Acclamatio

Die Acclamatio waren bei den antiken Griechen und Römern Zurufe, die in der Art eines Sprechchores oder rhythmisch eingebracht wurden. Sie konnte Lob, Beifall, Freude, aber auch Kritik, Ablehnung oder Misstrauen ausdrücken.

Zunächst war die Acclamatio bei den Griechen eine spontane Form des Publikumsbekunden. Im Laufe der Zeit wurde daraus jedoch ein fest gefügtes Ritual, das bei bestimmten Anlässen in vorgegebener Form proklamiert wurde. Schon in Homers Ilias (1,22) findet sich eine Form der Acclamatio. Heute sind noch einige Acclamationen von Volksversammlungen und Kultvereinen in Griechenland bekannt.

Die frühesten Formen der Acclamatio bei den Römern waren die Zurufe während Hochzeitszügen. Möglich waren etwa:

  • Talasse
  • Hymen, Hymenaee io
  • Vale, vale, vale

Seit der spätrepublikanischen Zeit war die acclamatio das Bekunden der öffentlichen Meinung gegenüber Staatsmännern, dem Princeps und dessen Familie. Acclamiert wurde etwa, wenn die betreffende Person das Theater betrat, beim Einzug in die Stadt, während der Spiele. Ausdrucksformen waren im Positiven wie im Negativen Rufe, Klatschen, Zischen und Pfeifen, oft war der Übergang zum Beifall fließend. Ein erfolgreicher Triumphator wurde beispielsweise mit dem Ausruf Io Triumphe acclamiert.

In der Kunst gab es in der Kaiserzeit und der Spätantike Acclamations-Bildprogramme. Sie ist durch das Anheben der rechten Hand zur Gestalt des Herrschers oder Gottes gekennzeichnet. Die Symbolik wurde auch in der mittelalterlichen Kunst zur Darstellung der Anbetung Christi übernommen. Acclamatio-Szenen findet man beispielsweise am Konstantinsbogen, Galeriusbogen, Bogen von Benevent und am Theodosius-Obelisk.

Quellen

  • Homer, Ilias 1,22
  • Catull 61-62
  • Livius 1,9,12
  • Varro bei Nonius Marcellus p.48,5
  • Varro ling. 6,68

Literatur

  • Karl Sittl: Die Gebärden der Griechen und Römer, 1890
  • Andreas Alföldi: Die Ausgestaltung des monarchischen Zeremoniells am römischen Kaiserhofe, In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Rom 49 (1934), S. 79-88