Die DVD zur Webseite „Die Evolution des Menschen”

Die Evolution des Menschen - News

Newsletter bestellen
Frau    Herr

Vorname

Nachname

E-Mail

eintragen entfernen

  
Kleines Gehirn der „Hobbit”-Menschen doch normal?
Schädel von Homo floresiensis (links) und Homo sapiens (rechts).
Meldung vom 01.03.2010 18:29
Entwicklung kleinerer statt größerer Gehirne mehrfach innerhalb der Primaten nachgewiesen
Warum hatten die „Hobbit”-Menschen der indonesischen Insel Flores so kleine Gehirne? Waren sie krank? Eine jetzt in der Fachzeitschrift „BMC Biology“ erschienene Studie belegt, dass es innerhalb der Primatenevolution durchaus Ausnahmen vom Trend zu immer größeren Gehirnen gab. Homo floresiensis muss demnach keine krankhafte Missbildung gehabt haben, sondern könnte eine natürliche Anpassung an seine Insel-Umwelt darstellen.

Vor fünf Jahren entdeckten Forscher auf Flores Fossilien eines extrem kleinen Menschentyps, der spannenderweise noch bis vor rund 12.000 Jahren neben dem normalen Homo sapiens existiert haben muss. Aber ist Homo floresiensis, mit Spitznamen auch „Hobbit“ genannt, wirklich eine eigene Menschenart, oder handelt es sich hier nur um missgebildete oder kranke Exemplare des modernen Menschen? Über diese Frage wird seit Jahren gestritten.

Evolutive Trends in den Primaten analysiert
Jetzt haben Forscher der Universitäten von Cambridge und Durham untersucht, wie das extrem kleine Gehirnvolumen des „Hobbits“ zu erklären sein könnte – und ob es vielleicht evolutionäre Trends für eine Verkleinerung des Gehirns und der Körpergröße in bestimmten Entwicklungslinien innerhalb der Primaten gibt. Für ihre Studie werteten sie erneut die bisher in der Literatur veröffentlichten Daten zu lebenden und ausgestorbenen Primatenarten aus und rekonstruierten daraus Muster der Gehirn- und Körpergrößenentwicklung der Primaten.

Gehirnvolumen und Körpergröße nicht zwangsweise gekoppelt
Ihre Auswertung ergab zwei wichtige Erkenntnisse: Zum einen scheint die Entwicklung von Körpergröße und Gehirnvolumen nicht zwangsweise miteinander verkoppelt zu sein: „Unsere Ergebnisse liefern robuste Bestätigung dafür, dass starke evolutionäre Trends die Vergrößerung des Primatengehirns gesteuert haben”, erklärt Nick Mundy, Zoologe der Cambridge Universität. Die Volumenzunahme des Gehirns begann schon bei den frühen Primaten und lässt sich in allen größeren Gruppen verfolgen. Das deutet auf einen starken Selektionsdruck in diese Richtung hin.

„Im Gegensatz dazu zeigt die Entwicklung der Körpergröße keinen solchen durchgehenden Trend zum Zuwachs. Das deutet darauf hin, dass Gehirn und Körpermasse verschiedenen Selektionsdrucken ausgesetzt waren.“ Das bestätigt auch die Ergebnisse vorheriger Studien in anderen Gruppen des Tierreichs, die ebenfalls feststellten, dass diese oft stark korrelierten Merkmale durchaus Unterschiede in ihrem Entwicklungsmuster zeigen können.

Ausnahmen von der „immer größer“-Regel
Zum anderen zeigte sich, dass es bezüglich der Gehirnentwicklung durchaus Ausnahmen von der Regel des „immer größer“ gibt. Mundy und seine Kollegen identifizierten in jeder der großen Gruppen der Primaten mehrere Entwicklungslinien, in denen Gehirnvolumen und Körpergröße im Laufe der Evolution sogar abnahmen. Beispiele sind Pinselaffe und Mausmaki.

„Wir stellen fest, dass die Reduktion des Gehirnvolumens während der Evolution des Homo floresiensis verglichen mit diesen Primaten nicht ungewöhnlich ist“, so Mundy. „Ähnlich wie auch Studien über die Effekte des Inselzwergwuchses an anderen Säugetieren unterstützen diese Ergebnisse die Hypothese, dass das kleine Gehirn von Homo floresiensis an lokale ökologische Gegebenheiten auf der Insel Flores angepasst war.“
von
Quelle

Lang ersehnte Veröffentlichung: Neues vom Ardipithecus ramidus
Der Ardipithecus ramidus konnte sowohl aufrecht gehen als auch mit den Füßen greifen. Ardipithecus lebte vor ca. 4,5 Millionen Jahren. Bild: J.H. Matternes, Science.
Meldung vom 02.10.2009 12:14
Die frühen Vorfahren des Menschen waren weniger affenähnlich als bisher angenommen
Wissenschaftler haben das älteste bekannte Skelett eines vermutlich menschlichen Vorfahren nach 15 Jahren Forschungsarbeit vorgestellt - und es steckt voller Überraschungen. Obwohl das Wesen mit dem wissenschaftlichen Namen Ardipithecus ramidus ein Gehirn und die Größe eines Schimpansen hatte, bewegte es sich nicht wie letztere im Knöchelgang fort oder schwang sich durch die Baumkronen. Stattdessen ging Ardi - so nennen die Forscher das weibliche Skelett - aufrecht, mit einem großen Fuß und einem kurzen, breiten Becken. "Wir dachten, die berühmte Lucy wäre der Fund des Jahrhunderts", sagt der Paläoanthropologe Andrew Hill von der Yale University, indem er auf das berühmte 3,2 Millionen Jahre alte Skelett eines Australopithecus afarensis hinweist, " aber jetzt im Nachhinein, war sie das möglicherweise nicht."

Forscher haben lange darüber nachgedacht, ob unsere frühen Vorfahren eine Evolutionsphase durchlaufen haben, in der sie wie Proto-Schimpansen aussahen - mit kurzem Rücken und langen Armen, die an das Hangeln angepasst waren, und mit Becken und Gliedmaßen, die auf eine knöchelgehende Fortbewegung hinweisen. Dieses Troglodyten- oder Schimpansenmodell (nach dem wissenschaftlichen Namen Pan troglodytes, Schimpanse) geht davon aus, dass unsere Vorfahren viele der wichtigsten Anpassungen der Menschenaffen verloren haben, wie man sie von Schimpansen, Bonobos und Gorillas kennt, z. B. die dolchartigen Eckzähne und den Knöchelgang, die diese Menschenaffen von einem gemeinsamen Vorfahren geerbt haben.

Ein großes Hindernis bei der Erforschung der Zeit, als sich die Linien von Schimpansen und Menschen trennten, ist das fast völlige Fehlen von Fossilien früher Schimpansen und Gorillas. Bis jetzt war das älteste bekannte Skelett von einem menschlichen Vorfahren Lucy, das auf einen Schlag den Beweis erbrachte, dass unsere Vorfahren aufrecht gingen, lange bevor sie große Gehirne entwickelten. Aber Lucy war trotz ihres Alters von 3,2 Millionen Jahre bereits zu menschenähnlich, um etwas über ihre primitive Herkunft zu verraten. Und so haben sich die Forscher seit Lucys Entdeckung im Jahr 1974 immer wieder gefragt, wie jene menschenähnlichen Wesen ausgesehen haben mögen, die vor Lucy lebten.

Diese Frage sei nun zum ersten Mal ausführlich beantwortet worden, so die Forscher. Die ersten Teile des Skeletts von Ardipithecus ramidus wurden von einem internationalen Forscherteam 1994 bei Aramis in Äthiopien entdeckt. Mit ihren 4,4 Millionen Jahren ist Ardi nicht das älteste Fossil einens frühen Mitglieds der Menschenfamilie (Hominini), aber es ist bei weitem das kompletteste. So wurde ein Großteil des Schädels und der Kieferknochen, sowie das Becken, welches äußerst seltenen erhalten bleibt, sowie Hände und Füße gefunden. Die Knochen beweisen, dass Ardi eine Zwischenform in Bezug auf ihre Fortbewegung praktizierte - zum einen war sie in der Lage aufrecht zu gehen, ein einzigartiges Merkmal der Hominini - aber Ardi muss noch viel Zeit in den Bäumen verbracht haben, so die Forscher, da sie ihren großen Zeh mit den anderen Zehen gegenüberstellen konnte (Greiffuß). Das heißt, sie war in der Lage flink auf Bäume zu klettern, um sich dort ihre Nahrung zu suchen, um dort Nester für die Nacht zu bauen oder um vor Fressfeinden zu flüchten.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse, die sich aus den detaillierten Untersuchungen der Fossilien ziehen lassen, sei jene, dass Schimpansen wie die Menschen eine hochspezialisierte Gruppe bildeten, und der letzte gemeinsame Vorfahre – der allerdings erst noch gefunden werden muss – irgendwo dazwischen stehe, und nicht unbedingt näher beim Schimpansen.

Ein anderes hochinteressantes Merkmal des Ardipithecus sind seine Eckzähne. Diese unterscheiden bei allen Menschenaffen die Männchen erheblich von den Weibchen und dienen unter anderem dem Balzgehabe der männlichen Tiere. Beim Ardipithecus ist dieser Unterschied relativ klein, was weit reichende Schlüsse auf das Sozialverhalten der Art zulässt: Die Forscher leiten daraus zum Beispiel einen Hang zur Monogamie und weniger Rivalität unter den Männchen ab.

Die meisten Forscher, die auf die Veröffentlichung dieser Beschreibungen und Analysen 15 Jahre gewartet haben, stimmen überein, dass es sich bei Ardi tatsächlich um einen frühen Hominini handelt. "Es hat sich gelohnt, auf diese außerordentlich beeindruckende Arbeit der Rekonstuktion und Beschreibung zu warten," sagt der Paläoanthropologe David Pilbeam von der Harvard University. Aber er habe ein Problem mit der Annahme, dass der gemeinsame Vorfahr von Schimpansen und Menschen nur weinige Merkmale mit den afrikanischen Menschenaffen teilt. "Ich finde es schwer zu glauben, dass sich die zahlreichen Ähnlichkeiten zwischen Schimpansen und Gorillas konvergent entwickelt haben," sagt er.

Unabhängig davon kommen alle Wissenschaftler überein, dass die neue Veröffentlichung eine Fülle von Daten zum ersten Mal zusammenfasst, die neue Lösungsansätze für Jahre bieten könnten. "Es hätte mich sehr gelangweit, wenn das Fossil wie ein halber Schimpanse ausgesehen hätte", sagt der Paläoanthropologe Alan Walker von der Pennsylvania State University.
von Hans-Peter Willig
Wissenschaftsjournal Science, Themenschwerpunkt der Ausgabe vom 2. Oktober
 

Sensationeller Primatenfund aus der Grube Messel
Im Tonschiefer der Grube Messel wurden schon viele wertvolle Fossilien entdeckt, so auch dieses 47 Millionen Jahre alte Primatenfossil mit dem Namen "Ida".
Meldung vom 20.05.2009 05:54
Die bis vor kurzem geheim gehaltene Entdeckung soll 47 Millionen Jahre alt sein und bereits vor 28 Jahren gemacht worden sein.
In der Grube Messel bei Darmstadt wurden schon viele berühmte Versteinerungen, wie die vom Urpferdchen, gefunden. "Doch dieser Fund stellt sie alle in den Schatten. Für mich ist dieses Fossil das achte Weltwunder, so was hat die Welt noch nicht gesehen", frohlockt Dr. Jens Franzen, ein führender Paläontologe und ausgewiesener Spezialist für Fossilien vom Senckenbergmuseum Frankfurt.

Die Forscher behaupten, es handle sich bei der Spezies um ein fehlendes Bindeglied im Evolutionspfad zwischen Affen und Menschen und sie könne Charles Darwins Evolutionstheorie verifizieren. Andere Forscher haben sich zur Bedeutung des Fundes vorerst kritisch geäußert. Mit einem zu 95% erhaltenen Skelett ist Ida der am vollständigsten erhaltene Primat aller Zeiten. Das Skelett ist 60 cm lang. Gelebt hat das Tier während der Lutetium genannten Phase im Eozän und wurde als Darwinius masillae klassifiziert.

Das als weiblich identifizierte Affen-Fossil wurde laut ZDF-Bericht bereits vor mehr als 25 Jahren von einem privaten Sammler entdeckt. Vor rund zwei Jahren ließ der Finder, der anonym bleiben möchte, das Stück über einen Händler auf einer Hamburger Fossilienbörse anbieten. Durch diesen Mittelsmann wurde Paläontologe Hurum darauf aufmerksam. „Es bestehen keine Zweifel an seiner Echtheit“, sagt der Experte in der Fernsehdokumentation. Um das Fossil für die Forschung zu retten, habe er Geldgeber gesucht und es gekauft. Dann scharrte er ein Team internationaler Experten um sich, darunter den deutschen Forscher Jens Lorenz Franzen vom Senckenberg-Institut in Frankfurt.

Die Knochen sollen das erste vollständig erhaltene Skelett einer bislang unbekannten Art der Adapoiden sein. Diese ausgestorbene Tiergruppe gilt als Urahn der Lemuren. Das sind Halbaffen, deren Vertreter heute auf Madagaskar leben. Die Forscher sehen in dem Fossil einen „Lemuren-Affen“ – ein Wesen, das sowohl Merkmale von Lemuren, als auch von solchen Affenarten vereint, aus denen sich heutige Affen und die Menschen entwickelten.

Die Versteinerung aus Messel hat auf den ersten Blick Ähnlichkeit mit Lemuren, unter anderem wegen des schlanken Körperbaus und dem langen Schwanz. Ein großer, den übrigen Fingern gegenüberstehender Daumen weist darauf hin, dass das Tier gut greifen und klettern konnte und vermutlich auf Bäumen lebte. Allerdings fehlen dem Fossil typische Lemuren-Merkmale, wie eine Reihe zusammengewachsener Zähne und die auffällige Putzkralle, ein bestimmter Zeigefingertyp.

Die Wissenschaftler sind der Meinung, das Tier könnte ein indirekter Verwandter im Evolutionsbaum des Menschen sein, denn sie fanden heraus, dass der kleine Säuger bereits einen Sprunggelenksknochen hatte – dieser kommt den Forschern zufolge nur bei Affen vor. Nach den Worten von Franzen wäre „Ida“- so wurde das Fossil von den Wissenschaftlern getauft - zwar „nicht unsere Ur-Ur-Ur-Großmutter, aber vielleicht unsere Ur-Ur-Ur-Großtante“.

Auch für den ungewöhnlich guten Erhalt der Versteinerung haben die Forscher eine Erklärung gefunden. Eine Verwachsung am Handgelenk weist darauf hin, dass Ida einen Knochenbruch erlitten hatte und vermutlich nicht mehr gut klettern konnte. In Bodennähe aber konnten sich gefährliche Gase ansammeln, wie sie von vulkanischen Seen immer wieder ausgestoßen werden.

Beim Trinken am See ist Ida vermutich bewusstlos geworden, ins Wasser gefallen und auf den Grund des Sees gesunken. Dort hat das Skelett ungestört gelegen und ist im Laufe der Jahrmillionen versteinert.

Wegen der Nähe zu vulkanischen Seen hätten sich dort eventuell giftige Gase angesammelt. Vielleicht beim Trinken sei „Ida“ bewusstlos geworden, ins Wasser gefallen und zu Boden gesunken – wo ihr Skelett in den vergangenen 47 Millionen Jahren zu Stein wurde.

In der Fachveröffentlichung des Magazins „Plos one“ wird der Fall allerdings etwas nüchterner umschrieben: In der Grube Messel, der besten Lagerstätte für Fossilien aus dem Eozän in Europa, habe man bisher immer nur Teile von fossilen Primaten gefunden. Nun sei das erste komplett erhaltene Fossil wieder zusammengeführt worden - in einem erstaunlich guten Zustand. Darwinius Masillae – das hätten die Untersuchungen von Skelett, fossilierter weicher Körperhülle und dem Mageninhalt gezeigt – sei die Erstbeschreibung der Art. Ein Holotyp wie dieser ist, egal ob lebend oder fossil, immer wichtig für Naturforscher. Darwinius gehöre eindeutig zu den Vorfahren der Lemuren.

Das Team um Jens L. Franzen vom Forschungsinstitut Senckenberg in Frankfurt und Jorn H. Hurum vom Naturkundemuseum der Universität von Oslo schreibt, dass das Fossil eindeutig den Adapoidea zuzuordnen sei. Im Eozän gab es zwei Gruppen von Halbaffen: Adapoidea und Omomyioidea. Beide waren bekannt. Darwinius ist nun eine neue Arte der einen Art von Halbaffen.

Am 31.05.2009 wird vom ZDF eine Dokumentation im Rahmen der Serie Terra X ausgestrahlt.

Weblinks
Revealing the link

hochauflösendes Foto des Fossils
von ZDF/Welt Online
Complete Primate Skeleton from the Middle Eocene of Messel in Germany: Morphology and Paleobiology publiziert bei PLoS ONE
Quelle

Ur-Venus aus Süddeutschland
In einer Höhle auf der Schwäbischen Alb haben Tübinger Archäologen die "Venus vom Hohle Fels" gefunden, mit geschätzten 35.000 Jahren die älteste Frauenskulptur der Welt. Foto: H. Jensen/Universität Tübingen
Meldung vom 14.05.2009 19:20
Forscher finden die älteste Frauenfigur der Welt auf der Schwäbischen Alb
Deutsche Archäologen haben die älteste Frauenskulptur der Welt in der schwäbischen Höhle Hohler Fels gefunden. Die etwa sechs Zentimeter große Figur wurde vor 35.000 Jahren aus Mammut-Elfenbein geschnitzt und ist die weltweit älteste figürliche Darstellung eines Menschen. Brüste und Genitalien der Figur sind überdimensional groß dargestellt und auch Hüfte und Bauch sind stark betont – markante Merkmale von Weiblichkeit und Fruchtbarkeit. Der Fund ist für die Fachwelt so bedeutsam, weil Abbildungen von Frauen aus dieser Zeit bisher nicht bekannt waren, berichtet Nicholas Conard von der Universität Tübingen.

Die Arme und Beine der Skulptur sind stark verkleinert, um die Geschlechtsmerkmale zu betonen. Trotzdem hatte der Künstler Details wie Hände sorgfältig geschnitzt. Ein kleiner Ring symbolisiert den Kopf. An diesem Ring haben Steinzeitmenschen die Figur vermutlich als Anhänger getragen. Die "Venus vom Hohlen Fels" ist bedeckt von feinen Linien, die Kleidung darstellten könnten, vermuten die Forscher. Die Figur erinnert die Wissenschaftler an die in Österreich gefundene "Venus von Willendorf", die mit 28.000 Jahren aber noch 7.000 Jahre jünger ist.

Die Venus wurde gemeinsam mit Stein-, Knochen-, und Elfenbeinwerkzeugen gefunden, die typisch für die Kultur des Aurignacien ist, der ältesten Kultur dees modernen Menschen in Europa. Zu dieser Zeit trafen die ersten modernen Menschen aus Afrika in Europa ein. Die Schnitzer dieser Ur-Venus waren anatomisch und genetisch moderne Menschen, die noch neben den Neandertalern in der jüngeren Altsteinzeit lebten.

Das Auftreten von figürlicher Kunst scheint ein europäisches Phänomen zu sein, berichten die Forscher. Es gibt andernorts keine entsprechenden Funde, die älter als 30.000 Jahre sind. Wissenschaftler sehen in den zahlreichen süddeutschen Fundstätten mit den kleinen Elfenbeinstatuen den Geburtsort der europäischen Skulpturkunst. Die ersten Kunstwerke erklären die Forscher mit weiter entwickelten kognitiven Fähigkeiten des menschlichen Gehirns. Vielleicht hat sich damit auch die Sprachfertigkeit sprunghaft verbessert, vermuten die Forscher.
von ddp/wissenschaft.de – Bele Boeddinghaus
Nicholas Conard (Universität Tübingen): Nature, Bd. 459, S. 248, doi: 10.1038/nature07995
Quelle

DNA aus dem Neandertal
Rekonstruktion des Aussehens eines Neandertalerkindes durch Christoph Zollikofer et al. (Universität Zürch)
Meldung vom 19.02.2009 11:57
Entschlüsseltes Erbgut des steinzeitlichen Jägers und Sammlers erlaubt nun Vergleich mit dem modernen Menschen
Eine erste Version des Neandertaler-Erbguts haben Leipziger Forscher vorgelegt: Sie extrahierten DNA aus den Knochen von kroatischen Funden und konnten das Genom des Neandertalers zu 60 Prozent rekonstruieren. Dies reiche aus, um die Neandertaler-Erbanlagen mit dem schon bekannten Genom von Mensch und Schimpanse zu vergleichen und näher zu bestimmen, was den Menschen zum Menschen macht, berichten die Forscher um Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und Michael Egholm von der beteiligten Sequenzierfirma 454 Life Sciences in Branford, USA. "Besonders interessant beim Genomvergleich von Mensch, Neandertaler und Schimpanse sind die genetischen Anlagen für das Sprachvermögen und die Gehirnentwicklung", sagte Pääbo auf einer Pressekonferenz in Leipzig.

Die Wissenschaftler untersuchten Knochenproben von drei etwa 38.000 Jahre alten Neandertaler-Fossilien aus de Vindija-Höhle in Kroatien. Dabei mussten sie einerseits penibel sicherstellen, dass die Proben nicht mit menschlichem Erbgut, etwa mit Hautschuppen, verunreinigt wurden. Andererseits gelang es ihnen, die Neandertaler-DNA vom Erbgut von Bakterien, die über die Jahrtausende in die Knochen vorgedrungen waren, zu trennen. Insgesamt haben die Forscher mehr als drei Milliarden DNA-Basenpaare sequenziert. Dies entspricht zwar nur rund 60 Prozent des kompletten Genoms, reicht aber aus, um Neandertaler mit seinen nahen Verwandten, den Menschen und Schimpansen unter vielen Aspekten zu vergleichen. Ein halbes Gramm Knochenmaterial reichte den Forscher für die Komplettanalyse.

Vor rund 30.000 Jahren starben die Neandertaler als Seitenlinie in der Entwicklung des Menschen aus. Die Ursachen liegen noch weitgehend im Dunkeln. Die modernen Menschen hingegen konnten sich mit ihrem Auszug aus Afrika über die ganze Erde verbreiten. Die Forscher wollen im Genom von Neandertaler und Menschen eine Antwort auf die Frage suchen, was die Ursachen dieser unterschiedlichen Entwicklung waren.

So haben die Forscher bereits Genorte für die Sprachfähigkeit und für die Gehirnentwicklung untersucht. Möglicherweise wurden auch Gene des Neandertalers an den Menschen vererbt. Die vorläufigen Ergebnisse deuteten allerdings darauf hin, dass Neandertaler, wenn überhaupt, nur einen sehr geringen Anteil zu der bei den heutigen Menschen gefundenen Varianz beigetragen haben.
von ddp/wissenschaft.de – Martin Schäfer
Svante Pääbo (MPI für evolutionäre Anthropologie, Leipzig) und Michael Egholm (454 Life Sciences, Branford): Presseinformationen der Max-Planck-Gesellschaft.
Quelle

© Hans-Peter Willig, München User online 11   gestern 1409   heute 157 Glossar LinklisteSitemapMail