Abu Bakr ibn Umar

Abu Bakr ibn Umar (spätere Darstellung von 1413)

Abu Bakr ibn Umar (arabisch ‏أبو بكر بن عمر‎, DMG Abū Bakr b. ʿUmar; † 1087) war 1056-1087 Führer der Almoraviden.

Abu Bakr ibn Umar war der Bruder von Yahya ibn Umar, dem Führer der Lamtuna, einem Sanhadscha-Stamm in der westlichen Sahara. Als der Religionsgelehrte Ibn Yasin um 1046 mit der Verkündung seiner Lehre unter den Sanhadscha-Berbern begann, schlossen sich die beiden Brüder ihm an.

Während des Aufstands der Dschudala, der zur vorübergehenden Vertreibung Ibn Yasins und seiner Anhänger geführt hatte, ernannte dieser Yahya ibn Umar zum weltlichen Führer des neu gebildeten Kampfbundes der Almoraviden. Yahya fiel 1056 im Kampf gegen die Dschudala. Daraufhin wurde Abu Bakr von Ibn Yasin zum neuen Führer der Almoraviden ernannt. Als solcher schlug er einen Aufstand der Magrawa in Sidschilmasa nieder und ließ sich in Aghmat nieder. Abu Bakr heiratete Zaynab an-Nafzawiyya, die Witwe des Masmuda-Fürsten von Aghmat, und konnte damit seinen Einfluss unter den Stämmen des Atlas weiter ausbauen. Nach dem Tod von Ibn Yasin (1059) vereinigte Abu Bakr die weltliche und geistliche Führungsrolle bei den Almoraviden in seiner Person.

Um der Bewegung ein neues Zentrum zu geben wurde am 7. Mai 1070 Marrakesch gegründet. (Die Gründung durch Yusuf ibn Taschfin 1062 wird mittlerweile einer Legendenbildung zugeschrieben.) Als ein neuer Aufstand in der Sahara ausbrach, ernannte Abu Bakr seinen Vetter Yusuf ibn Taschfin zu seinem Stellvertreter. Dies nutzte Yusuf aber, um seine eigene Herrschaft auszubauen. Als Abu Bakr 1072 nach Marokko zurückkehrte, sah er sich faktisch entmachtet. Er verzichtete auf einen Machtkampf mit Yusuf ibn Taschfin (1072-1106) und zog sich in die Sahara zurück. Von Yusuf ibn Taschfin wurde er formal auch weiterhin als Führer der Almoraviden anerkannt.

Mit der Trennung verloren die Sanhadschastämme in der Sahara ihre Bedeutung für die Bewegung der Almoraviden. Abu Bakr führte bis zu seinem Tod 1087 den Kampf gegen heidnische Stämme in der Sahara und dem Sudan fort. Sein größter Erfolg waren die Interventionen in dem Reich von Ghana, wo muslimische Herrscher durchgesetzt wurden. Damit wurde die Islamisierung der afrikanischen Stämme des Nigergebiets eingeleitet.

Literatur

  • Ulrich Haarmann: Geschichte der Arabischen Welt. Herausgegeben von Heinz Halm. 4. überarbeitete und erweiterte Auflage. C. H. Beck, München 2001, ISBN 3-406-47486-1, (Beck's historische Bibliothek).
  • Stephan Ronart, Nandy Ronart: Lexikon der Arabischen Welt. Ein historisch-politisches Nachschlagewerk. Artemis Verlag, Zürich u. a. 1972, ISBN 3-7608-0138-2.