte Ouranopithecus macedoniensis aus Griechenland. Nach der gängigen These starben die Menschenaffen auf dem europäischen Kontinent vor etwa neun Millionen Jahren aus. Damals veränderten sich in Europa die Ökosysteme, savannenartige Landschaften mit saisonalem Klima entstanden. Menschenaffen als typische Fruchtfresser konnten, so glaubte man, durch ein saisonales Defizit an Früchten nicht überleben. Und tatsächlich fand das Team in der Fundschicht des Zahnes auch Fossilien einer typischen Savannen-Fauna, darunter mehrere Elefantenarten, Giraffen, Antilopen, Nashörner und Säbelzahn-Katzen. Der Fund des Backenzahns legt deshalb nahe, dass die Menschenaffen Europas sehr wohl in der Lage waren, sich an das wechselnde Klima einer Savanne anzupassen. Darauf deutet auch die rasterelektronenmikroskopische Untersuchung der Kaufacetten des Zahnes hin. Diese belegen, dass der bulgarische Menschenaffe härtere und abrasivere (verschleißintensivere) Nahrung wie Gräser, Samen und Nüsse zu sich nahm. Darin ähnelt seine Ernährungsweise jener der afrikanischen Vor-Menschen vor ca. vier Millionen Jahren (z.B. die Australopithecinen wie „Lucy“).

„Auch was die Evolution des Menschen betrifft, muss man völlig neu darüber nachdenken, wo sie sich abgespielt hat“, sagt Professor Madelaine Böhme. Bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass die Evolution des Menschen ausschließlich in Afrika stattfand und die Menschen von dort in andere Kontinente auswanderten. „Es mehren sich aber die Hinweise, dass sich ein gewisser Teil der menschlichen Evolution auch außerhalb Afrikas, in Europa und Westasien, ereignete.“

Dass in den frühen Episoden der Menschheitsgeschichte mehr Migration stattgefunden hat, als gedacht, zeigten die Paläontologen des Senckenberg Center for Human Evolution and Paleoecology an der Universität Tübingen bereits im Juni 2011, als sie den ältesten Menschenaffen Europas präsentierten. Auch hier war ein Backenzahnfund der Schlüssel: Ausgegraben südwestlich von Sigmaringen, im schwäbischen Alpenvorland, wurde er auf 17 Millionen Jahre datiert. Die Tübinger Arbeitsgruppe für Paläoklimatologie hatte unter Böhmes Leitung das damalige Klima der Region rekonstruiert und so gezeigt, dass Menschenaffen bereits in dieser Zeit unter einem tropisch-subtropischen Feucht-klima von Afrika nach Eurasien ausgewandert waren. Beide Arbeiten zusammen belegen damit eine mindestens zehn Millionen Jahre währende Besiedlung Europas durch Menschenaffen und eine signifikante Evolution in der Ernährung von Fruchtfressern hin zu Konsumenten härterer Nahrung.
Spassov N., Böhme M., A hominid tooth from Bulgaria: The last pre-human hominid of continental Europe. J. Hum. Evol. 62:1, pp. 138-145.

 

Meldung vom 27.10.2011- 11:46    
Unsere Urahnen liebten es bunt
In der Blombos Höhle in Südafrika, etwa 300 km östlich von Kapstadt, haben Archäologen eine 100.000 Jahre alte Malerwerkstatt entdeckt.
Unsere Urahnen liebten es bunt
In dieser Seeohrenschale aus der Blombos-Höhle in Südafrika bewahrte Homo sapiens vor 100.000 Jahren die flüssige Ockermixtur auf.
Die Funde, die nun in Science veröffentlicht wurden, zeigen, dass unsere frühen Vorfahren bereits Grundkenntnisse der Chemie hatten und die Fähigkeit besaßen, langfristige Pläne zu machen.

Die Fähigkeit Materialien zu beschaffen, zu kombinieren und zu lagen - und so Technologien oder gesellschaftliche Gebräuche weiterzuentwickeln - stellt einen Meilenstein in der Evolution komplexer menschlicher Kognition dar. Die Ausgrabungen im Jahr 2008 bei der Höhle enthüllten eine Werkstatt vor 100.000 Jahren, in der eine mit Ocker angereicherte flüssige Mixtur hergestellt und in zwei Schalen von Seeohren (Meeresschnecken) gelagert wurde. Außerdem fand man Knochen, Kohle, Schleif- ??und Hammersteine - sozusagen als Bestandteile eines urzeitlichen Werkzeugkastens. Die Anwendung der Mixtur ist unbekannt, aber möglicherweise wurde sie für Dekorationen oder als Hautschutz verwendet.

„Die ockerfarbigen Erden müssen aus mehren Kilometern Entfernung herbeigeholt worden sein“, berichten die Wissenschaftler. Die als Behälter dienenden Schneckenschalen stammten vom damals einige hundert Meter entfernten Meeresufer.

Aus den Funden und ihrer Anordnung rekonstruierten die Forscher, wie unsere Vorfahren bei der Herstellung der Farbe wahrscheinlich vorgingen. Ocker ist in der Sprache der Archäologen ein Begriff, um Erde und Gestein zu beschreiben, die rote oder gelbe Oxide oder Hydroxide von Eisen enthalten - im Grunde nichts anderes als Malerfarbe. „Sie zerrieben dafür zunächst das Material mit Hilfe eines Steins auf einer flachen Quarzittafel“, schreiben die Wissenschaftler. Das entstehende feine, rötliche Pulver vermischten die frühen Menschen dann mit erhitztem, zerstoßenem Knochenmehl, Kohle, Steinstaub und einer Flüssigkeit. „Da Kohle in dieser Schicht sonst selten ist, muss sie der Mischung absichtlich hinzugefügt worden sein“, schreiben die Wissenschaftler.

Darüber hinaus fanden die Forscher zwei Schneckenhäuser von Seeohren (Haliotis), auch Abalone genannt, die wahrscheinlich als Behälter dienten, um die rote Mixtur zu lagern. Pigmentrückstände auf einem der Knochen deuten darauf hin, dass er zum Umrühren und beim Ausgießen der Mixtur aus der Schale verwendet wurde. Dies ist auch der älteste Nachweis für die Verwendung eines Behälters, sagte Francesco d'Errico, Koautor der Studie und Forscher an der Universität von Bordeaux in Frankreich. Es scheint, dass diese Container mehrfach verwendet wurden. "Sie wussten wirklich was sie taten. Es ist nicht nur irgendein eigenartiges Verhalten, sondern ein sehr sorgfältig geplanter Prozess, sagte d'Errico.

Fragmente von Ocker, die älter als 100.000 Jahre sind, wurden schon zuvor gefunden, aber nie in Verbindung mit den Objekten, um sie zu verarbeiten oder in Behältnissen zu lagern, sagte d'Errico. Die chemische Analyse zeigt drei verschiedene Arten von Pigment, die in dieser Werkstatt verwendet wurden, einschließlich Gelb- und Rottöne. "Es ist wirklich ein relativ komplexes Verhalten, was dort passiert, das deutlich zeigt, dass die Produktion des Pigments nicht nur gelegentlich stattfand, 'd'Errico sagte. "Es war ein sehr geplanter Prozess mit einer Reihe von verschiedenen Rohstoffen."

Die Blombos Höhle scheint als Werkstatt benutzt worden zu sein, bis sie der frühe Homo sapiens verließ. Es scheint, dass Sand in die Höhle wehte und die Objekte bedeckte, so dass sie über die Jahrtausende bewahrt blieben.

Seltsamerweise sind bisher keine Malereien an den Höhlenwänden entdeckt worden. Wissenschaftler spekulieren, dass die Farbe zur Körperdekoration oder als Antiseptikum bei der Bearbeitung von Tierhäuten oder für beides verwendet wurde. "Es könnte sich um eine Kombination aus funktionalen und symbolischen Gründen handeln," sagte d'Errico. "In traditionellen Gesellschaften liegen Symbolik und Funktionalität oft nahe zusammen. Das eine schließt das andere nicht aus."
Hans-Peter Willig
Christopher S. Henshilwood et al, Science, 14 October 2011: Vol. 334 no. 6053 pp. 219-222, DOI: 10.1126/science.1211535
 

 

Meldung vom 27.10.2011- 09:40    
Fingernägel gibt es schon seit 55 Millionen Jahren
Die frühesten Vorfahren der Primaten entwickelten bereits vor 55 Millionen ein bis heute typisches Merkmal dieser Säugetierordnung: die Fingernägel.
Fingernägel gibt es schon seit 55 Millionen Jahren
55 Millionen Jahre liegen zwischen Carpolestes und Homo sapiens. © Science
Den bisher ältesten Beleg dafür haben Forscher im Bighorn Basin im US-Bundesstaat Wyoming entdeckt. Sie stießen dort auf 25 neue Fossilien eines Urprimaten namens Teilhardina aus der Familie Omomyidae - der bisher nur durch Funde einzelner Zähne bekannt war - und erstmals auch Fußknochen und Füße dieses Tieres beinhalten. Die Forscher berichteten über den Fund im Fachmagazin "American Journal of Physical Anthropology".

Die neuen Fossilfunde lassen einen wichtigen Blick auf eine entscheidende Zeit der Erdgeschichte zu, denn vor 55,8 Millionen Jahren begann eine Phase extremer Klimaerwärmung. Innerhalb von nur 20.000 Jahren stiegen die globalen Temperaturen um 6 Grad Celsius. Dieser abrupte Klimawandel hatte zur Folge, das viele Tierarten ausstarben, doch die Säugetiere profitierten davon. Innerhalb kurzer Zeit entwickelten sich zahlreiche neue Arten und Formen, darunter die frühen Primaten auf dem nordamerikanischen Kontinent.

Das Bighorn Basin ist bekannt für die Überreste dieser frühen Primaten - die nun gefundenen Fossilen sind rund 55,8 Millionen Jahre alt. Die Knöchelform weist darauf hin, dass Teilhardina brandti weniger als 15 Zentimeter groß war und wohl die meiste Zeit seines Lebens auf Bäumen verbrachte. Die gut erhaltenen Zehenglieder zeigen, dass der Urprimat keine Krallen oder Klauen mehr besaß wie seine Vorfahren, sondern bereits winzige Fingernägel. "Sie sind die kleinsten bekannten echten Nägel sowohl unter fossilen als auch unter den lebenden Tieren", sagt Kenneth D. Rose, Erstautor der Studie von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore. Das widerlege Theorien, wonach Primaten erst dann Fingernägel entwickelten, als ihre Körpergröße zunahm.

Teilhardina brandti ist der älteste Euprimat - so nennt man Primaten, die schon recht modern aussahen - in Nordamerika. Im Allgemeinen nimmt man an, dass sich gemeinsam mit den Nägeln auch die Fingerkuppen und mit ihnen die feinen Nerven an den Spitzen der Finger und Zehen entwickelten, was Teilhardina brandti dabei geholfen haben könnte, Äste sicherer zu greifen und sich so geschickter und schneller durch die Baumwipfel zu bewegen, sagen die Forscher.

Bisher nahm man an, dass die frühen Primaten aus Asien über die Bering-Landbrücke nach Nordamerika einwanderten. Doch die Analyse der fossilen Knochen aus dem Bighorn Basin zeige etwas anderes, sagen die Forscher. Es gebe deutlich mehr Ähnlichkeiten zu einer in Europa gefundenen Primatenart. Ihrer Ansicht nach muss diese Tiergruppe daher von Europa aus über den hohen Norden nach Nordamerika eingewandert sein.

Das warme Klima habe vermutlich dazu geführt, dass die Primaten, aber auch viele andere Säuger dieser Zeit so klein blieben. Die ersten Pferde waren damals kaum katzengroß: Bis zur Schulter maßen sie gerade einmal 20 Zentimeter.
American Journal of Physical Anthropology, 2011, DOI: 10.1002/ajpa.21579
 

 

Meldung vom 07.09.2011- 00:27    
Älteste Faustkeile sind bereits 1,8 Millionen Jahre alt
Frühmensch Homo erectus beherrschte Acheuléen-Technologie früher als gedacht
Älteste Faustkeile sind bereits 1,8 Millionen Jahre alt
Diese Steinwerkzeuge aus der Acheuléen-Kultur, gefunden in Kokiselei in Kenia, wurden jetzt auf ein Alter von 1,76 Millionen Jahre datiert.
© Pierre-Jean Texier, National Center of Scientific Research, France
Homo erectus, ein Vorläufer des modernen Menschen, beherrschte bereits eine fortschrittliche Werkzeugtechnologie, die viel Geschicklichkeit und die Fähigkeit zu planerischem Denken erforderte. Die ältesten bekannten Hinweise auf diese Technologie - ein Markenzeichen der frühen Menschen - konnten bis jetzt nicht mit einem genauen Datum versehen werden.

Eine neue Studie legt jetzt nahe, dass Homo erectus bereits vor 1,8 Millionen Jahren fortschrittliche Herstellungsmethoden beherrschte, mindestens 300.000 Jahre früher als bisher angenommen. Die Studie, die in der Septemberausgabe 2011 der Zeitschrift »Nature« veröffentlicht wurde, wirft neue Fragen darüber auf, wo diese großen und schlanken Frühmenschen entstanden sind und wie sie eine derart anspruchsvolle Werkzeug-Technologie entwickelt haben könnten.

Homo erectus erscheint auf der Weltbühne erstmals vor rund 2 Millionen Jahren und breitete sich dann nach Europa und Asien aus, bevor er möglicherweise in eine evolutionäre Sackgasse geriet und vor ca. 70.000 Jahren wieder verschwand. Die meisten Forscher sind der Ansicht, dass sich der Homo erectus in Ostafrika entwickelte, wo viele der ältesten Fossilien gefunden wurden. Doch als in den 1990er Jahren in Georgien gleich alte Homo erectus Fossilien wie in Afrika gefunden wurden, spekulierten viele, dass der Ursprung des Homo erectus auch in Asien gewesen sein könnte. Die Studie in »Nature« beendet die Diskussionen darüber nicht, im Gegenteil, sie macht sie sogar noch komplexer, denn die 1,8 Millionen Jahre alten Hinterlassenschaften der Homo erectus Menschen aus Dmanisi in Georgien beweisen, dass diese noch mit einfachsten Hackwerkzeugen hantierten, während die Bevölkerung in West Turkana in Kenia, der Studie zufolge, bereits Faustkeile und andere innovative Werkzeuge herstellte. Die Anthropologen nennen diese Kultur »Acheuléen«.

»Die Acheuléen-Werkzeuge stellen einen großen technologischen Sprung dar«, sagte Dennis Kent, Geologe an der Rutgers University und am Lamont-Doherty Earth Observatory der Columbia University. »Warum hat Homo erectus diese Werkzeuge nicht nach Asien mitgenommen?«

Im Sommer 2007 reiste ein französisch-amerikanisches Forscherteam an den Lake Turkana im Great Rift Valley, wo tektonische Kräfte den afrikanischen Kontinent auseinander reißen und wo erstmals einige der frühesten Menschen erscheinen. Der berühmteste Fund des Anthropologen Richard Leakey - der »Turkana Boy«, ein Homo erectus Teenager, der dort vor über 1,5 Millionen Jahren lebte - wurde am Westufer des Lake Turkana ausgegraben und ist bis heute das kompletteste Skelett eines Frühmenschen, das jemals gefunden wurde.

Sechs Meilen vom Fundort des »Turkana Boys« entfernt befindet sich die archäologische Stätte Kokiselei, wo man schon früher neben Werkzeugen des Acheuléen auch einfachere Werkzeuge der primitiveren Kultur des Oldowan fand. Das Ziel war, das Alter der Werkzeuge zu bestimmen, indem man die umgebenden Sedimente datiert. Frühere Überschwemmungen in der Gegend hinterließen Schichten von Schluff und Ton, die sich zu Tonstein verhärteten und die Richtung des Erdmagnetfelds zu dieser Zeit in winzigen Magnetit-Körnern konservierten. Die Forscher entnahmen Proben des Tonsteins bei Kokiselei, um in einer späteren Analyse der periodischen Polaritätswechsel ihr Alter zu bestimmen. Am Lamont-Doherty Paleomagnetics Lab verglichen sie die magnetischen Intervalle mit anderen stratigraphischen Daten und kamen so auf ein Alter von 1,76 Millionen Jahren.

»Wir vermuteten zwar, dass Kokiselei ein ziemlich alter Fundort ist, waren aber überrascht, als die geologischen Daten zeigten, dass es sich um die ältesten Acheuléen Werkzeuge handelt, die jemals gefunden wurden«, sagte Christopher Lepre, ebenfalls Geologe an der Rutgers University und dem Lamont-Doherty Earth Observatory. Die ältesten Acheuléen Werkzeuge, die man bisher kannte, stammen aus Konso in Äthiopien mit einem Alter von etwa 1,4 Millionen Jahren und aus Indien, zwischen 1,5 Millionen und 1,0 Millionen Jahre alt.

Die Acheuléen Werkzeuge von Kokiselei wurden knapp über einer Sedimentschicht mit einem Polaritätsintervall gefunden, das als "Olduvai Subchron" bezeichnet wird. Der Name geht auf die Olduvai-Schlucht in Tansania zurück, wo Leakeys Eltern Louis und Mary in den 1930er Jahren Pionierarbeit leisteten und eine wahre Goldgrube früher menschlicher Fossilien entdeckten. Bei einer Studie im Jahr 2010, die in Earth and Planetary Science Letters erschien, erkannten Lepre und Kent, dass ein gut erhaltener Homo erectus Schädel vom Ostufer des Lake Turkana bei Koobi Fora ebenfalls knapp oberhalb des Olduvai Subchron Intervalls lag, so dass der Schädel und die Acheuléen Werkzeuge aus West Turkana etwa gleich alt sein müssen.

Zwar haben Anthropologen noch keinen Homo erectus entdeckt, der einen Acheuléen Faustkeil in der Hand hielt, doch die meisten bringen ihn mit der Entwicklung dieser Technologie in Zusammenhang. Acheuléen Werkzeuge sind größer und schwerer als die Hackwerkzeuge (pebble-chopper), die zuvor verwendet wurden. Auch hatten sie feinere und schärfere Kanten, was Homo erectus in die Lage versetzte, Kadaver von Elefanten und anderen Großsäugern zu zerlegen, die von Hyänen oder Großkatzen übrig gelassen wurden. Möglicherweise waren die Frühmenschen mit ihren innovativen Werkzeugen sogar in der Lage, selbst auf die Jagd zu gehen und größere Beutetiere zu erlegen. "Man kann auf ein Schulter- oder Hüftgelenk hauen und so Vorder- oder Hinterbeine ablösen", sagte Eric Delson, Paläoanthropologe am Lehman College der City University of New York (CUNY), der aber an der Studie nicht beteiligt war. »Die Werkzeuge erlaubten es ihnen, ein totes Tier aufzuschneiden, zu zerstückeln und zu essen.«

Die Herstellung eines solchen Werkzeugs erfordert große Fertigkeit, was nahe legt, dass Homo erectus in der Lage war, vorausschauend zu denken. Die Anwesenheit beider Werkzeugtypen (Oldowan und Acheuléen) bei Kokiselei könnte bedeuten, dass Homo erectus und sein primitiverer Cousin Homo habilis gleichzeitig lebten, wobei Homo erectus die Acheuléen Technologie dann vor etwa einer Million Jahren bis in die Mittelmeer-Region trug, so vermuten die Autoren der Studie. Delson fragt sich, ob Homo erectus nach Georgien einwanderte und die Technologie des Acheuléen auf seinem Weg »verloren« haben könnte. »Die ersten eurasischen Frühmenschen könnten aber auch von einer afrikanischen Population abstammen, die diese Technologie noch nicht beherrschte«, mutmaßen die Forscher. Die Acheuléen-Technologie müsse dann in einer zweiten, späteren Auswanderungswelle aus Afrika nach Eurasien gelangt sein.

Das ostafrikanische Landschaft, die Homo erectus vor etwa 2,0 bis 1,5 Millionen Jahren durchstreifte, wurde immer trockener und mit der Veränderung des Monsunregens breitete sich immer mehr mit Gras bewachsene Savanne aus. »Wir müssen auch die früher herrschenden Umweltbedingungen versuchen zu verstehen, weil uns das einen Einblick gibt, wie die Prozesse der Evolution arbeiten - inwieweit Veränderungen der Biologie und des Verhaltens der Frühmenschen, des tierischen Lebens und der Vegetation auf Veränderungen des Klimas beruhen«, sagte Lepre.

Das Team ist derzeit mit der Ausgrabung eines mehr als 2 Millionen Jahre alten Fundorts in Kenia beschäftigt, um mehr über die frühe Periode des Oldowan zu lernen.
HPW
(Nature / Columbia University, 01.09.2011)
User online 16   gestern 973   heute 751 Glossar LinklisteSitemapMail