Das Schultergelenk (lat. Articulatio humeri), auch Glenohumeralgelenk genannt, wird von dem Oberarmkopf (Caput humeri) und dem Schulterblatt (Scapula) gebildet. Da dieses Gelenk vor allem durch Muskulatur gesichert ist und die Bewegungen kaum durch knöcherne Strukturen eingeschränkt werden, ist es das beweglichste Kugelgelenk des menschlichen Körpers.
Der kugelförmige Kopf des Oberarmknochens (Humerus) steht mit der längsoval geformten Gelenkfläche des Schulterblattes (Cavitas glenoidalis) in Verbindung (artikuliert). Diese Gelenkfläche ist im Vergleich zum Oberarmknochenkopf klein und umschließt ihn daher nicht vollständig wie es beispielsweise im Hüftgelenk der Fall ist, sondern nur zu einem geringen Teil. Eine Vergrößerung der Kontaktfläche zwischen beiden Gelenkpartnern bildet eine drei bis vier Millimeter breite faserknorpelige Pfannenlippe (Labrum glenoidale), die an der Gelenkfläche befestigt ist.
Die Gelenkkapsel des Schultergelenkes ist relativ weitläufig und schlaff. Schwanzwärts (caudal) befindet sich bei entspannter Haltung eine etwa ein Zentimeter lange Reservezone (Recessus axillaris), die einen großen Bewegungsspielraum bietet.
Die Gelenkkapsel sendet einen Ausläufer um die Ursprungsehne des Musculus biceps brachii und bildet damit eine so genannte Kapselsehnenscheide.
Zahlreiche Schleimbeutel (Bursae) spielen eine wichtige Rolle für die Funktion des Schultergelenkes:
Das Schultergelenk hat in Relation zu seiner Beanspruchung gesehen einen sehr schwach ausgebildeten Bandapparat, der nur aus vier Bändern besteht: Ligamentum coracohumerale, Ligamentum coracoglenoidale, Ligamentum coracoacrominale und die Ligamenta glenohumeralia. Eine Führung durch Bänder ist daher nicht gegeben.
Die Führung und Absicherung des Schultergelenkes erfolgt durch manschettenartig umschließende Muskeln, die so genannte Rotatorenmanschette. Sie leistet einen wesentlich höheren Beitrag zur Stabilität als die Bänder und übernimmt somit die Hauptsicherung des Gelenkes.
Durch den Aufbau als Kugelgelenk bedingt, ist die Bewegung des Armes in allen drei Ebenen und Achsen möglich. Einen wesentlichen Beitrag zur Beweglichkeit leisten beim Menschen die beiden Teilgelenke des Schultergürtels (Articulatio acromioclavicularis und Articulatio sternoclavicularis). Je nach Erfordernissen werden durch die Beweglichkeit dieser Gelenke die Positionen von Schlüsselbein (Clavicula) und Schulterblatt modifiziert.
Für die Praxis ist davon auszugehen, dass kaum eine Bewegung des Armes auf eine alleinige Bewegung des Schultergelenkes zurückzuführen ist. Das Zusammenspiel der Gelenkgruppe ist daher bei der Bewertung von Bewegungseinschränkungen mit zu berücksichtigen.
Bei den Säugetieren, die eher Laufbewegungen ausführen, ist das Schultergelenk zwar ebenfalls ein Kugelgelenk, durch die Anordnung der Muskulatur ist es aber soweit in seiner Bewegung eingeschränkt, dass nur noch Beugung (Flexion) und Streckung (Extension) möglich sind, also das Gelenk nur in einer Richtungsachse bewegt wird (so genanntes Wechselgelenk).
Eine relativ häufige Verletzung des Gelenkes stellt die Auskugelung (Luxation) dar (→ Schulterluxation). Dabei springt der Oberarmknochenkopf aus der Gelenkpfanne des Schulterblattes. Mitunter kann sich aus einer singularen Luxation eine habituelle Luxation entwickeln, da das Gelenk instabil geworden ist.
Zur Behandlung von Arthrosen oder nach Unfällen gibt es auch beim Schultergelenk etwa seit 1995 künstliche Gelenkersätze (Endoprothesen) der dritten Generation.